Wie Eltern und Schüler Ängsten zur Schulöffnung begegnen können

Coronavirus

Viele Schulen kehren zum Präsenzunterricht zurück - obwohl die Inzidenzzahlen steigen. Eltern sorgen sich um die eigene Gesundheit und die ihrer Kinder. Eine Psychologin gibt Tipps gegen Ängste.

Hannover

von Marc R. Hofmann

, 18.03.2021, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vielerorts kehren die Schulen zum Präsenzunterricht zurück - obwohl die Inzidenzzahlen steigen. (Symbolbild)

Vielerorts kehren die Schulen zum Präsenzunterricht zurück - obwohl die Inzidenzzahlen steigen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

„An den Schulen finden zu wenig beziehungsweise noch keine Testungen statt“, beklagt Sabrina Wetzel, Vorstandsmitglied des Bundeselternrats, der sich für die Interessen der Erziehungsberechtigten einsetzt. Eine grundsätzliche Ablehnung der Öffnung durch die Elternvertretung lasse sich dadurch jedoch nicht ableiten. Wegen der bundesweit sehr unterschiedlichen Inzidenzwerte „gehen auch die Meinungen der Eltern zur Öffnung weit auseinander“. Erfreut zeigt man sich dort jedoch darüber, dass die Präsenzpflicht in den meisten Bundesländern ausgesetzt sei. „Damit steht es den Eltern frei, ihre Kinder zu Hause zu lassen“, so Wetzel.

Dass sich viele Eltern von der Öffnung der Schulen trotzdem Entlastung versprechen, kann Prof. Hanna Christiansen gut verstehen. Die Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Philipps-Universität Marburg hat im ersten Lockdown die Erfahrungen der Eltern mit Homeschooling und Distanzunterricht untersucht. Sie sagt: „Nach einem Jahr mit viel Betreuung zu Hause ist die Luft raus.“

Öffnung der Schulen trotz höherer Neuinfektionszahlen

Mit der Öffnung der Schulen reagiere die Politik daher vor allem auf die Ermüdungserscheinungen in der Bevölkerung. „Mit dem aktuellen Infektionsgeschehen hat das nichts zu tun“, so die Psychologin, die selbst Mutter eines 13-jährigen Sohnes ist. Sie wisse jedoch auch, wie wichtig für die Kinder und Jugendlichen die Rückkehr zur Normalität sei. „Ich sehe, wie gut meinem Kind das Fußballtraining tut.“ Sie rät deswegen dazu, trotz der Öffnungsschritte weiter Vorsicht walten zu lassen.

„Wenn die dritte Welle sonst Ostern ihren Höhepunkt erreicht, ist damit niemandem geholfen“, sagt die Marburger Forscherin. Das gelte insbesondere, weil nach einer Studie des Robert Koch-Instituts rund 36,5 Millionen Menschen und damit mehr als die Hälfte der Bevölkerung über 15 Jahre Gefahr läuft, schwer an Corona zu erkranken. „Und darunter fallen auch viele Eltern und vor allem Angehörige, die gepflegt werden müssen“, sagt Christiansen. Egal, ob weiterer Lockdown oder Ansteckungsgefahr in der Schule, die Risiken beider Strategien seien deswegen hoch.

Psychologin rät: Möglichst viel Struktur im Alltag erhalten

„Es ist sowohl für die Kinder als auch die Eltern wichtig, möglichst viel Tagesstruktur zu behalten“, so die Psychologin. Neben der Schule könnten Treffen draußen mit Abstand oder digital stattfinden. Der Austausch helfe, die Seele in schweren Zeiten fit zu halten. Denn: „Verunsicherung bei den Eltern spüren Kinder sehr deutlich.“

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Wenn sie es nicht schaffen, ihre eigene Anspannung zu reduzieren, rät Christiansen dazu, sich Hilfe zu suchen. „Wenn man kurzfristig jemanden zum Reden braucht, kann die Nummer gegen Kummer genutzt werden.“ Sie unterhält eigene Hotlines für Kinder und Jugendliche (Kurzwahl 116 111) und Eltern (0800 111 0 550). Weitere niedrigschwellige Hilfsangebote gebe es in Form kurzer Videos etwa von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und auf der Webseite von „Familien unter Druck“. „Oft hilft schon ein Gespräch und eine Therapie ist nicht immer nötig“, sagt Hanna Christiansen.

Um die Ängste der Kinder einzufangen, sei ein offenes Ohr der Eltern besonders wichtig. „Im ersten Lockdown sind die Bedürfnisse junger Menschen vielfach vergessen worden.“ Dabei sei es gar nicht notwendig, für alle Probleme eine Lösung zu haben. „Wer sich ernstgenommen fühlt, kann schon deswegen mit der Situation besser umgehen“, erklärt Christiansen.

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