Wildwechsel auch am Tag: Tierschützer warnen vor liebestollen Rehen

Verkehr

Liebestolle Rehe treiben sich durch Wald und Flur. Blind für Gefahren endet die Paarungszeit für manch verliebtes Tier tödlich. Tierschützer warnen: Das sollten Autofahrer beachten.

Hamburg

09.08.2020, 09:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Paarungszeit der Rehe birgt Gefahren für Tier und Autofahrer.

Die Paarungszeit der Rehe birgt Gefahren für Tier und Autofahrer. © picture alliance/dpa

Tierschützer warnen vor liebestollen Rehen im Straßenverkehr. "Verliebte Rehe sind hormongesteuert und geraten bei ihrem Liebesspiel mit dem Verkehr in Konflikt", sagte Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung. Gerade an schwülen Sommertagen folgen die Rehe nur noch "blind" ihrem Trieb und vergessen jede Vorsicht. Autofahrer müssen daher auch tagsüber im ganzen Land mit Wildwechsel rechnen.

Wildtier Stiftung: "Die Dunkelziffer ist hoch"

Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung ist keine andere Schalenwildart derart häufig in Wildunfälle verwickelt: Jedes Jahr verenden mehr als 200 000 Rehe bundesweit im Straßenverkehr. "Die Dunkelziffer ist hoch, denn nicht jeder Wildunfall wird automatisch der Polizei gemeldet und statistisch erfasst", sagte Goris.

Auf Schleswig-Holsteins Straßen wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Landespolizeiamts rund 16 000 Wildunfälle gemeldet - rund 200 mehr als im Jahr 2018. In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Zahl der bei der Polizei registrierten Wildunfälle 2019 auf rund 17 200 Unfälle - knapp 3000 mehr als im Jahr zuvor.

40 Wochen Tragzeit

Abseits der Straßen können Naturfreunde die Brunft der Rehe jedoch genießen. "Die Böcke sind derzeit fleißig dabei, ihr Revier zu markieren", sagte der Tierarzt und Wildbiologe Moritz Franz-Gerstein. Dafür verteilt der Bock ein Sekret aus einer Duftdrüse an seiner Stirn an Sträuchern und Zweigen. "In diesem Rausch lassen sie sich von ein paar Spaziergängen nicht stören."

Die Tragzeit des Rehs ist relativ lang: Die Rehkitze werden nach der Paarung erst rund 40 Wochen später im Mai und Juni des folgenden Jahres geboren. Grund sei das Phänomen der sogenannten Eiruhe, erklärte Goris: Ein Trick der Natur, um den Nachwuchs vor der kalten, nahrungsarmen Jahreszeit zu bewahren. Erst rund fünf Monate nach der Befruchtung im Dezember sei die Eiruhe beendet und der Nachwuchs wachse plötzlich in der Gebärmutter weiter. "Wenn die Kitze dann neuneinhalb Monate später geboren werden, ist endlich Frühling", sagte Goris.

RND/dpa