Wie Thea (33) und Daniel (34) an ihr Traumhaus kamen

mlzHauskauf in Dortmund

Als Thea und Daniel klar wird, dass das Haus aus der Anzeige in ihrem Lieblingsvorort Dortmund-Dorstfeld steht, geht alles schnell. Lange dauern nur die Verhandlungen mit den Banken.

Dortmund

, 21.12.2018, 04:30 Uhr / Lesedauer: 5 min

Ein Freund macht sie auf die Immobilien-Anzeige aufmerksam: Inseriert ist ein Altbau von 1913, rund 280 Quadratmeter Wohnfläche, fast 700 Quadratmeter Grundstück. „Als ich das Exposé gesehen habe, hab ich erst mal gesagt: Wir suchen nichts in Mallorca, wir wollen in Dorstfeld bleiben“, erzählt Daniel Nagler (34) heute lachend – etwas mehr als ein Jahr, nachdem Thea Fuß (33) und er das Angebot im Herbst 2017 in die Finger bekommen haben.

Was den beiden da entgegen leuchtet, ist die Rückansicht des Hauses: strahlend blauer Himmel, Swimmingpool, zwei aufgespannte Sonnenschirme. Alles sieht aus wie ein großartiges Ferienhaus für die vierköpfige Familie mit den Töchtern Mirja (damals 5) und Anni (damals 3). Aber der Freund hat sich nicht verlesen: Das Haus steht tatsächlich in Dortmund-Dorstfeld und ist perfekt geeignet für Thea und Daniel, die ohnehin im Ort wohnen und dort tief verwurzelt sind.

“Neubauten haben für mich keinen Charme“

Theas Elternhaus steht in Dorstfeld, Daniel spielt beim ATV Handball, die allermeisten Freunde aus ihrer Clique leben hier. Zum Leibniz-Gymnasium, an dem Daniel Nagler als Lehrer für Sport und Pädagogik arbeitet, ist es von hier auch nicht weit. Und, so erzählt es Thea, sie wollte ohnehin immer in einem Altbau leben: „Ich kenne das nicht anders. Neubauten haben für mich keinen Charme.“

Zwischen ihnen und dem Traum-Eigenheim stehen nur noch die Mitbewerber. Rund 40 interessieren sich zunächst für die Immobilie, so berichten es ihnen Makler und Vorbesitzer, 6 bleiben noch übrig, als der Kaufpreis feststeht. Warum sie es bekommen haben? „Erstens, weil wir einfach schnell waren“, sagt Daniel. Nach zwei Tagen sei das Exposé schon wieder aus dem Netz verschwunden. „Und weil der Verkäufer uns wollte.“

Der Vorbesitzer findet es gut, dass eine Familie einziehen möchte

Der hatte selbst mit seinen Kindern in dem Haus gelebt; es war sein eigenes Elternhaus gewesen. „Er fand es sympathisch, dass wir als Familie dort einziehen und das Haus als Einfamilienhaus nutzen wollen“, erzählt die 33-jährige Thea, auch sie Lehrerin. Andere Interessenten hätten dagegen darauf spekuliert, das Haus am Rande der Zechensiedlung in Oberdorstfeld wieder zu einem Dreifamilienhaus mit kleineren Einheiten machen zu wollen, so, wie es früher gewesen war.

Wie Thea (33) und Daniel (34) an ihr Traumhaus kamen

An der Terrasse musste die Familie nichts machen. Im Haus selbst um so mehr. © Stephan Schütze

Dass sie das Haus nehmen wollen, steht für Thea und Daniel praktisch sofort fest. „Ausschlaggebend war nicht der Pool, den hab ich sogar eher als Gefahr für die Kinder gesehen“, sagt Thea rückblickend. „Entscheidend war der emotionale Faktor.“ Sie habe sich einfach sofort wohlgefühlt, anders als bei dem einzigen anderen Objekt, das sie Monate zuvor besichtigt und dessen Wände deutliche Spuren des rauchenden damaligen Besitzers gezeigt hatten.

Dazu kommt die perfekte Lage. „Es war das einzige große Haus in der Zechensiedlung“, meint Daniel und fügt hinzu: „Es hat aber geholfen, dass sowohl Theas Vater, der immer gerne sagt: ‚Mach!‘, als auch mein Papa, der der größte Skeptiker ist, uns unterstützt haben“.

Und es hilft, dass sich die beiden wichtige Gedanken schon vorher gemacht haben. Zum Beispiel über die Frage, welcher Preis maximal für sie finanzierbar ist. Zentrale Renovierungen hat der Vorbesitzer bereits selbst kurz davor vornehmen lassen, Dach und Fenster sind gemacht.

Wie viel Geld hast du? Verkraftest du den Verdienstausfall?

Für den 34-Jährigen ist das ein zentraler Tipp an andere junge kaufwillige Familien: „Wie viel Geld hast du? Was hast du zu erwarten? Verkraftest du den Verdienstausfall, wenn ein weiteres Kind kommt?“ Klar sei ihnen aber mittlerweile auch: „Mit zu viel Sicherheitsbedürfnis kannst du sowas nicht machen.“

Gezwungen war die Familie nicht, aus ihrer Mietwohnung auszuziehen. Zwar war ein drittes Kind schon geplant, aber selbst zu fünft hätten sie sich nicht unbedingt vergrößern müssen. „160 Quadratmeter, drei Kinderzimmer, ein großes Arbeitszimmer“, das war das, was sie wollten. Dass es nun mehr als 100 Quadratmeter mehr geworden sind, war so gesehen Zufall.

