Projektleiter Andreas Lenz zeigt eine Bohrprobe. Im Labor wird sie später längs aufgeschnitten, um sie untersuchen zu können. © Lydia Heuser
Geologische Untersuchungen

Bohrungen in Rhade befördern fossile Muscheln zutage

Der Geo Dienst NRW fertigt eine Karte der Gesteinsschichten im nördlichen Ruhrgebiet an. Gebohrt wurde auch in Rhade. Die Experten haben dabei erstaunliche Entdeckungen gemacht.

Einst erstreckte sich ein flaches Meer vom Norden bis zum Sauerland und den nördlichen Rand des Bergischen Landes. Noch heute – 85 Millionen Jahre später – lassen sich Spuren des Meeres und ihrer Bewohner finden; dafür muss man allerdings tief graben.

Die Vergangenheit untersuchen, um für die Zukunft planen zu können

Der Geologische Dienst NRW startete Anfang des Monats mit einer aufwendigen Bohrung in Dorsten-Rhade. Gut 100 Meter tief drangen sie ins Erdreich vor und holten Proben aus dem Boden.

Doch was ist das Ziel dieser Bohrungen? Die Fachleute aus Krefeld wollen eine geologische Karte, ein 3D-Untergrundmodell, anhand der gesammelten Daten anfertigen, die etwa 530 km² im nördlichen Ruhrgebiet umfasst.

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Anhand dieser Karte werden Sedimentabfolgen ablesbar. Für die Wasserwirtschaft, Baugrundfragen oder die Erdwärmegewinnung seien solche Daten sehr wichtig. Projektleiter Andreas Lenz erklärt: „Die Halterner Sande sind eine wichtige Formation, aus der Wasser gewonnen wird.“ Anhand der Bohrkerne können die Experten später ermitteln, wie tief und mächtig die Schicht ist.

Durch eine Korngrößenanalyse werden sie später auch Auskunft darüber geben können, wie viel Wasser darin gespeichert werden kann und wie wasserdurchlässig das Gestein ist.

Relikte aus dem kreidezeitlichen Meer

Die Halterner Sande sind Überbleibsel des kreidezeitlichen Meeres. Schon am Bohrort selbst entdeckten die Geologen eine gut erhaltene Muschelschale einer fossilen Jakobsmuschel. Ein Hinweis darauf, dass die einstige Sandbank weniger tief liegt als die Fachleute vermutet hatten.

Der Splitter einer fossilen Jakobsmuschel beweist, hier war einst Meer.
Der Splitter einer fossilen Jakobsmuschel beweist, hier war einst Meer. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Schon am zweiten Tag der Bohrung hatten sie offenbar den Bottroper Mergel durchbohrt und die Halterner Sande erreicht. 24 Meter tief waren die Bohrungen da vorangeschritten.

So wird am Bohrort gearbeitet und später im Labor

Um eine detaillierte Karte erstellen zu können, brauchen die Geologen Proben aus dem Erdreich. Deshalb wurden im Rammkernverfahren Meter für Meter die Proben der Erdschichten aus dem Boden gerammt. In sogenannten Linern verpackt, öffnen die Fachleute die Proben erst im Labor, indem sie sie längs aufschneiden und untersuchen.

Die 15 Tonnen schwere Maschine steht sicherheitshalber auf Plastikfolie, damit kein Tropfen Öl im Erdreich versickern kann.
Die 15 Tonnen schwere Maschine steht sicherheitshalber auf Plastikfolie, damit kein Tropfen Öl im Erdreich versickern kann. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

In etwa acht Stunden könne der 15 Tonnen schwere Bohrer 12 Meter tief voran kommen. „Zwischendurch hatten wir harte Bänke im Weg und mussten das Verfahren umstellen“, erklärt Andreas Lenz. Statt die Proben aus dem Boden zu rammen, bohrte die Maschine sich durch das Gestein, eine Spülung mittels Wasserdruck half dabei. „Das ist ein sehr aufwendiges Verfahren“, weiß Andreas Lenz.

Bisher liegen für diesen Bereich keine derartigen Informationen vor. Die heutige Projektregion Ruhrgebiet Nord sei zwar ab Mitte des 19. Jahrhunderts von den Preußen erstmals geologisch kartiert worden, aber die Möglichkeiten haben sich seitdem stark verbessert.

Seit 2015 nimmt der Geo Dienst NRW Referenzbohrungen wie die in Rhade vor. „Wir sind jetzt im Endspurt“, erklärt Andreas Lenz. Ende 2021 will der Geo Dienst die Karte fertig haben.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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