Die ambulante Tagespflege Südkirchen war nach viel Hin und Her vorbereitet darauf, ihre 26 Gäste vor Ort impfen zu lassen. Der Impftermin ist allerdings wenige Tage vorher untersagt worden. © Aileen Kierstein (A)
Impf-Chaos

Corona-Impfung in der Tagespflege Südkirchen platzt im letzten Moment

In der Tagespflege Südkirchen war alles bereit für die Corona-Impfung. Aus der Vor-Ort-Impfung wurde nach viel Hin und Her allerdings nichts. Die Senioren stehen jetzt vor mehreren Problemen.

Mehrfach wurden die Impftermine in den Tagespflegeeinrichtungen des Caritasverbands im Kreis Coesfeld bereits verschoben und am vergangenen Freitag (29.1.) kam dann ganz plötzlich die komplette Absage. Der Caritasverband, die Mitarbeiter in den Einrichtungen und vor allem die Gäste der Tagespflegen und deren Familien sind fassungslos, berichtet der Verband in einer Pressemitteilung.

Britta Wisse, Leiterin der Tagespflege in Südkirchen, bekommt jetzt ungefiltert mit, was die Terminabsage mit den betroffenen Menschen macht. „Wir hätten eine Impfquote von 100 Prozent erreicht“, sagt Wisse im Gespräch mit der Redaktion. Alle 26 Gäste der Südkirchener Tagespflege hätten die Chance genutzt, sich in der Einrichtung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 impfen zu lassen.

Die Impfausweise und alle nötigen Unterlagen hätten bereit gelegen, berichtet Wisse. Drei Mitarbeiter der Südkirchener Hausarztpraxis Dr. Etzold wären vor Ort gewesen, um die Impfungen zu übernehmen. Dass Britta Wisse jetzt den Senioren und ihren Familien eine Absage erteilen muss, lässt sie sprachlos zurück.

„Da brechen jetzt Welten zusammen“, fasst sie die Gemütslage zusammen. Und auch sie selbst sei immer noch sehr verärgert über das Hin und Her.

Grund für die Absage sei der nur sehr begrenzt vorhandene Impfstoff, so Wisse. „Nachdem am 22.12. vom Kreis Coesfeld mitgeteilt wurde, dass in Tagespflegen nicht geimpft wird, sollte sechs Tage später dann doch Impfstoff bestellt werden“, schreibt der Caritasverband in einer Pressemitteilung. Noch am selben Tag sei diese Information aber auf Vorgehen der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL) zurückgenommen worden.

Am 13. Januar sei dann erneut die Mitteilung vom Kreis Coesfeld gekommen, nun doch alles für die Impfungen in Tagespflegeeinrichtungen vorzubereiten. „Mit viel Engagement“ sei dann alles für einen Impftermin am 22. Januar vorbereitet worden, so der Caritasverband. Zwei Tage vor dem Impftermin habe der Kreis dann mitgeteilt, dass Impfungen erst nach dem 31. Januar erfolgen können. Am 3. Februar sollte dann alles über die Bühne gehen. Am 29. Januar kam dann aber doch die endgültige Untersagung durch das Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Impfungen in Tagespflegen sollten nicht stattfinden.

„Ein Schlag ins Gesicht“

Der Caritasverband findet sehr deutliche Worte für das Hin und Her: Es sei für die Gäste der Tagespflegen, ihre Angehörigen und die Mitarbeiter der Caritas „ein Schlag ins Gesicht und nur schwer zu verkraften“. Das bestätigt auch Britta Wisse, die in den vergangen Tagen Kontakt zu den Familien aufnehmen musste, um die schlechte Nachricht zu überbringen. Dass die Senioren und ihre Angehörigen jetzt zusehen müssen, wie sie nach Dülmen kommen, ist dabei nur ein Aspekt.

Die Familien hätten sich darauf verlassen, dass die Impfung in Südkirchen möglich sein wird und deshalb keine eigenen Termine im Impfzentrum in Dülmen ausgemacht. Schon zum Start der Registrierung Ende Januar war es schwierig, per Hotline oder Internet zeitnah einen Termin auszumachen.

Wer sich jetzt um einen Impftermin bemühe, sei Mitte April an der Reihe, nennt Britta Wisse ein Beispiel aus der Tagespflege. Das betreffe in der Südkirchener Tagespflege Mitte 90-Jährige, die jetzt noch länger auf ihre Impfung warten müssten. Dabei seien die Furcht vor einer Erkrankung an Covid-19 und der Wunsch nach der Impfung so groß, dass auch teilweise andere Senioren aus der Umgebung bei der Tagespflege in Südkirchen gefragt hätten, ob sie oder wenig mobile Ehepartner ebenfalls dort geimpft werden könnten, berichtet Wisse.

In ihren Augen wäre für die Senioren und die Angehörigen eine Impf-Möglichkeit in Wohnortnähe am besten, sagt die Leiterin der Tagespflege Südkirchen. Bis ausreichende Mengen an Impfstoffen zur Verfügung stehen werden, wird diese Option allerdings noch auf sich warten lassen.

Über den Autor
Redaktion Selm
Jahrgang 1985, fasziniert von digitalen, technischen und lokalen Themen.
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Karim Laouari

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