Zungenküsse und bizarre Männer-Studien

Sexuelles beim Frauenfilmfestival

DORTMUND Als roter Faden zieht sich das Thema Sexualität durch mehrere Spielfilme im Wettbewerb des Frauenfilmfestes. Der Charakter der Beiträge schwankt zwischen gespreizten Posen, prallem Leben und kühler Ästhetik.

von von Kai Uwe Brinkmann

, 15.04.2011, 18:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Skurriles Tänzchen: Szene aus Attenberg.

Skurriles Tänzchen: Szene aus Attenberg.

Athina Rachel Tsangari erzählt in "Attenberg" von der jungen Marina, der Sex ein Graus ist. Mit der Freundin probt sie Zungenküsse. Von anderen, Männern gar, will sie nichts wissen. Dann erkundet sie doch ihre Körperlichkeit, lässt sich auf Schäferstündchen ein. "Attenberg" ist ein Versuchsaufbau. Die Figuren zappeln an der Leine der Regisseurin, sie sind Projektionen, nicht atmende Charaktere. Was Marina über Sex weiß, hat sie aus Tierfilmen, haha! Geschraubt skurril auch die Tanzeinlagen im Synchronschritt. Nichts gegen eine Handschrift, aber hier hört man das Skriptpapier viel zu laut rascheln.Pralles Leben statt gespreizter Posen Viel besser, weil psychologisch einleuchtend, ist da Zuzana Liovás "Dom" (Sa, 18 Uhr, Schauburg). Pralles Leben statt gespreizter Posen. Schülerin Eva hat keine Lust auf das Regiment ihres Vaters, der neben dem Elternhaus ein Heim für sie hochzieht. Sie beginnt eine gefährliche Liebschaft mit ihrem verheirateten Lehrer. Als Evas Schwester mit ihrem Taugenichts von Mann ins Dorf zieht, hängt der Haussegen noch schiefer. Fast zerreißt es die Familie. Ein Generationen-Porträt, wunderbar gespielt, punktgenau geschrieben und inszeniert von einer Meister-Psychologin. Ein Glanzlicht!

Sex unter Zwang. Zwei Mädels fahren nach Buenos Aires. Statt als Putzfrauen müssen sie als Huren arbeiten, eingesperrt, geschlagen, bedroht. "La Mosca En La Ceniza" von Gabriela David geht unter die Haut. - Story einer Freundschaft, mit packender Thriller-Spannung.Rätselhafte Ärztin Sandra Hüller verkörpert in Nanouk Leopolds "Brownian Movement" (Sa, 21 Uhr, Schauburg) eine Ärztin, die Sex mit dicken, bärig behaarten oder alten Kerlen sucht, als betreibe sie das Studium der Spezies Mann. Warum? Ihre Ehe droht zu scheitern, doch die Ärztin wahrt ihr Geheimnis. Rätselhaft, bizarr, wortkarg. Kühle, karge Bilder in klinischem Weiß. Ästhetisch sehr ansprechend. www.frauenfilmfestival.eu

 

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