Zwei Streuner und der Vierbeiner Bruno: Ein kleines Meisterstück

mlzKino-Kritik

„Bruno“ ist eine Asphalt-Ballade, die auf Londons hässlicher Seite spielt. Ein Obdachloser vermisst seinen Hund, als ihm ein Kind zuläuft. Spröde erzählt und sehr bewegend.

Dortmund

, 14.10.2020, 17:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

So hässlich sieht London selten aus. Kein Weltstadt-Glitzern, keine Glamourmotive. Schäbige Gassen, Hinterhöfe, schmuddelige Imbisse oder ein Lager, wo ein Mann mit seinem Hund nächtigt.

Ein Penner, der am Spielplatz herumlungert

Die Stadt wirkt, als habe jemand ihr Unterstes zuoberst gekehrt, und im Bodensatz fanden sich Daniel (Diarmaid Murtagh) und „Bruno“ - der Vierbeiner, nach dem der Film von Karl Golden (Regie, Buch) benannt ist. Der Hund hat Rasse, sein Herrchen hatte einst wohl Klasse. Jetzt ist er ein Penner, der oft am Spielplatz herumlungert und nachts durch den Park streift.

Was Daniel aus der Bahn geworfen hat, erfahren wir ganz am Schluss. Aber die Neugier auf seine Geschichte wird zum Quell einer zögerlichen, dann dringlicher werdenden Spannung, die über die vollen 90 Minuten trägt. Bis dahin folgen wir einem wortkargen, verhärmten Typen durch London.

Herrchen Daniel (Diarmaid Murtagh) und Hund Bruno sind ein Team.

Herrchen Daniel (Diarmaid Murtagh) und Hund Bruno sind ein Team. © Filmperlen

Der Hund ist sein Halt und Gefährte, wenn Daniel seine Runden dreht. In der Wäscherei von Malik (Seun Shote) findet er freundliche Worte und ein Heißgetränk, außerdem repariert er Radios für ihn. Der Rest ist Schweigen und namenloser Kummer.

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Nach einer Keilerei mit Halbstarken landet Daniel im Krankenhaus. Verdammt, wo ist der Hund? Ächzend stiehlt sich Daniel aus der Klinik. Er sucht Bruno und findet auf dem Spielplatz einen Ausreißer, sechs, sieben Jahre alt.

Die Suche nach Hund Bruno

Wie eine Klette heftet sich das Kind an Bruno, bis dann zwei Streuner gemeinsam nach dem dritten, Daniels Hund, fahnden.

Der Film trägt Züge einer Sozialreportage, aber das Obdachlosen-Milieu ist nur Hintergrund für die Charakterstudie eines Gestrauchelten, den Diarmaid Murtagh zwischen Wut und Fatalismus wirklich gewinnend spielt. Den kleinen Izzy an Daniels Seite verkörpert Woody Norman: ein Augenaufschlag zum Steinerweichen!

Dabei ist „Bruno“ alles andere als rührselig, eher spröde, bisweilen ruppig – und eben deshalb umso bewegender. In dieser Asphalt-Ballade stimmt alles von den Darstellern über die schmucklose Fotografie bis zur minimalistischen Musik. Formal, tonal und in seiner Menschlichkeit ein kleines Meisterstück.

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