Gleich mehrere Sitzbänke im Barkenberger Parkbereich nicht mehr nutzbar. Anwohner und Spaziergänger ärgern sich. © Guido Bludau
Wegen der Holzpreise?

Kurioser Fall: Täter schraubten fachgerecht Holzteile an 10 Bänken ab

Anlieger rieben sich verdutzt die Augen: An zehn Ruhebänken in ihrer Grünanlage waren über Nacht Rückenlehnen und Sitzflächen abgeschraubt worden. Stadt und Polizei tappen im Dunkeln.

In einer lauschigen Grünanlage in Barkenberg haben unbekannte Täter „ganze Arbeit“ verrichtet: Sie haben vermutlich zwischen Wochenende und Dienstag an zehn Ruhebänken die Rückenlehnen abgeschraubt und die Sitzflächen fachmännisch entfernt. Ein typischer Fall von Vandalismus ist das nicht, sagen Augenzeugen. Denn von den abgeschraubten Holzlehnen und Sitzbänken fehlt jede Spur.

Die Stadtverwaltung erfuhr am Dienstag von dem kuriosen Fall. „Es handelt sich um einen dreisten Diebstahl“, sagt Stadtsprecher Christoph Winkel. Das Tiefbauamt prüfe, ob Ersatz vorrätig ist „und wird die Bänke so schnell wie möglich wiederherstellen“.

Wunderbare Begegnungsstätte für Jung und Alt: Die Freiluftschneise zu Füßen der Roten Finnstadt wird gerne als Park genutzt. Auf den Bänken rund ums Grün nehmen Spaziergänger gerne Platz. © Guido Bludau © Guido Bludau

Das werden die Wulfen-Barkenberger gerne hören. Denn die Ruhebänke in der Grünanlage zwischen Surick und Kampstraße, die in Dorsten besser als Freiluftschneise für Barkenberg bekannt ist, werden gerne und regelmäßig – natürlich nur, wenn es nicht wie aus Eimern schüttet – in Anspruch genommen. „Hier treffen sich viele Leute zu einem Schwätzchen“, sagt ein Wulfener. Auch Hundebesitzer wissen ein Päuschen auf den Holzbänken zu schätzen. Die Aufenthaltsqualität ist groß.

Umso saurer sind nun viele Anlieger, dass man ihnen ihre Sitzplätze geklaut hat. Denn geklaut worden sind die Holzlehnen und Sprossen: „Im Umkreis wurden keine Überreste gefunden, was darauf hindeutet, dass die Täter anderes damit im Sinn haben könnten“, sagt ein Beobachter vor Ort.

Der Verdacht, dass sie sich aufgrund der stark gestiegenen Holzpreise selbst bedient haben, um günstig an Holznachschub für eine Baustelle zu kommen, ist nicht unbegründet: „Die Bänke wurden zum größten Teil fachgerecht demontiert, die Täter müssen das entsprechende Werkzeug dabei gehabt haben“, so der Anlieger. Auch, dass keine Überreste in der näheren Umgebung gefunden worden sind, legt die Vermutung nahe. Übrigens wiegt so eine Holzbank aus Fichte (inklusive Füßen) zwischen 120 bis 150 Kilogramm. Die Sitzgelegenheit oder Rückenlehne ist vergleichsweise leicht. Sie bringen es auf etwa 8 bis 10 Kilogramm.

Ähnlich gelagerte Fälle kennt die Polizei (noch) nicht

Die Polizei äußert sich eher zurückhaltend zu dem Fall. Auf die Frage, ob in der Kreispolizeibehörde Recklinghausen, zu der Dorsten zählt, ähnliche Diebstähle gemeldet worden sind, sagte uns Sprecherin Corinna Kutschke: „Unser System zeigt keinen einzigen vergleichbaren Fall an.“ Fälle von Vandalismus an Bänken seien verbreitet, nicht aber der Diebstahl von Sitzflächen und Lehnen.

Bei der Stadtverwaltung Dorsten kennt man mittlerweile zunehmenden Vandalismus an öffentlichen Einrichtungen oder ehrenamtlich eingerichteten Treffpunkten wie in der Feldmark, aber kein einziger Fall ist mit dem Diebstahl in Wulfen-Barkenberg vergleichbar. Hier hat es vor Jahren schon mal zu einem ähnlichen Fall gegeben: Im Dezember 2017 verschwanden am Napoleonsweg Sitzgelegenheiten. Die Stadt bittet im aktuellen Fall um Hinweise an: pressestelle@dorsten.de

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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