Traumberufe im Kreis Unna

Angehende Experten für den Werkstoff Holz

Für Lisa-Marie Nolte (20) und Tekle Tsegay (21) dreht sich der Berufsalltag um die Arbeit mit Holz. Denn sie sind
Lisa-Marie Nolte und Tekle Tsegay lernen derzeit das Tischler-Handwerk. © Starb

Mal sind es nur wenige hauchdünne Schichten, die abgehobelt oder abgeschliffen werden müssen, dann wieder werden gleich ganze Stücke eines Brettes abgesägt. Doch einen Aspekt haben all diese Tätigkeiten gemein: Bei der Arbeit als Tischler kommt es auf Genauigkeit an.

Das zeigen Lisa-Marie Nolte und Tekle Tsegay an diesem Nachmittag an einem Beispiel. Bei einer Gartenhütte müssen noch die letzten Bretter der Holzverkleidung angebracht werden, hier kommt es auf jeden Millimeter an. Denn ist ein einzelnes Brett nicht in Waage und dem passenden Abstand angeschraubt, setzt sich dieser Fehler auch bei den nächsten Brettern fort. Entsprechend genau gehen die beiden ihre Aufgabe an, Lisa-Marie hat dabei immer wieder Tipps für ihren Ausbildungskollegen parat. Denn sie ist bereits im zweiten Lehrjahr und kann auf die größere Erfahrung zurückblicken. Tekle hingegen ist erst vor etwas mehr als einem Monat gestartet und entsprechend dankbar für die Tipps.

Trotz dieser Unterschiede haben beide aber eine große Gemeinsamkeit: die Begeisterung für den Werkstoff Holz. „Die Arbeit mit Holz macht immer Spaß“, erklärt Tekle, der sich ganz bewusst für eine Ausbildung im Handwerk entschieden hat. „Wenn ich die Ergebnisse sehe, dann freue ich mich darüber“, beschreibt er seine Hauptmotivation hinter der Entscheidung.

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Traumberufe: Tischler

Auch für Lisa-Marie ist das Ausgangsmaterial ihrer Arbeit ein großer Faktor. „Für mich ist das Besondere an dem Beruf einfach, dass es ein sehr natürlicher Werkstoff ist. Er fühlt sich sehr warm an und wenn er dann geschliffen ist, fühlt er sich auch nicht mehr splitterig an. Und man kann viel damit machen“, erläutert die 20-Jährige.

Was das bedeuten kann, zeigt sich wenig später. Arbeitete das Duo gerade noch mit dem Akku-Schrauber an der Gartenhütte, sind sie ein paar Meter weiter in der großen Werkhalle der Tischlerei Uwe Hemmerling dann für Detailarbeiten gefragt. Mehrere Holzelemente benötigen noch einen letzten Schliff und auch hier ist Sorgfalt das oberste Gebot, damit nicht zuviel abgeschliffen wird.

Eine Vielfalt an Möglichkeiten

Während das für Tekle häufig noch neue Eindrücke und Arbeiten sind, hat sich Lisa-Marie an diese Abwechslung längst gewöhnt – und schätzt sie. „Ich mag, dass man alles Mögliche daraus herstellen kann. Die meisten Menschen kennen es eben, dass man ganz klassisch die Schränke baut, aber wir machen auch andere Dinge wie Terrassenüberdachungen“, gibt sie einen kleinen Einblick in die vielen Variationen.

Beim Vorbereiten der Verzahnung ist Präzision gefragt. © Starb © Starb

Beschränkt auf den Werkstoff Holz sind diese jedoch nicht, technische Entwicklungen im Laufe der Zeit haben natürlich auch Bereiche berührt, die eigentlich mit Holz und dadurch mit dem Tischlerhandwerk verbunden waren. „Zum Handwerk gehört eben auch, dass man nicht nur mit Holz arbeitet, sondern zum Beispiel auch mit Kunststofffenstern. Es gibt auch immer noch Holzfenster, aber größtenteils werden halt Kunststofffenster eingebaut“, erläutert Lisa-Marie.

Dass klassische Techniken sich aber auch bis heute gehalten haben, zeigen die beiden Auszubildenden an einer dritten Aufgabe. Hier gilt es die passende Verzahnung für zwei Bretter zu sägen. Diese klassische Aufgabe steht für jeden Tischler-Lehrling an – und ist wie so oft eine Mischung aus Präzision und echter Muskelkraft. Penibel zeichnet Lisa-Marie die Bereiche an, die das Gegenstück zu einem bereits fertigen Element bilden werden, danach geht es mit der Handsäge weiter. Auch hier kommt es dann wieder auf die passende Mischung aus der richtigen Technik und Kraft an.

Tekle hat erst in diesem Jahr mit seiner Ausbildung begonnen, freut sich aber auf die Arbeit im Handwerk. © Starb © Starb

Am Ende der Arbeit wird dann ein weiteres Mal ein Werkstück stehen, das genau nach den Wünschen der beiden Berufsanfänger entstanden ist: Mit den eigenen Händen und aus dem Werkstoff, den beide sehr schätzen.

Das Handwerk in Zahlen und Fakten

  • Allein in Nordrhein-Westfalen gab es Ende 2019 insgesamt 5819 Handwerksunternehmen im Tischler-Handwerk mit knapp 51.000 Arbeitnehmern.
  • 2186 dieser Betriebe bilden auch aus, im Vorjahr gab es daher 4410 Auszubildende. Rund 1800 befanden sich im ersten Lehrjahr.
  • Diese Art der handwerklichen Ausbildung ist auch bei Frauen beliebt: Mehr als 10 Prozent aller Azubis sind weiblich.
  • Gleich 58 Mitgliedsbetriebe gehören zur Tischler-Innung Unna. Unter den Beschäftigten sind auch 70 Auszubildende.
  • Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre.
  • Die monatliche Vergütung liegt im Bereich der Tischler-Innung Unna bei maximal 680 Euro zu Beginn der Ausbildung. Im zweiten Lehrjahr steigt diese Vergütung auf maximal 790 Euro und dritten Lehrjahr auf maximal 880 Euro.

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