13 Verkehrstote im Kreis Coesfeld 2019: Vor allem zwei Gruppen sind gefährdet

mlzUnfallstatistik 2019

5945 Verkehrsunfälle gab es 2019 im Kreis Coesfeld. 139 mehr als im Vorjahr. Doch es gab auch 13 Unfalltote. Zwei Bevölkerungsgruppen sind im Straßenverkehr besonders gefährdet.

Nordkirchen, Olfen, Herbern

, 25.02.2020, 22:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vier Autofahrer, drei Motorradfahrer, drei Radfahrer, zwei Pedelec-Fahrer und eine Fußgängerin verloren im vergangenen Jahr auf den Straßen im Kreis Coesfeld ihr Leben. „Dahinter verbergen sich Schicksale. Da gibt es viele hundert direkt davon Betroffene. Angehörige, Freunde, Arbeitskollegen, Schulklassen“, zählt Leonie Probst, Direktionsleiterin Verkehr bei der Kreispolizeibehörde Coesfeld, auf. Die Polizei hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, diese Zahlen zu senken. Mit Strafen, aber auch Aufklärung.

„Wenn es knallt, dann richtig“

„Die Wahrscheinlichkeit, im Kreis Coesfeld einen Unfall zu haben, ist im Vergleich zum restlichen Münsterland und dem Land selbst zwar gering, aber wenn es bei uns knallt, dann richtig“, erklärt Probst. Ein erster Schritt, Leben zu schützen, ist deshalb die Ursachenforschung. Und bei vielen der tödlichen Unfällen war das Tempo ein Problem. Bei allen Unfällen mit Personenschaden waren in 143 Fällen Vorfahrtsfehler und 110 Mal Wende- und Abbiegemannöver die Spitzenreiter. Die Geschwindigkeit als Hauptunfallursache lag bei 66 Fällen vor und damit auf Rang drei. „Aber die Geschwindigkeit spielt immer eine Rolle bei den Folgen eines Unfalls“, erklärte Probst. „10km/h mehr oder weniger entscheiden über Leben und Tod.“

DIE STATISTIK

VERKEHRSUNFÄLLE 2019 IN Nordkirchen

  • Meldepflichtige Verkehrsunfälle gab es 74 (im Vorjahr 77).
  • 25 Mal kam es zu Personenschäden. Zwölf wurden schwer, 13 leicht verletzt. Zu Tode kam niemand.
  • 47 Mal registrierte die Polizei Fahrerflucht.
  • Schwerer Sachschaden entstand sechs Mal.
  • Kinder unter 15 Jahren waren sechs Mal involviert, Senioren über 65 Jahre zehn Mal.
  • 7 Mal kam es zu Unfällen mit Pedelec, Rad oder E-Bike. Niemand wurde dabei getötet, aber vier Menschen wurden schwer, drei leicht verletzt.
  • Sechs Fußgänger wurden bei Unfällen verletzt. Einer wurde schwer, vier wurden leicht verletzt.
  • Motorisierte Zweiräder waren fünfmal in Unfälle verwickelt. Zwei Fahrer wurden schwer, einer leicht verletzt.

Die Polizei setzt daher auf starke Repressionen. Personal wurde eingestellt, das sich komplett auf Geschwindigkeitskontrollen konzentrieren kann. „Wir können die Gebühren nicht anheben“, erklärt Kriminaldirektor Thomas Eder, kommissarischer Abteilungsleiter Polizei. „Aber wir können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, erwischt zu werden. Das preisen Fahrer mit ein und handeln entsprechend.“

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Ob sich die verstärkten Kontrollen von Motorradfahrern bereits abzeichnen, ist noch unklar. Fakt ist: Die Zahl der verunglückten Motorradfahrer sank von 76 im Jahr 2018 auf 65 im vergangenen Jahr. „Da können wir uns aber nicht zurücklehnen“, sagte Leonie Probst. „Wir sind ein beliebtes Kradland.“

DIE STATISTIK

VERKEHRSUNFÄLLE 2019 IN Olfen

  • Meldepflichtige Verkehrunfälle gab es 109 (im Vorjahr 113).
  • 47 Mal kam es zu Personenschäden. Zwei Menschen starben, 15 wurden schwer, 31 leicht verletzt.
  • 58 Mal registrierte die Polizei Fahrerflucht.
  • Schwerer Sachschaden entstand sieben Mal.
  • Kinder unter 15 Jahren waren fünf Mal involviert, Senioren über 65 Jahre 28 Mal.
  • 19 Mal kam es zu Unfällen mit Pedelec, Rad oder E-Bike. Niemand wurde dabei getötet, aber vier Menschen wurden schwer, zwölf leicht verletzt.
  • Drei Fußgänger wurden bei Unfällen leicht verletzt.
  • Motorisierte Zweiräder waren fünfmal in Unfälle verwickelt. Acht Fahrer wurden schwer, fünf leicht verletzt.