Sie verhandeln nicht über den Kaufpreis

Über den Kaufpreis verhandeln Thea und Daniel mit dem Verkäufer nicht. Wohl aber über einen Kredit mit den Banken. Dass sie Schulden machen müssen, war bei einem solchen Großprojekt vorher klar – trotz Unterstützung beider Eltern. Die Kreditsuche ist die anstrengendste Phase: Verhandlung mit der eigenen Hausbank, der Gang zum Vermittler, das Feilschen um die zweite Nachkommastelle bei den Kreditzinsen. Bei einem (fiktiven) Kredit von 200.000 Euro bedeutet ein monatlicher Zinsunterschied von 0,1 Prozent 200 Euro jährlich oder mehr als 4000 Euro über eine Laufzeit von 20 Jahren.

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Schließlich einigen sie sich mit einer externen Bank, weil die Hausbank ihnen nicht ausreichend entgegen kommen möchte. Unabhängig vom Kredit profitieren Thea und Daniel von einer Geldspritze aus Berlin: Weil der offizielle Kauftermin erst im Jahr 2018 liegt, kommen die beiden nun in den Genuss des Baukindergeldes, das Bundestag und Bundesrat im Spätsommer rückwirkend zum 1. Januar 2018 beschlossen haben.

36.000 Euro extra vom Staat

Seitdem erhalten alle Familien, die im laufenden Jahr gebaut oder gekauft haben, pro Kind 100 Euro im Monat und das zehn Jahre lang. Als das Baukindergeld beschlossen wird, ist Thea schon hochschwanger mit Janno, der mittlerweile rund zehn Wochen alt ist. Und das heißt wiederum: Bis ins Jahr 2027 werden Thea Fuß und Daniel Nagler insgesamt 36.000 Euro Baukindergeld erhalten haben, 12.000 für jedes Kind.

Doch zurück zum Haus: Als alles unter Dach und Fach ist, gibt es noch einiges zu tun,. Wie viel haben die beiden an Eigenleistung beigesteuert? „Das Rausreißen haben Freunde und ich selbst gemacht, die Wände gestrichen auch. Und das handwerkliche Geschick von Theas Mutter hat uns zum Beispiel beim Türenstreichen ‚geretttet‘. Aber den Rest habe ich machen lassen“, berichtet Daniel.

Froh, dass sie nicht komplett von Freunden abhängig sind

Hier helfen ihnen Beziehungen. Über Daniel Naglers Kontakte zum ATV und die Erfahrungen von Freunden nehmen die beiden Kontakt zum sogenannten „Dorstfelder Handwerkerkreis“ auf. Der Elektrikbetrieb von Michael Koch-Mühling, Sanitärexperte Hans-Dieter Scheer und Innenausbauer Dirk Schaeffer erledigen die Arbeit wie aus einer Hand. „Das hat uns wirklich gerettet“, sagt Thea.

Sie sei rückblickend froh, dass sie die professionellen Helfer hatten, bei denen klar war, dass sie Geld bekommen – und dass sie nicht komplett von Freunden abhängig waren. „Dann stehst du doch vor der Frage: Musst du ihnen was zahlen und wie viel? Oder du kannst sie nicht zwingen, für dich Zeit zu haben, weil sie dir einen Gefallen tun.“

“Ich habe in zwei Monaten wieder Zeit - oder nächsten Samstag“

Teilweise stand ihnen auch das Glück zur Seite: „Entweder habe ich in zwei Monaten wieder Zeit – oder nächsten Samstag“, sagt zum Beispiel der Estrichleger den beiden. Woraufhin Daniel mithilfe seiner Handball-Mannschaft alles rausreißt, was den Estrichleger daran hätte hindern können, an eben diesem nächsten Samstag tätig zu werden.

Wie Thea (33) und Daniel (34) an ihr Traumhaus kamen

Die Wände im Erdgeschoss hat Daniel Nagler zusammen mit Freunden selbst gestrichen. Den Boden hat die Familie vom „Dorstfelder Handwerkerkreis“ legen lassen. © Stephan Schütze

Schon vorher haben sie sich gefragt: Was wollen wir jetzt verändern? Und was geht später? Ein neuer Fußboden im Erdgeschoss soll sofort her, die Küche des Vorbesitzers wollen die beiden nicht übernehmen, die Raumstruktur gefällt ihnen nicht 100-prozentig.

Deshalb sollen im Erdgeschoss zwei Durchbrüche her. Schließlich bauen sie noch eine Treppe zwischen Wohnzimmer und 1. Obergeschoss ein, die eigentlich erst für einen späteren Zeitpunkt geplant war. „Aber wir wissen, wie das bei uns ist“, sagt Thea. „Entweder wir machen’s sofort oder die nächsten zehn Jahre nicht.“ Gleiches gilt fürs Badezimmer im Erdgeschoss.

Tatsächlich klappt schließlich alles mit der Renovierung so schnell, dass Thea, Daniel, Mirja und Anni nur zwei Monate nach der Schlüsselübergabe einziehen können. Geanuer: fast einziehen können. „Die ersten zwei Wochen haben wir auf dem Dachboden gewohnt, oder besser, campiert“, sagt Daniel und grinst. „Ich wollte den Termin, den ich mir selbst gewählt hatte, unbedingt einhalten.“

Das Haus ist fast acht Monate nach Einzug (fast) fertig

Nach knapp acht Monaten im eigenen Haus wirken die beiden rundum zufrieden. „Auch wenn wir vorher viel günstiger gewohnt haben als jetzt“, auch wenn sie monatlich einen vierstelligen Betrag an die Bank zahlen: „Wir müssen unsere Urlaube nicht umstellen, weil wir sowieso immer mit dem Camper unterwegs sind. Wir waren nie die großen Shopper.“ Und fertig ist auch alles. Nur der Keller steht noch aus. In einigen Jahren werden die beiden wissen, ob auch hier für sie gilt: Entweder wir machen’s sofort – oder gar nicht.

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