Das Jahr 2021 wird für die Gemeinde eines mit vielen Aufgaben. Die Folgen der Coronapandemie sind nur eine, die es in diesem Jahr zu bewältigen gilt. © Oskar Neubauer (A)
Kommentierende Analyse

Ausblick: Diese Aufgaben muss die Gemeinde Nordkirchen 2021 meistern

Ein ungewöhnliches, aufregendes und anstrengendes Jahr 2020 liegt hinter uns. 2021 hat gerade begonnen und vor der Gemeinde liegen große Aufgaben. Wir beleuchten vier wichtige Themen für 2021.

Ein Jahr voller Aufgaben steht Nordkirchen bevor. Nicht nur den Nordkirchenerinnen und Nordkirchenern, die nach wie vor die Auswirkungen der Coronapandemie in ihrem Alltag bewältigen müssen, den Einzelhändlern und Gastronomen, die darauf hoffen, bald wieder öffnen zu dürfen, oder den Eltern, die neben dem Home-Office wieder einmal das Home-Schooling und die Home-Kitabetreuung stemmen müssen. Auch die Schlossgemeinde als Ganzes und ihre Verwaltung haben eine lange Zu-erledigen-Liste vor der Brust. Wir blicken auf vier Themen, die 2021 in Nordkirchen besonders wichtig werden.

Corona und die Gemeindefinanzen

Vor zwei Jahren hatte sich die Gemeinde finanziell freigeschaufelt. Mit der Übernahme des Nordkirchener Abwassernetzes durch den Lippeverband und einer Ausgleichszahlung von rund 45 Millionen Euro waren geschmolzene Rücklagen, Kassenkredite und die zeitweise höchste Pro-Kopf-Verschuldung im Kreis Coesfeld aus der Welt. Nicht ganz über Nacht, aber sukzessive, erreichte die Schlossgemeinde durch den Abwasserdeal selbst und bereits zuvor durch eine weitsichtige Finanzplanung die Schuldenfreiheit.

Die Corona-Krise bedeutet einen Schlag ins finanzielle Kontor der Gemeinde. Das hatte Kämmerer Bernd Tönning bereits im Sommer angekündigt: Fehlende Gewerbesteuereinnahmen tragen unter anderem genauso dazu bei, wie die Beteiligung der Kommunen an den Kitagebühren oder Ausgaben für den Nordkirchen-Gutschein. Mit einem Minus von über 300.000 Euro rechnete die Kämmerei im Sommer 2020 – bei einem ursprünglich erwarteten Überschuss von rund 330.000 Euro.

So musste die Gemeinde schon 2020 einige Investitionen zurückstellen, hat allerdings wichtige Projekte, wie die dringend benötigte Datenverkabelung der Gesamtschule dennoch machen lassen. Was wiederum den neuen Schulalltag während des Distanzlernens aus Sicht von Schulleiter Ulrich Vomhof erleichtern wird.

Die Ausgaben für die IT-Ausstattung der Schulen enden hier aber noch nicht. Auch die Grundschulen sollen neue Technik bekommen. Weitere Ausgaben – zum Beispiel für die Feuerwehrgerätehäuser in Südkirchen und Capelle stehen ebenfalls an. Für die Gemeindekämmerei wird es also wieder ein anspruchsvolles Jahr und für die Politik ein Jahr der weitsichtigen Entscheidungen, wenn es um maßvolle Investitionen geht.

Haus Westermann / Haus an der Mühlenstraße

Auf den Abriss des ehemaligen Gasthauses Westermann – mit dem manche Nordkirchener schon gar nicht mehr gerechnet hatten – folgte die lange Zeit des Schuttbergs. „Mount Noki“ nannten ihn manche nicht ohne einen spöttischen Tonfall. Keine Frage, die Kraterlandschaft in 1A-Lage im Nordkirchener Ortskern ist eine Geduldsprobe für viele. Investor Thomas Buhl hat an dieser Stelle ehrgeizige Pläne. Komplizierte Genehmigungsverfahren, Förderanträge und letztlich viele verschobene Termine hat das Projekt schon erlebt. In diesem Jahr sollte der Neubau endlich starten, damit die schmerzende Zahnlücke an der Schloßstraße endlich wieder vorzeigbar wird.

Mobilität in und um Nordkirchen

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als die Bahnstrecke zwischen Dortmund und Münster eingerichtet wurde. Die Befürchtungen vieler Pendler: Ohne die Bahn wird der Weg zur Arbeit und wieder nach Hause länger dauern, anstrengender werden und weniger gut klappen. Und dann stellte sich ab dem 6. Januar 2020 heraus: Der Schienenersatzverkehr – vor allem die Linie nach Selm – war ein echter Gewinn für Nordkirchen. Denn eine direkte Anbindung des ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) an den Selmer Bahnhof vermissen viele Nordkirchener schon länger. Jetzt war sie täglich verfügbar, inklusive einer Bushaltestelle direkt am Rathaus. Im Oktober war dann aber Schluss mit den Busfahrten nach Selm.

Ob eine dauerhafte Linie eingerichtet wird, hängt vor allem mit der Finanzierung zusammen. Die Frage ist: Wer soll den Busverkehr zwischen Nordkirchen und Selm zahlen? Die Gemeinde will weiter an einer Lösung arbeiten.

Immerhin werden sich in absehbarer Zeit zwei wichtige Verkehrslücken um Nordkirchen schließen: Mit den geplanten Radwegen auf der K2 kommen Fahrradfahrer bald endlich sicherer nach Selm und nach Ottmarsbocholt. Jedenfalls fast. Denn die Verbindung nach Selm endet vorerst an der Kreisgrenze. Es bleibt zu hoffen, dass diese Lücke schneller geschlossen wird, als die Fahrradweg-Anbindung zwischen Südkirchen nach Cappenberg.

Innerhalb der Gemeinde wird das Mobilitätskonzept der Gemeinde vielleicht einige Veränderungen bringen, die einen umweltfreundlicheren und nachhaltigeren Verkehr stärken. Die Gemeinde will dazu bald ihr umfassendes Konzept vorstellen.

Einzelhandel und Einkaufsmöglichkeiten

2020 hat sich in der Gemeinde schon einiges getan: An der Schloßstraße haben sich neue Geschäfte angesiedelt (Unverpacktladen und Hörmacherei), weitere Leerstände gehören perspektivisch der Vergangenheit an. Ernsting‘s Family will eine neue Filiale in der Gemeinde eröffnen – der Einzelhandel in der Gemeinde entwickelt sich positiv.

Jetzt gilt es, die Versorgung in Capelle abzusichern, damit dort keine Lücke entsteht, wenn Edeka Jehle schließt. Die Planungen und Gespräche für den neuen Lebensmittelmarkt laufen. Nicht nur für den Ortsteil Capelle wäre eine zusätzliche Einkaufsmöglichkeit ein Gewinn.

Über den Autor
Redaktion Selm
Jahrgang 1985, fasziniert von digitalen, technischen und lokalen Themen.
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Karim Laouari

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