Breite Straßen mit vielen Kurven, die Baumberge oder die Gegend rund um Nordkirchen locken auch Motorradfahrer aus dem Ausland an. „Da braucht es einen starken Repressionsakt“, sagt Probst mit Blick auf den Motorrad-Tourismus. Bei Schwerpunkteinsätzen im vergangenen Jahr wurden 1119 Verstöße registriert. Der Handlungsbedarf ist da.

Alle Zweiradfahrer im Blick

Generell will die Polizei aber nicht nur Motorradfahrer in den Blick nehmen, sondern alle Zweiradfahrer. 302 verunglückte Rad- und Pedelecfahrer gab es im vergangenen Jahr. Zwei der 13 getöteten Menschen waren Pedelecfahrer, drei der 13 Getöteten Radfahrer. Vier von ihnen waren über 65. Mit Blick auf die Demografie ein zukunftsträchtiges Problem.

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„Bei den Pedelecs gibt es eine Negativ-Entwicklung“, erklärt Thomas Eder. Die Zahl der Verunglückten stieg von 68 auf 80 und damit um 18 Prozent. Zwar sei es gut, dass Pedelecs und E-Bikes alltagstauglicher würden und so zu einem guten Fortbewegungsmittel würden, „aber es werden auch Geschwindigkeiten bis zu 25 km/h erreicht. Gerade für Senioren kommt es da zu gefährlichen Situationen“, weiß Eder. Pedelecfahren stelle hohe Anforderungen an das Reaktionsvermögen. So starb ein E-Bike-Fahrer, weil ein Autofahrer dessen Geschwindigkeit unterschätzte und die Tür seines parkenden Autos öffnete. Der Pedelec-Fahrer konnte nicht mehr ausweichen. Die getöteten Radfahrer eint, dass sie alle keinen Helm trugen. Daher appellieren sowohl Probst und Eder als auch Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr an alle Radfahrer, Helme zu tragen.

Die Statistik

Verkehrsunfälle 2019 in Ascheberg

Meldepflichtige Verkehrsunfälle gab es 114 (im Vorjahr 112).
  • 40 Mal kam es zu Personenschäden. Zwei Menschen starben, elf wurden schwer, 27 leicht verletzt.
  • 70 Mal kam es zu Fahrerflucht.
  • Schwerer Sachschaden entstand sechs Mal.
  • Kinder unter 15 Jahren waren zweimal involviert, Senioren über 65 Jahre 24 Mal.
  • 20 Mal kam es zu Unfällen mit Pedelec, Rad oder E-Bike. Eine Person wurde dabei getötet, sechs Menschen wurden schwer, neun leicht verletzt.
  • Vier Fußgänger wurden bei Unfällen verletzt. Einer wurde schwer, die anderen drei leicht verletzt.
  • Motorisierte Zweiräder waren fünfmal in Unfälle verwickelt. Ein Fahrer wurde dabei getötet, zwei weitere wurden schwer, einer leicht verletzt.

Wie künftige Kontrollen der Zweiradfahrer aussehen könnten, wird derzeit erarbeitet. Zum einen beinhaltet das Konzept repressive Formen wie Verwarngelder, aber auch präventive Maßnahmen, in dem Gefahren aufgezeigt werden.

Kinder sind besonders schützenswert

Einen „wahnsinnigen Anstieg“, so Probst, gab es mit einem plus von 40 Prozent bei der Zahl der verletzten Kinder. Die absolute Zahl stieg von 60 auf 84. Elf Kinder wurden schwer verletzt, zum Glück wurde im vergangenen Jahr aber kein Kind getötet. Doch 57 der verletzten Kinder waren selbst als aktive Verkehrsteilnehmer unterwegs gewesen, 40 als Fahrradfahrer, 17 als Fußgänger. Die Polizei unterstützt daher weiterhin Eltern, Kindergärten und Schulen bei der Verkehrserziehung - und rät: helle Kleidung in der dunklen Jahreszeit ist die beste Prävention.

Eine erfreuliche Entwicklung gibt es bei den verunglückten jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren. Deren Zahl sank von 163 in 2018 auf 154 im Vorjahr. Zwei dieser Altersgruppe finden sich dennoch unter den Getöteten. „Diese Altersgruppe macht acht Prozent der Bevölkerung aus, aber 17 Prozent bei den meldepflichtigen Unfällen“, erklärt Probst, warum aufklärerische Maßnahmen nach wie vor wichtig sind.

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Zudem bereitet das Fahren nach Drogenkonsum große Probleme. Bei Kontrollen hatten 58 Prozent Betäubungsmittel genommen, die Zahl der Fahrer unter Alkoholeinfluss war deutlich niedriger. „Das ist eine besorgniserregende Entwicklung“, sagte Probst. Zumal bei dadurch verursachten Unfällen drei Menschen getötet, 17 schwer- und 33 leicht verletzt wurden. „BTM-Verstöße sind schon kein Kavaliersdelikt“, sagte Landrat Schulze Pellengahr, „aber dann ein Auto zu lenken, ist eine Straftat.“

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