Zehn Jahre Essener Philharmonie - aber keine Euphorie

Jubiläum glanzvoll gefeiert

Am 5. Juni 2004 wurde die neue Essener Philharmonie im dafür entkernten alten Saalbau eröffnet, drei Monate später die neue Orgel eingeweiht. Die Essener Philharmoniker unter ihrem GMD Tomás Netopil feierten das zehnjährige Jubiläum beider Ereignisse am Mittwochabend mit einem glanzvollen Festkonzert.

ESSEN

, 05.06.2014, 17:18 Uhr / Lesedauer: 1 min

Unter den vielen prominenten Besuchern waren auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (kein Grußwort) und Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck, den Laudator Claus Leggewie in seinem Überschwang gar als Erzbischof begrüßte.Festrede mit kritischen Untertönen

Leggewie hielt eine Festrede mit kritischen Untertönen: "Die Bilanz darf gehörig gefeiert werden, aber Euphorie ist nicht angebracht." Der Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen warb dafür, die Essener Philharmonie als einen "Ort des Volkes" zu nutzen, einladend auch für Jugendliche, Minderheiten und Randgruppen. Für die "Sicherung kultureller Öffentlichkeit" aber forderte er "eine Bürgerschaft, die bereit ist, sich uneigennützig für ihr kulturelles Kapital zu engagieren."

Das musikalische Programm galt im Wesentlichen dem vor 150 Jahren geborenen Richard Strauss. Dessen "Festliches Präludium" für Orgel und großes Orchester testete dabei vor allem mit massiven Klängen die akustischen Möglichkeiten des Saales aus. Selbst auf der Orgelempore standen noch sechs Trompeter, während Organist Roland Maria Stangier den am linken Bühnenrand platzierten mobilen Spieltisch nutzte.

Wie schon 1904 bei der Eröffnung des alten Saalbaus erklang abschließend Strauss' "Sinfonia domestica". Tomás Netopil gestaltete sie als weit gespanntes Orchesterfresko: musikantisch, schwelgerisch, euphorisch. Er badete derart im rauschhaften Klang, dass man zeitweilig den Eindruck hatte, die Orgel sei noch mit im Spiel.

Der anwesende Komponist Wolfgang Rihm steuerte mit seiner Uraufführung "Verwandlung 6" ein angenehmes Kontrastprogramm zum Strauss'schen Jubilieren bei. Sein knapp zwanzigminütiges Werk kam eher ruhig und kontemplativ daher. Harfe, Holzbläser und Streicher dominierten; Melodien wanderten durchs Orchester und bildeten ein changierendes Geflecht. Das Schlagzeug ließ Rihm nur gegen Ende einmal kurz und lautstark einmarschieren. Danach leises Verklingen.

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