Der „Wunsch- und Traumbaum", den die Kreativ-AG der OGS unter Leitung von Künstlerin Bianca Kuballa (links im roten Shirt) gestaltet hat, ziert den Eingangsbereich der Raoul-Wallenberg-Schule in Wulfen. Schulleiter Manfred Bothorn freut sich, dass die anderen Schüler der LWL-Förderschule (Schwerpunkt: Sprachen) sich mit Wunschkarten an der Aktion beteiligt haben. © Privat
Weihnachtsaktion

Ein Baum verrät, was Schüler in Dorsten sich in diesen Zeiten wünschen

Was wünschen sich Schüler in Dorsten diesem Jahr? Ein „Baum der Wünsche und Träume“ gibt tiefe Einblicke in das Seelenleben von jungen Leuten in diesen unsicheren Zeiten.

Wichtelmännchen, glänzende Papiersterne, glitzernde Tannenzapfen, Filztütchen und was man sonst noch an schönen Dingen als Baumschmuck verwenden kann: Wochenlang haben Schülerinnen und Schüler der Raoul-Wallenberg-Schule in Wulfen gebastelt und gewerkelt.

Jetzt ist der Weihnachtsbaum ein echter Hingucker geworden und erfreut – immerhin drei Meter hoch und bis an die Decke ragend – die Mitschüler und das Lehrerkollegium im Eingangsbereich des Schulgebäudes.

Kreativ-AG der OGS

Das Besondere daran: Die Tanne ist ein „Baum der Wünsche und Träume“. „Dabei durften sich die Schüler ganz offen äußern“, sagt Künstlerin Bianca Kuballa, die schon viele Kunst-Workshops für Dorstener Kinder gegeben hat und im Auftrag der AWO-Ganztagsbetreuung die dortige „Kreativ-AG“ betreut.

Während die „Kreativ-AG“ für das Handwerkliche zuständig war, konnten sich alle anderen Schüler der LWL-Sek.1-Förderschule (Schwerpunkt „Sprache“) bei der Gestaltung der Wunschkarten beteiligen, die den Baum zieren. „Bezeichnend ist, dass neben den zu erwartenden materiellen Wünschen sich sehr viele Träume und Wünsche rund um die Themen Glück und Gesundheit drehen“, erzählt Schulleiter Manfred Bothorn.

Wunsch nach Corona-freien Zeiten

Und das hat sicherlich mit der aktuellen Situation zu tun. „Viele Schüler haben sich natürlich gewünscht, dass die Coronazeit bald vorbei ist“, sagt Bianca Kuballa. „Und dass die Schule wegen Corona nicht schließen muss.“

Kinder hofften auf den sogenannten „Dream-Cards“, dass die Tante oder der Bruder gesund bleiben oder wieder werden, dass sie bald wieder ihre „Freunde besuchen“ und „bei Oma und Oma schlafen“ können oder „wieder beim Chinesen essen gehen“ dürfen.

Bevor die „Dreamcards” am Weihnachtsbaum aufgehängt wurden, wurden in den Klassen gesammelt. © Privat © Privat

Andere Schüler aber haben ganz profane und zum Teil auch originelle Wünsche. Sie erträumen sich „viel Geld und eine Villa“, „ein sechstes Huhn“, einen „Schäferhund mit Fell“ oder „dass ich für immer mit Leon zusammenbleiben kann“. Und auch die alte Heimat lockt: „Ich wünsche mir, das ich mein Land besuchen darf. Es ist Pakistan.“

„Aufträge weggebrochen“

Auch Kursleiterin Bianca Kuballa, die unter dem Label „Ruhrpott-Kidz“ Kinderkurse anbietet, hat als Solo-Selbstständige den Wunsch, dass die Corona-Zeit endlich vorbei ist. Als Künstlerin und Stylistin sind ihr viele Aufträge weggebrochen: Workshops, Messen, auch ihre erfolgreichen „Art-Night“-Angebote im Vinylcafe im Creativ-Quartier Fürst Leopold liegen brach.

Umso glücklicher ist sie, dass sie sich als „Quereinsteigerin“ pädagogisch in der Schule betätigen darf: „Dann kann ich wenigstens einmal die Woche für anderthalb Stunden etwas Gutes tun und gleichzeitig ein bisschen Taschengeld verdienen.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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