Ein Prozess der vielen kleinen Schritte: Rhade hat viele engagierte Bürger, die zum Beispiel bei einer Baumpflanzaktion mit anpacken. © privat
Stadtteilkonferenz

Bürger boykottiert Bürgerwerkstatt: „Verwaltung tut nichts“

Die Bürgerwerkstatt Rhade steht am Donnerstag bevor. Im Vorfeld werden Misstöne laut. Ein Bürger ärgert sich über „die Brüskierung der Bürger“ und verurteilt das „Verwaltungs-Nichtstun“.

Bürgerbeteiligung ist ein langwieriger Prozess. Viele Stadtteilrunden wissen das. Auch in Rhade und Lembeck ist angekommen, dass Umsetzungen von angeregten Maßnahmen dauern.

Konrad Neumann, Rhader Bürger, hat die Nase voll von den aus seiner Sicht schleichenden Prozessen: „Einen Online-Vorschlag für die Dorfentwicklung Rhade habe ich vor vielen Monaten gemacht, aber seither keinerlei Reaktion. Gegen diese Brüskierung protestiere ich mit Nachdruck.“ Neumann spart nicht mit Kritik und nennt die Prozesse um die Dorfentwicklung Rhade „Verwaltungs-Nichtstun“. Er will die kommende Werkstatt boykottieren.

Andere Bürger protestierten ebenfalls

Allein ist Konrad Neumann nicht mit seiner Haltung. Weitere Rhader Bürger haben bei einem Akteursgespräch Ende April zur Dorfentwicklung Lembeck/Rhade ebenfalls das Schneckentempo beklagt. „Bereits vor anderthalb Jahren sei die Entwicklung des Dorstener Nordens angekündigt worden. Nach dieser Zeit sind Blühwiesen und Gutachten als Startprojekte nicht zufriedenstellend“, kritisierte etwa ein Gesprächsteilnehmer.

Schnelle Abhilfe funktioniert gar nicht

Die SPD in Rhade greift seit Langem auf, wo es im Dorf hakt und wird auch nicht müde, auf ihrer Homepage auf Erstanregungen zum Beispiel aus dem Jahr 2014 zu verweisen. Konrad Neumann nennt ein konkretes Beispiel, bei dem aus seiner Sicht schnelle Abhilfe geschaffen werden müsste, sich aber nichts tut: „ Ich sehe immer wieder hinfällige und gebrechliche alte Menschen in meiner Nachbarschaft Stuvenberg, die kein Auto mehr fahren und auf den Rollator angewiesen sind. Für sie müsste endlich ein zweiter Weg an der Lembecker Straße angelegt werden, damit sie zu Fuß das Dorf erreichen können.“

Zwei Handlungskonzepte sind in Arbeit

Bürgermeister Tobias Stockhoff hat beim Akteursgespräch zur Dorfentwicklung in Lembeck und Rhade die Kritik aufgegriffen und erläutert, warum schnelle Lösungen nicht möglich sind. Er verwies darauf, dass im Rahmen der Dorfentwicklung Handlungskonzepte erarbeitet werden müssen. Es gehe dabei nicht um Einzelmaßnahmen, sondern darum, „alle Bürgerinnern und Bürger mitzunehmen und an der Entwicklung der Konzepte teilhaben zu lassen“.

Außerdem betonte der Bürgermeister, dass „die Akteursrunde nicht gegründet wurde, um über Projekte zu entscheiden“. Im Übrigen liege bei vielen Projekten die Handlungsfähigkeit nicht allein bei der Stadt, häufig seien übergeordnete Instanzen beteiligt.

Die Mitnahmebänke in Rhade und Lembeck wurden als ein Erfolg der Umsetzung von Bürgervorschlägen gefeiert.
Die Mitnahmebänke in Rhade und Lembeck wurden als ein Erfolg der Umsetzung von Bürgervorschlägen gefeiert. © Guido Bludau (A) © Guido Bludau (A)

Stadtbaurat Holger Lohse ergänzte, dass die Neuplanung einer Straße, wie im Fall der Debbingstraße, nicht am Schreibtisch erfolgen könne: „Sie bedarf eines regen Austauschs mit den Beteiligten, andernfalls würde ein solches Vorhaben kaum auf positive Resonanz stoßen“, meinte er.

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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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