Im Rathaus dreht sich in diesen Tagen vieles um die Corona-Pandemie. Die Kämmerei hat jetzt zusammengetragen, mit welchen finanziellen Auswirkungen die Gemeinde durch das Virus voraussichtlich rechnen muss. © Gemeinde (A)
Gemeindehaushalt

Corona belastet Nordkirchener Haushalt mit fast einer Million Euro

Die Corona-Pandemie drückt weiter auf die Finanzen der Gemeinde Nordkirchen. Das Gesamt-Defizit liegt aktuell im siebenstelligen Bereich. Die Auswirkungen könnten noch in 50 Jahren spürbar sein.

Was die Gemeinde bereits im Sommer 2020 angekündigt hatte, konnten Bürgermeister Dietmar Bergmann und Kämmerer Bernd Tönning am Dienstag (26.1.) in der Sitzung des Rats die Haushaltslage mit konkreteren Zahlen untermauern. Die Corona-Pandemie wird sich massiv auf den Haushalt der Gemeinde Nordkirchen auswirken.

In drei Jahren werde der Gemeinderat eine grundsätzliche Entscheidung zum Corona-Minus im Haushalt treffen müssen, kündigte Bernd Tönning den Fraktionen an. Ein kurzer Überblick zu den Zahlen: Eigentlich plane die Gemeinde den Haushaltsentwurf für 2021 mit einem „sehr geringen Defizit“, wie der Bürgermeister am Dienstag erklärte. „Es geht um 46.400 Euro, die wir aus unseren Rücklagen finanzieren können.“ So weit, so gut. Wäre da nicht die Corona-Pandemie.

„Sorge bereitet mir der Nachlauf der Pandemie.“

Bernd Tönning, Kämmerer der Gemeinde Nordkirchen

Diese wirkt sich aktuell mit 991.860 Euro auf die Gemeindefinanzen aus. Insgesamt steht die Gemeinde also mit einem Defizit von über einer Million Euro da. Im Haushaltsplanentwurf, der jetzt vorgestellt wurde, hat die Kämmerei all jene Kosten und Auswirkungen auf die Finanzen isoliert, die in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie aufgetreten sind. Das ist kein Nordkirchener Sonderweg, sondern eine Vorschrift des Landes, die alle Kommunen umsetzen müssen – das „NKF-Covid-19-Isolierungsgesetz“.

Diese Summe werde 2021 weiter ansteigen, sind sich sowohl Bürgermeister als auch Kämmerer sicher. „Sorge bereitet mir der Nachlauf der Pandemie“, sagte Bernd Tönning und bezog sich nicht nur auf die weiteren Auswirkungen auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Arbeitsplätze, die damit verbunden sind.

Mit dem aus dem Haushalt isolierten Corona-Defizit sehe das Ergebnis für 2021 erst einmal besser aus, sagte Tönning, bevor er den Wermutstropfen hinterherschob: „Das wird uns aber wieder vor die Füße fallen.“

Spätestens in drei Jahren muss der Rat entscheiden, ob das Minus entweder über 50 Jahre in Einzelbeträgen abgeschrieben werden soll. In diesem Fall belaste das Corona-Minus den Haushalt Jahr für Jahr für die nächsten 50 Jahre. „Das lässt sich dann auch nicht mehr ändern“, machte der Kämmerer deutlich.

Die andere Möglichkeit wäre, den Betrag 2024 einmalig aus dem Eigenkapital der Gemeinde auszugleichen.

So oder so plädierte Bergmann dafür, verantwortungsvoll zu investieren und weiterhin „jeden Cent zweimal umzudrehen“. Die Auswirkungen der Pandemie werde die Gemeinde noch lange spüren.

Dennoch kündigte der Bürgermeister an, dass die Gemeinde weiter in wichtige Projekte investieren wolle. Als Beispiele nannte er den Umbau der Feuerwehrgeräthäuser, die IT-Ausstattung der Grundschulen, das Mobilitätskonzept oder Klimaschutz-Projekte, wie die Öffnung des Capeller Bachs.

Hintergrund zum Haushaltsplanentwurf

  • Wenn die Verwaltung den Haushaltsplanentwurf – wie jetzt am Dienstag – im Rat vorgestellt hat, geht er zur weiteren Diskussion in die einzelnen Fraktionen.
  • In den kommenden Wochen werden sich die Fachausschüsse mit den für sie relevanten Abschnitten des Haushaltsplans auseinandersetzen. In den Sitzungen werden Fragen zu Ausgaben und Einnahmen gestellt oder auch Investitionen diskutiert.
  • Sind alle Beratungen in den Fachausschüssen beendet, stimmt der Rat abschließend über den Entwurf ab. Auf der Internetseite der Gemeinde (www.nordkirchen.de) ist der Haushaltsplanentwurf für jeden Bürger einsehbar.
Über den Autor
Redaktion Selm
Jahrgang 1985, fasziniert von digitalen, technischen und lokalen Themen.
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Karim Laouari

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