Die letzte Bierkneipe in Ascheberg schließt

Geismann-Gebäude wird abgerissen

Es ist das Ende einer Ära: Nach 32 Jahren schließen Cilly und Willi Geismann ihre Kneipe an der Bultenstraße in Ascheberg. Eine Entscheidung mit Konsequenzen - nicht nur für das Privatleben der beiden Wirte, sondern auch für das aller Ascheberger. Denn die Kneipe Geismann war die letzte Bierkneipe ihrer Art in der Gemeinde.

ASCHEBERG

09.09.2014, 18:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gemeinsam mit seinen Stammtischbrüdern Josef Schulte, Karl Nientied und Theo Große-Röwekamp hat er Abschied genommen. Von der einzigen Frau im Männerclub, der Vereinswirtin Cilly Geismann, von ihrem Treffpunkt. 32 Jahre hatten sie und ihr Mann Willi nun die Kneipe geführt. „Tagein, tagaus“, sagt sie. Viele Geschichten verbindet sie mit dieser Zeit. Doch nun ist Schluss. Cilly Geismann geht. Mit Freude, aber auch Wehmut, wie sie zugibt. „Das Alte geht, jetzt kommt etwas Neues“, versucht sie es optimistisch zu sehen. Zunächst jedoch hat sie noch mit der Abwicklung zu tun. Und da ist sie froh und dankbar, dass Sohn Ralf und Schwiegertochter Gaby ihr zur Seite stehen. „Die Erinnerungsstücke haben alle schon einen neuen Besitzer“, blickt sie zur braunen Theke, hinter der sie so viele Jahre gestanden hat. Hier wird niemand mehr stehen oder davor Platz nehmen. Denn das Gebäude an der Bultenstraße wird abgerissen und weicht einem Neubau.

„Eine Ära geht definitiv zu Ende“, spricht Josef „Sep“ Schulte das aus, was niemand wahrhaben will. Seit 1991 besteht sein Stammtisch, nun müssen die Herren weiterziehen. Das Problem: Eine echte Bierkneipe gibt es in Ascheberg nicht mehr. Die vier Herren hatten somit nicht die Qual der Wahl für ihre montäglichen Treffen. Aber eine Lösung haben sie gefunden: „Dann treffen wir uns montags bei Hubert im Goldenen Stern.“ Den Weg beschreiten die Herren alleine. Ohne Cilly Geismann. „Ich wechsele nicht mehr die Kneipe.“ Sie will sich jetzt ihrem Enkelkind Leonie widmen. Die Zeit anders ausfüllen und die Familie in den Mittelpunkt stellen. „Ihre Männer“ ziehen weiter. Das hölzerne Schild mit dem eingebrannten Schriftzug „Lätt komm watt will“, das bislang seinen festen Stammplatz auf dem Sims in der urigen familiären Kneipe hatte, stellen sie nun im Goldenen Stern auf. 

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