Wie läuft die Corona-Impfung ab? Wer wird wann geimpft? – Fragen und Antworten

Coronavirus

Ab sofort werden in Deutschland Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Wer ist wann dran, wie melde ich mich dazu an und werden auch Kinder und Schwangere geimpft? Fragen und Antworten.

Hannover

27.12.2020, 09:54 Uhr / Lesedauer: 4 min
Ab sofort beginnen die Impfungen gegen das Coronavirus in NRW.

Ab sofort beginnen die Impfungen gegen das Coronavirus in NRW. © picture alliance/dpa

Die Corona-Impfung von besonders gefährdeten Personengruppen kann in Deutschland gleich nach Weihnachten beginnen. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfahl am Montag die bedingte Zulassung des Präparats von Biontech und Pfizer in der EU, die EU-Kommission erteilte noch am Abend die formell nötige Genehmigung. Die Antworten zu den wichtigsten Fragen:

Corona-Impfung: Wer ist wann dran?

„Am 27.12. geht es in Deutschland los: Die ersten Pflegebedürftigen werden geimpft“, kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Twitter an. Der Bund lässt das Präparat zur Corona-Impfung je nach Bevölkerungsanteil an insgesamt 27 feste Standorte in den Bundesländern liefern. Ab dann sind die Länder für Lagerung und Verteilung sowie die Beschaffung von Impfzubehör wie Lösungsmittel, Spritzen und Kanülen zuständig.

Am Anfang der Impfreihenfolge sollen Ältere über 80 Jahre stehen, zudem Personal etwa in Notaufnahmen oder Corona-Stationen sowie in der Altenpflege. Insgesamt umfasst diese Gruppe der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge rund 8,6 Millionen Menschen. Zu denen, in der Reihenfolge beim Impfen gegen das Coronavirus zuletzt berücksichtigt werden, gehören im Allgemeinen Menschen unter 60 Jahre, die weder Vorerkrankungen haben noch mit Risikopatienten in Kontakt kommen oder berufsbedingt viele Menschen treffen. Das entspricht etwa 45 Millionen Menschen.

Was bedeutet dieser Impfplan für weitere Gruppen – in welcher Reihenfolge werden sie geimpft?

Folgende Gruppen erhalten in Deutschland nach und nach eine Corona-Impfung: In einer weiteren Stufe Ältere zwischen 75 und 79 Jahren, Menschen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung in Einrichtungen, dort tätiges Personal, Menschen mit Downsyndrom. Folgen sollen 70- bis 74-Jährige, Menschen nach Organtransplantationen, Bewohner und Personal in Gemeinschaftsunterkünften – etwa Minderjährige, Asylsuchende, Obdachlose, enge Kontaktpersonen von Schwangeren und Pflegebedürftigen.

Dann folgen im Corona-Impfung-Zeitplan Ältere zwischen 65 und 69 Jahre, Lehrkräfte, Erzieherinnen, Inhaftierte, Saisonarbeiter, Beschäftigte in Verteilzentren oder der fleischverarbeitenden Industrie, weiter 60- bis 64-Jährige, Personal in Schlüsselpositionen der Landes- und Bundesregierungen sowie Mitarbeiter im Einzelhandel, der Polizei, der Feuerwehr oder des ÖPNV.

Immer noch prioritär folgen im Impfplan die übrigen unter 65-Jährigen. Spahn kündigte aber „fließende Übergänge“ an. Nach einer sehr starken Priorisierung zu Beginn erwartet er immer größere verfügbare Impfstoffdosen und neue Zulassungen – etwa des Serums der Firma Moderna.

Wie viele Impfdosen erhält Deutschland?

Die erste Lieferung von Biontech/Pfizer kommt am 26. Dezember. Erwartet würden 151.125 Impfdosen, teilte die Berliner Gesundheitsverwaltung mit, die derzeit der Gesundheitsministerkonferenz vorsteht. Am 28. Dezember folgen demnach weitere 521.625 Impfdosen, am 30. Dezember 672.750. Spahn twitterte: „Im Januar werden jede Woche mindestens weitere 670.000 Dosen ausgeliefert.“ Zuvor hatte er für das erste Quartal die Zahl elf bis 13 Millionen genannt. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für eine Corona-Impfung von 5,5 bis 6,5 Millionen Menschen reichen. Insgesamt hat sich der Bund über einen EU-weiten Schlüssel und nationale Vereinbarungen bisher mehr als 300 Millionen Dosen gesichert – von Biontech und anderen Herstellern.

