"Zehn vor acht" mit Therese Dörr

Serie

BOCHUM 19.20 Uhr im Schauspielhaus Bochum. Therese Dörr schwirrt ein Lied durch den Kopf. Welches es ist, möchte sie nicht verraten. "Es hat zumindest nichts mit dem Stück zu tun", sagt die Schauspielerin und lächelt.

von von Benjamin Blum

, 26.04.2011, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>Therese Dörr und Florian Lange spielen im Bochumer Schauspielhaus die Hauptrollen in "Kasimir und Karoline". <p></p> Hupfeld</p>

<p>Therese Dörr und Florian Lange spielen im Bochumer Schauspielhaus die Hauptrollen in "Kasimir und Karoline". <p></p> Hupfeld</p>

Hinter der Bühne verbindet die 35-Jährige Lockerheit mit Konzentration, stupst ihrem Bühnenpartner Florian Lange in die Seite. "Du, Kasimir. Jetzt werden wir bald alle fliegen", spricht sie eine der ersten Zeilen. "Geh, lass mich doch aus", antwortet Lange. Das Duo ist auch hinter der Bühne eingespielt, absolviert ein Aufwärmprogramm - ohne jedoch den Bogen zu überspannen. "Überkonzentration ist auch nicht gut", sagt Dörr. Feste Rituale hat sich die Schauspielerin aus dem Kreis Steinfurt abgewöhnt. Früher habe es noch einen Mittagsschlaf gegeben, "danach war es wie ein neuer Tag". Heute muss sie dagegen möglichst viele der 24 Stunden nutzen, um ihrer Familie und dem Beruf parallel gerecht zu werden. "Morgens lebe ich erst einmal wie eine ganz normale Hausfrau, kümmere mich um mein Kind und packe Wäsche in die Maschine."Bühne statt Bügelbrett Um elf Uhr steht die erste Probe auf dem Plan. Bühne statt Bügelbrett. Noch gesteigert wird die Abwechslung durch das große Repertoire am Bochumer Schauspielhaus: Dörr hat in der aktuellen Spielzeit insgesamt sechs Rollen inne, dazu bereitet sich das Ensemble in den Proben schon auf neue Stücke vor. Um 15 Uhr wechselt sie dann erneut das Terrain, kehrt in die Familie zurück. Nur an Tagen, an denen eine Premiere stattfindet, pflegt Dörr ein kleines Ritual: "Dann kaufe ich mir meist etwas Schönes zum Anziehen. Aber irgendwie ist es ja auch schrecklich, bei H&M in der Umkleidekabine zu stehen." Solche Ablenkung soll die Anspannung lindern - dabei sieht die Schauspielerin die mentale und körperliche Verfassung vor einem Auftritt nicht als entscheidendes Kriterium: "Ich kann gut gelaunt in eine Vorstellung gehen und es wird nur durchschnittlich. An einem anderen Tag ist man müde und krank - und es wird trotzdem toll."Hektik in der Maske Obwohl ihre Karoline nur Alltagskleidung und ein dezentes Make-Up trägt, sitzt Therese Dörr rund anderthalb Stunden vor der Aufführung in der Maske. Die Betriebsamkeit und Hektik vor den großen Spiegeln verarbeitet sie unterschiedlich, je nachdem, welches Stück auf dem Spielplan steht. Vor manchen Rollen, wie Karoline, mache ihr das eher wenig aus - bei anderen Figuren bitte sie aber schon mal darum, dass das Radio ausgeschaltet wird. Dass sie vor manchen Auftritten auch ein wenig Angst hat, traut man der 35-Jährigen kaum zu. "Ich muss ja erstaunlich viel singen. Manchmal habe ich vor diesen Stellen Bammel." Eine Stunde vor der Aufführung wird noch einmal der Chor geprobt. Hier stärkt Dörr die Stimme und das Selbstvertrauen.Wechsel hinter dem Vorhang In der letzten halben Stunde spielt sich hinter der Bühne ein Wechsel ab: Die Techniker treten langsam in den Hintergrund. Prüfen hier einen Scheinwerfer und dort ein Mikrofon. Bei Therese Dörr steigt die Anspannung. "Ich bin dann dafür, Quatsch zu reden. Für ernste Absprachen ist es ohnehin zu spät." Flapsige Bemerkungen sorgen für Lockerheit, das Sprechen einiger Zeilen des Stückes bringt die Schauspieler dann in den Rhythmus - genau wie die Lieder, von denen Dörr spricht, die ihr durch den Kopf schwirren. Mit dem Stück hätten sie nichts zu tun und doch bereiten die Melodien auf den Auftritt vor.Therese Dörr ist bis zum Ende der Spielzeit 2010/2011 in sechs Stücken zu sehen: "Kasimir und Karoline", "Candide oder der Optimismus", "Peer Gynt", "Faust", "Effi Briest", "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui". Karten unter Tel. (0234) 33 33 55 55.

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