Xavier Naidoo: Entsetzen über mutmaßlich fremdenfeindliches Video - RTL fordert Erklärung

Musik

Ein Videoclip von Xavier Naidoo wird seit Dienstagabend in sozialen Medien vielfach geteilt und scharf kritisiert. Der 49-Jährige singt darin von einer angeblichen Gefahr durch Flüchtlinge.

Köln

11.03.2020, 12:58 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der Sänger Xavier Naidoo wird für sein mutmaßlich fremdenfeindliches Video scharf kritisiert.

Der Sänger Xavier Naidoo wird für sein mutmaßlich fremdenfeindliches Video scharf kritisiert. © picture alliance / dpa

„Ihr seid verloren. Ihr macht nicht mal den Mund für euch auf. So nehmen Tragödien ihren Lauf“: Mit diesen Worten beginnt ein Video des Sängers Xavier Naidoo, das seit Dienstagabend in sozialen Medien vielfach geteilt und scharf kritisiert wird. Recht unverholen rappt der 49-Jährige darin über eine angeblich durch Flüchtlinge ausgehende Gefahr für Deutschland. Wann der 55 Sekunden lange Clip aufgenommen wurde, ist unklar.

Sein Haussender RTL, für den er in der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ sitzt, fordert aber bereits eine Erklärung des „Söhne Mannheims“-Star auf Twitter. Der Sänger hat sich bislang nicht geäußert, auch eine RND-Anfrage an das Management blieb bislang unbeantwortet.

Unter anderem singt Naidoo in dem Video: „Ich hab fast alle Menschen lieb, aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt.“ Naidoo greift damit eine häufig von Rechten verbreitete Behauptung auf, jeden Tag wurde ein Geflüchteter in Deutschland einen Menschen töten. Drauf, dass das falsch ist, weist im Zusammenhang mit dem Naidoo-Video unter anderem der Journalist Felix Huesmann hin.

Weiter sagt Naidoo in dem Video unter anderem: „Eure Töchter, eure Kinder sollen leiden. Sollen sich mit Wölfen in der Sporthalle umkleiden. Und ihr steht seelenruhig nebendran. Schaut euch das Schauspiel an, das euch alle beenden kann. Weit und breit ist hier kein Mann, der dieses Land noch retten kann. Hauptsache es ist politisch korrekt – auch wenn ihr daran verreckt.“

Auf Twitter üben viele scharfe Kritik an den mutmaßlichen Aussagen Xavier Naidoos. Der Journalist und Redaktionsleiter der ARD-Sendung „Monitor“, Georg Restle, schreibt: „Keine Bühne für Rassisten und geistige Brandstifter. Erst recht nicht nach Hanau, Halle, Kassel! @RTLde #Naidoo“.

Der deutsch-türkischer Autor Oğuz Yılmaz schreibt: „Dieses Video macht mich einfach so fucking wütend. Nicht unbedingt das, was er sagt, weil das nicht wirklich neu ist. Sondern weil #Naidoo das einfach machen kann und keine Konsequenzen befürchten muss. Weil es halt seine „Meinung“ ist.“

Am Mittwochvormittag äußert sich auch Naidoos Sender RTL in einem Tweet und schreibt: „1. Wir distanzieren uns von jeglicher Form von Rassismus 2. Auch wir sind irritiert von dem aufgetauchten Video 3. Wir erwarten klare Antworten von Xavier“.

Naidoo selbst hat sich bislang nicht selbst zu dem Video geäußert. „t-online“ berichtet, eine Anfrage ans Management des Sängers sei bislang unbeantwortet geblieben.

Xavier Naidoo stand immer wieder in der Kritik

Naidoo wurde in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, rechtsextremes und verschwörungstheoretisches Gedankengut zu bedienen. Ins politische Abseits hatte sich der Sänger auch mit einem Auftritt am Tag der Deutschen Einheit 2014 gebracht. Vor dem Bundeskanzleramt trat Naidoo am Rande einer Demonstration von Reichsbürgern auf, die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen.

Wenig später zog der Norddeutsche Rundfunk die Nominierung Naidoos für den Eurovision Song Contest (ESC) nach öffentlichen Protesten zurück. Vor zwei Jahren geriet Naidoo wegen des Lieds „Marionetten“ ins Abseits. Er selbst rechtfertigte den Text als „zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen“.

Der Text des Xavier Naidoo-Videos im Wortlaut

„Ihr seid verloren. Ihr macht nicht mal den Mund für euch auf. So nehmen Tragödien ihren Lauf. Eure Töchter, eure Kinder sollen leiden. Sollen sich mit Wölfen in der Sporthalle umkleiden. Und ihr steht seelenruhig nebendran. Schaut euch das Schauspiel an, das euch alle beenden kann. Weit und breit ist hier kein Mann, der dieses Land noch retten kann. Hauptsache es ist politisch korrekt – auch wenn ihr daran verreckt. Und nochmal: Ich hab fast alle Menschen lieb, aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt. Dann muss ich harte Worte wählen, denn keiner darf meine Leute quälen. Wenn doch, der kriegt’s mit mir zu tun! Lass uns das beenden – und zwar nun. Ihr seid verloren.“

RND