Was steht in der Impfverordnung des Bundes?

Die Corona-Impfverordnung regelt, welche Gruppen wann geimpft werden. „Eine Priorisierung ist notwendig, weil zunächst nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, um alle Menschen zu impfen, die das wünschen“, begründet das Bundesgesundheitsministerium die Impfverordnung des Bundes.

Wie läuft die Corona-Impfung ab?

Im Abstand von drei Wochen erhält jeder Patient jeweils eine Dosis in den Oberarm – genauer gesagt in den Deltamuskel. „Er könnte im Prinzip in jeden Muskel gespritzt werden, aber die Stelle am Arm ist eben gut zugänglich“, sagt der Rostocker Virologie-Professor Andreas Podbielski. Der Wirkstoff der Corona-Impfung bleibt für einige Stunden im Muskel und der Körper hat so Zeit, ihn zu erkennen und darauf zu reagieren.

Wie funktioniert die Anmeldung zur Corona-Impfung?

Die Anmeldung zur Corona-Impfung ist nur mit Termin möglich. Die Terminvergabe regeln die Bundesländer, hier kommt es zu unterschiedlichen Verfahren. In Baden-Württemberg zum Beispiel ist geplant, dass neben einer App die telefonische Anmeldung über die bundesweit einheitliche Nummer 116 117 oder auch direkt in größeren Impfzentren erfolgen kann. Niedersachsen wiederum hat eine landeseigene Hotline zur Terminvergabe, über die die Menschen die Anmeldung zur Corona-Impfung vornehmen können. Manche Länder schreiben ihre Bürger auch direkt an und laden sie zur Corona-Impfung ein.

Kostet die Corona-Impfung etwas?

Nein. Die Corona-Impfung soll kostenlos sein, egal ob und wie jemand versichert ist. Die Kosten für die Impfstoffe übernimmt der Bund. Dafür stehen im Etat 2021 zunächst 2,7 Milliarden Euro bereit. Die Kosten rund um die Corona-Impfung insgesamt taxiert Spahn auf bis zu 6 Milliarden Euro.

Kinder gegen Corona impfen, ist das sinnvoll?

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) steht die Corona-Impfung erst einmal nur für Erwachsene zur Verfügung. Er sei „bei Kindern und Jugendlichen noch nicht genügend auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht“ worden.

Ein Grund sei, dass Kinder allein aus ethischen Gründen nicht für frühe Tests vorgesehen seien. „Vor der Prüfung an Kindern muss sichergestellt sein, dass in den Studien bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind“, schreibt das RKI auf seiner Webseite. Ob es auch eine Empfehlung für eine Impfung von Kindern gegen Corona geben wird, ist laut RKI bisher noch nicht absehbar.

Corona-Impfung für Schwangere: Was müssen sie beachten?

Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller dürfen bei sogenannten Phase-III-Studien, in denen der Impfstoff an vielen freiwilligen Probanden getestet wird, keine schwangeren Frauen teilnehmen. Dementsprechend gibt es keine Daten darüber, wie sicher eine Corona-Impfung für Schwangere ist. Die Pharmazeutische Zeitung (PZ) berichtet, dass Studien an Schwangeren mit dem Biontech-Impfstoff geplant seien.

Nach derzeitigen Kenntnissen hielten Experten es für unwahrscheinlich, dass der Impfstoff ein Risiko für Mutter sowie ihr ungeborenes Kind oder einen gestillten Säugling darstellen. „Wenn Schwangere zu einer Gruppe gehören, für die eine Covid-19-Impfung empfohlen wird (zum Beispiel medizinisches Personal), können sie sich für eine Impfung entscheiden“, so die „PZ“. Und: Kontaktpersonen von Schwangeren gehören laut dem Bundesgesundheitsministerium in die Gruppe der Menschen mit hoher Priorität, zu der auch die über 70-Jährigen zählen.

RND/dpa/saf

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