"Wir wollen soviel Dortmund-Flair wie möglich"

Tatort-Regisseur Stephan Wagner

Er ist der Macher des neuen Dortmund-Tatorts: Regisseur Stephan Wagner dreht derzeit "Hundstage", den achten Fall des Ermittlerteams um Kommissar Faber. Im Interview erzählt er, warum er Dortmund für eine zerrissene Stadt hält - und warum es wichtig ist, so viel wie möglich an Originalschauplätzen zu drehen.

DORTMUND

von Jürgen Overkott

, 13.07.2015, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein düsteres Familien-Geheimnis decken Jörg Hartmann als Psycho-Cop und sein Dortmunder Team auf. Dahinter steckt ein kluger Kopf: Regisseur Stephan Wagner. Noch laufen die Dreharbeiten für den Dortmunder „Tatort: Hundstage“. Das Drehbuch schrieb Christian Jeltsch, in Szene gesetzt wird vom Thriller-Experten Stephan Wagner. Jürgen Overkott sprach mit dem Regisseur.

In Ihrem „Tatort“ geht es um Familie. Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Stephan Wagner:Wir stellen uns die Frage: Was ist Familie? Ist Familie das, woraus wir geboren sind, oder ist Familie das, was wir angenommen haben? Entspricht das gelebte Familienbild dem gelernten Familienbild?

Einer der prägendsten Familien-Filme ist „Der Pate“. Gibt es eine Verbindung zwischen der Mafia-Saga und Ihrem „Tatort“?

Egal wie groß der Clan ist und egal auf welcher Seite des Gesetzes er steht: „Der Pate“ zeigt uns, dass sich Familien am Ende des Tages alle mit den gleichen Problemen herumschlagen.

Was hat Sie gereizt, für Dortmund anzuheuern?

Zum einen hat es mich gereizt, weil das Ensemble aus Schauspielern besteht, mit denen ich teilweise schon mehrfach gearbeitet habe. Zum anderen spielt die Zusammenarbeit mit Frank Tönsmann, dem verantwortlichen Redakteur, eine Rolle. Er hat mir versichert, dass die Form von Freiheit, um nicht zu sagen: Free-Jazz, die ich für das Gelingen des Projekts brauche, gegeben ist.

Welche Figur des Ensembles ist für Sie die spannendste?

Ich finde die ganze Konstellation sehr spannend. Die Rolle Faber, die mit ihrer ungewöhnlichen Veranlagung, stand häufig im Vordergrund. Unser „Tatort“ ist aber auch der Versuch, die übrigen Figuren in ein anderes Verhältnis zu bringen – weil unser Faber in dieser Folge nicht ganz so funktioniert, wie er sich das selber vorgestellt hat.

Wo in Dortmund drehen Sie vor Ort?

Wir sind hauptsächlich im Bereich des Stadthafens unterwegs. Unsere Geschichte nimmt dort ihren Ausgangspunkt. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, so viel Dortmund-Flair wie nur irgend möglich in den Fall einzubauen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es wichtig für den Zuschauer ist, die Geschichte auch räumlich zu verankern und nicht im luftleeren Raum zu erzählen.

 

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Tatort-Team dreht an der Reinoldikirche

Für den achten Dortmund-Tatort "Hundstage" drehte das Filmteam am Dienstag in der Dortmunder City.
30.06.2015
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Tatort-Kommissar Peter Faber (gespielt von Jörg Hartmann) wartet auf seinen Einsatz vor der Reinoldikirche.© Foto: Dieter Menne
Anna Schudt (Kommissarin Martina Boenisch) im Schatten der Sparkassen-Zentrale an der Katharinenstraße.© Foto: Dieter Menne
Das Filmteam dreht derzeit den Tatort "Hundstage" in Dortmund.© Foto: Dieter Menne
Gedreht wurde am Dienstag vor der Reinoldikirche und der Sparkasse an der Kampstraße.© Foto: Dieter Menne
Das Filmteam dreht derzeit den Tatort "Hundstage" in Dortmund.© Foto: Dieter Menne
Das Filmteam dreht derzeit den Tatort "Hundstage" in Dortmund.© Foto: Dieter Menne
Die Stimmung beim Dreh war entspannt.© Foto: Dieter Menne
Jörg Hartmann und Anna Schudt warten auf ihren Einsatz.© Foto: Dieter Menne
Jörg Hartmann und Anna Schudt warten auf ihren Einsatz.© Foto: Dieter Menne
Jörg Hartmann und Anna Schudt warten auf ihren Einsatz.© Foto: Dieter Menne
In den Tagen zuvor war das Filmteam auch schon am Hafen und am Westfalenpark unterwegs.© Foto: Dieter Menne
Die Stimmung beim Dreh war entspannt.© Foto: Dieter Menne
Hmm... Erdbeeren! Jörg Hartmann und Anna Schudt entspannen beim Dreh vor der Reinoldikirche.© Foto: Dieter Menne
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Die steinernen Schauspieler erzählen im Film eine stumme Geschichte.

Wir werfen in dem Film einen besonderen Blick auf das Thema Familie, und wir sehen, dass Dortmund eine Stadt ist, die vor besonderen sozialen Herausforderungen steht, gleichzeitig ist Dortmund eine Stadt mit Menschen, denen es sehr gut geht. Die Wirtschaftskraft der Stadt prägt Dortmund auch optisch. Auch das wird in unserer Geschichte spürbar sein.

Wie haben Sie sich der Stadt buchstäblich genähert?

Wir haben versucht, einen Blick auf die Stadt zu finden; deshalb gehen wir in die Höhe. Allein schon dadurch gibt es einen klaren räumlichen Bezug.

Wie haben Sie das Dortmund-Flair aufgesaugt?

Wir haben Motive vor Ort besucht. Wir wollten sich Dortmund wie irgend möglich in uns aufnehmen, was wichtig ist für die Szenen, die unter freiem Himmel spielen. Es ging uns darum, Wiedererkennungsmotive in unsere Geschichte einzuarbeiten.

Gibt es eine Geschichte, die das Dortmund-Gefühl auf den Punkt bringt?

Ich hatte am Morgen vor Drehbeginn eine Begegnung mit einem alkoholisierten, aber sehr freundlichen Herrn. Die Spuren des Lebens hatten sich in sein Gesicht eingemeißelt. Er war zwar nicht mehr fahrtüchtig, aber er hat sich als Helfer für die Produktion angeboten. Im gleichen Moment fuhr ein Porsche an uns vorbei. Das Fahrzeug war lackiert wie der Roboter in „Star Wars“, C-3PO, in diesem unwirklich schimmernden Gold. Besser kann man die Kontraste dieser Stadt nicht darstellen.

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