Berufsnavigator zeigt Schülern Weg in die Zukunft

Projekt zur beruflichen Orientierung

Laut Erhebungen des Kreises Coesfeld aus den Jahren 2007 bis 2015 hat jeder zweite Schüler ein Jahr vor seiner Schulentlassung kein Berufsziel vor Augen. Das Projekt „Berufsnavigator“ versucht, das zu ändern. Die Schüler der Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule konnten den Navigator am Dienstag ausprobieren.

NORDKIRCHEN

, 27.04.2016, 18:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fiona Scharen (l.), Laura Mechedin (2.v.l.), Charlotte Urban (2.v.r.) und Jule  Lechtenfeld haben am Dienstag beim Berufsnavigator und im Gespräch mit Barbara Pixa (M.) herausgefunden, welche Berufe zu ihren Eigenschaften passen könnten.

Fiona Scharen (l.), Laura Mechedin (2.v.l.), Charlotte Urban (2.v.r.) und Jule Lechtenfeld haben am Dienstag beim Berufsnavigator und im Gespräch mit Barbara Pixa (M.) herausgefunden, welche Berufe zu ihren Eigenschaften passen könnten.

Mit dem Projekt „Berufsnavigator“ wollen der Kreis, die Bundesagentur für Arbeit, die Rotary Clubs und Volksbanken des Kreises und die Schulen Schülerinnen und Schüler bei der Berufsfindung unterstützen. Am Dienstag fand der Berufsnavigator an der Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule (JCS) statt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dem Projekt.

Was ist der Berufsnavigator genau?

Der Berufsnavigator ist ein Instrument, das Schülern die Berufsorientierung erleichtern soll. Dabei findet die Beratung durch Experten vor Ort in den Schulen statt – „im neunten Jahr, flächendeckend im Kreis Coesfeld“, wie Projektkoordinator Jochen Theisen am Dienstag erklärte. Bis vor wenigen Jahren seien noch alle Schulformen daran beteiligt gewesen.

Seit es das Programm „KAOA“ (Kein Abschluss ohne Anschluss) gibt, entfallen laut Theisen nach und nach die Schulen, die sich in der Sekundarstufe I für dieses Beratungswerkzeug entschieden haben. Hauptsächlich betreffe das derzeit Haupt- und Realschulen. An der JCS nahm dieses Mal die neunte Jahrgangsstufe teil – insgesamt 120 Schüler.

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Wie läuft die Beratung ab?

Es wird kein Wissen in Form von Tests abgefragt, erklärte Theisen. Stattdessen werde das Wissen der Schüler übereinander genutzt, um ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Das Verfahren habe seinen Ursprung in einem Verfahren der Hochschule der Bundeswehr, die dadurch gegen ihre hohe Abbrecherquote in der Offizierslaufbahn vorgehen wollte.

Der Gedanke hinter dem Berufsnavigator ist: Freunde können die Persönlichkeitsmerkmale von Freunden besonders gut einschätzen. Im Test tauchen neben vielen anderen Eigenschaften zum Beispiel soziale Kompetenz, Flexibilität, Motivation und Führungsfähigkeit auf. Auf einer Stufe von 1 bis 7 sollen sich die Schüler gegenseitig einschätzen.

Daraus entsteht ein sogenanntes Stärkenprofil. Das wiederum wird am Computer mit verschiedenen Berufsfeldern abgeglichen, erklärte Theisen. Zehn Vorschläge kommen für jeden Schüler heraus, auf deren Grundlage ein Berater die Ergebnisse noch einmal mit jedem Schüler durchspricht.

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Was wird dabei besprochen?

Zum Beispiel erklärt der Berater die Ergebnisse. Was macht man in dem jeweiligen Beruf überhaupt? Wie kommt man da hin? Ist das überhaupt etwas für mich? So werden die zehn Ergebnisse noch einmal durchsortiert, bis am Ende zwei Berufe übrig bleiben.

Wie treffsicher ist die Beratung im Schulnavigator?

Jochen Theisen betonte, dass es sich dabei um ein erstes Gespräch handelt. „In zwanzig Minuten kann man nicht viel machen.“ Aber, die Schüler kennen bereits eine Richtung und können die Ergebnisse – sofern die Eltern aus Datenschutzgründen zustimmen – für ein vertiefendes Gespräch bei der Agentur für Arbeit nutzen.

Das tun laut Theisen erfahrungsgemäß etwa 80 Prozent der Eltern. Weil der Berufsnavigator immer ein Jahr vor dem Schulabschluss stattfindet, sollen die Schüler außerdem das verbleibende Schuljahr nutzen können, um sich weiter zu informieren.

Wer bezahlt das Projekt?

Projektträger ist der Kreis Coesfeld. Es wird außerdem finanziell und inhaltlich unterstützt von der Agentur für Arbeit und alle Rotary Clubs im Kreis. Außerdem unterstützen die Schulen selbst durch ihren Einsatz das Projekt – an der JCS sind zum Beispiel Susanne Grüne-Wittek und Paul Kohues die zuständigen Berufskoordinatoren.

Wie kommt das Angebot bei den Schülern an?

Das sagen vier der Teilnehmer aus der Nordkirchener Gesamtschule nach der Beratung: Fiona Scharen wollte durch den Test den passenden Beruf finden. Drei Vorschläge sind herausgekommen – Immobilienkauffrau, Polizeivollzugsbeamtin sowie Sport- und Fitnesskauffrau. „Und die passen“, sagte sie.

Mitschülerin Charlotte Urban hatte nach eigenen Angaben vor dem Test „keine Ahnung“ und habe durch den Berufsnavigator „gute Möglichkeiten gefunden“. Dem positiven Urteil schlossen sich auch Laura Mechedin und Jule Lechtenfeld an, die in derselben Gruppe teilnahmen.

Der Berufsnavigator
Seit es den Berufsnavigator gibt, haben rund 14.500 Schüler daran teilgenommen, sagte Koordinator Jochen Theisen. Der aktuelle Durchgang umfasst 1050 Schüler im gesamten Kreis Coesfeld. Die Beratung findet an zwölf Schulen statt. Erhebungen der Berufsnavigator-Organisatoren zufolge würden rund 85 Prozent der Schüler, die bei dem Projekt mitgemacht haben, ihren Mitschülern eine Teilnahme empfehlen

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