Zwei Frauen aus der Psychiatrie sind überglücklich

Im Kino

Man merkt, die Frau hat auf großem Fuß gelebt. Wie eine Gräfin Mariza stolziert Beatrice über das Gelände, Gartenarbeit ist nichts für sie, sie kommandiert lieber. Ah, da ist die Neue. Beatrice nimmt am Schreibtisch Platz und stellt ihr Fragen, als wäre sie die behandelnde Ärztin. Dabei ist sie selber Patientin in der Villa, die als Heim für Nervenkranke dient. Donatella, die Neue, leidet an Depressionen. Beatrice dagegen hat den aufgekratzten Elan einer manischen Phase und nimmt Donatella unter ihre Fittiche, ob die nun will oder nicht. Zwei Frauen aus der Psychiatrie sind die Akteure in Paolo Virzis italienischer Tragikomödie "Die Überglücklichen".

29.12.2016, 13:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
Und tschüss: Donatella (Micaela Ramazzotti, l.) und Beatrice (Valeria Bruni Tedeschi) mopsen ein Auto.

Und tschüss: Donatella (Micaela Ramazzotti, l.) und Beatrice (Valeria Bruni Tedeschi) mopsen ein Auto.

Fallen wir gleich mit der Tür ins Haus: Ein wunderbarer Film. Schelmengeschichte und Freundschaftsballade, rührendes Menschenkino, so "bipolar" wie manche seiner Figuren. Eben todtraurig, dann fidel und beschwingt.

Das Schwere im Leichten

Drehbuch und Inszenierung vollbringen das Kunststück, im Ernsten das Heitere und im Schweren das Leichte zu zeigen, ohne sich im Ton zu vergreifen. Nichts wird beschönigt, die Plausibilität nicht angekratzt, keiner zum Hampelmann degradiert. Der Film lebt von glaubhaften Charakteren und vom Spiel der Darstellerinnen.

Valeria Bruni Tedeschi ist umwerfend als die überdrehte Beatrice. Wenn sie in Fahrt kommt, kann niemand sie stoppen. Sie schwadroniert, lügt das Blaue vom Himmel, redet den Leuten einen Knopf an die Backe. Und als diebische Elster greift sie sich, was sie braucht.

Spontaner Ausflug

Beatrice, impulsiv wie ein Kind, reißt ihre neue Freundin (auch großartig: Micaela Ramazzotti) in das Abenteuer eines spontanen Ausflugs. Die beiden steigen in den Bus und sind verschwunden. Sie klappern Beatrices Verwandte ab, später fahren sie zu den Leuten, die Donatellas Sohn adoptiert haben.

Nach der Betriebsnudel Beatrice rückt nun Donatellas tragisch verkorkstes Leben in den Mittelpunkt, und Paolo Virzi findet bittersüße Szenen dafür. Kleines, großes Kino mit Herz, Seele, Schalk und Verstand.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt