Wie realistisch ist "Gravity"?

Fragen und Antworten

Der Weltraum-Film "Gravity" bricht in den USA Kassenrekorde und schoss auch bei uns an die Spitze der Kinocharts. Der Überlebenskampf zweier Astronauten im All - gespielt von Sandra Bullock und George Clooney - ist ungeheuer spannend. Doch wie realistisch ist "Gravity" (Schwerkraft) wirklich? Wir beleuchten die Hintergründe. Wer den Film allerdings noch sehen möchte, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen.

DORTMUND

von Von Bettina Jäger

, 11.10.2013, 20:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sandra Bullock in knapper Unterwäsche: Sieht gut aus, entspricht aber nicht dem Alltag im All.

Sandra Bullock in knapper Unterwäsche: Sieht gut aus, entspricht aber nicht dem Alltag im All.

Der Film beginnt mit der dramatischen Zerstörung des Space Shuttle durch eine große Wolke aus Weltraumschrott. Die Russen hätten einen Satelliten zerstört, heißt es.

Niemals, sagt Andreas Schütz als Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR), würden die Russen oder eine andere Nation einen Satelliten abschießen, der sich auf einer Umlaufbahn mit einer bemannten Station befindet. Nur zwei Fälle abgeschossener Satelliten sind bekannt geworden: 2006 pulverisierten die USA mit einer Schiffsrakete einen Satelliten, der sich nahe der Erde befand und mit giftigem Treibstoff abzustürzen drohte. Die Reste verglühten nach 18 Monaten in der Atmosphäre. 2007 zerstörte China einen Wettersatelliten in 850 Kilometern Höhe. Zahlreiche Nationen protestierten. Es dauert nämlich 150 Jahre, bis die Brocken absinken und verglühen. Grundsätzlich befinden sich Satelliten in 800 oder 36 000 Kilometern Höhe, die Stationen auf etwa 400 Kilometern Höhe, sie begegnen sich also normalerweise nicht.

Ist Weltraumschrott tatsächlich gefährlich?

Ja. Allerdings ist die Raumstation ISS dagegen geschützt mit Schilden und mit Wänden, die sich nach Beschädigungen selbstständig wieder verschließen. Die ISS musste aber auch schon den Kurs ändern, um großen Bruchstücken aus dem Weg zu gehen.

Absolut. Jeder amerikanische "Space Suit" ist ein kleines Raumschiff mit vollständigem Lebenserhaltungssystem, Kühlsystem, Strom und Verpflegung. Bei der Form der NASA-Anzüge und -Helme erlaubte sich das Filmteam allerdings Freiheiten. "Der Schnitt ist ein wenig vorteilhafter - sonst wäre das nur ein großer, formloser Sack", so Kostümdesignerin Jany Temime.Wäre es möglich, sich mit einer Raumkapsel von der ISS zur chinesischen Station Tiangong zu retten?

Das ist extrem unwahrscheinlich. Die Stationen liegen weit auseinander und befinden sich auf verschiedenen Umlaufbahnen. Da die Astronauten im Film nur mit Hilfe der Bremsraketen navigieren können und somit an Höhe verlieren würden, müsste die Tiangong-Station zufällig unter der Kapsel hindurchfliegen. Dass dann auch noch ein Feuerlöscher zur Fortbewegung dient, legen Fachleute unter "filmische Freiheit" ab. Physikalisch wäre es allerdings möglich, sich durch den Rückstoß eines solchen Gerätes durchs All zu bewegen.

Schon erstaunlich, dass erst eine russische Sojus-Kapsel und dann eine chinesische Shenzou-Kapsel Rettung versprechen. Können US-Astronauten beide Modelle bedienen?

Realistisch, urteilt Andreas Schütz. Die Sojus-Kapsel ist das normale Rettungsgerät der ISS. "Um eine solche Kapsel fliegen zu können, bedarf es langen Trainings", sagt er. Aber: Alle US-Astronauten erhalten eine Grundeinweisung für den Notfall. Die chinesische Kapsel ist dann nur eine Weiterentwicklung des russischen Modells.

Sandra Bullock zeigt ihre perfekte Figur in knapper Unterwäsche. Sehen Astronauten wirklich so unter ihrem Space Suit aus?

Nein. Astronauten werden immer wieder gefragt, was sie beim Weltraumspaziergang "drunter" tragen. Mike Good hat es verraten. Es handelt sich um weiße Funktionsunterwäsche mit langen Armen und Beinen. Trotzdem war Bullocks Unterwäsche das größte Kostümproblem des Films. Hemd und Höschen mussten ein Korsett verbergen, an dem Drähte befestigt waren. Die Schauspielerin hing an bis zu zwölf Seilen, um Schwerelosigkeit vorzutäuschen.

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