Im sonderpädagogischen Bereich müssen die Lehrer in Zeiten von Corona ganz besonders kreativ werden. Statt gemeinsamen Singen gibt es, hier auf dem Bild zu sehen, Gebärden-Karaoke. © Maximilian-Kolbe-Schule
Kinderheilstätte

Distanzunterricht an der Maxischule: Gebärden-Karaoke und Telefontraining

„Präsenzunterricht ist an der Förderschule nicht zu ersetzen“, findet Mechthild Jeske, Lehrerin an der Maxischule. Kinder, die aktuell nicht zur Schule kommen, bekommen Einzel-Onlineunterricht.

In der Sonderpädagogik wird auf jedes Kind einzeln eingegangen, denn jeder hat andere Stärken, Schwächen und Bedürfnisse. Die Lehrer müssen kreativ sein, um die Kinder auf ihre Weise zu fördern. Die Corona-Situation zwingt Lehrer dazu, noch kreativer zu sein: Gruppen-Videochats und Einheits-Unterricht funktionieren in der Sonderpädagogik nicht. Deshalb sind den Lehrern der Maximilian-Kolbe-Schule Klassen zugeteilt, die sie, zumeist im Einzelunterricht, individuell fördern. Auch für die Kinder, die aktuell noch zur Schule kommen, muss aufgrund der Corona-Richtlinien umgedacht werden.

„Die Lehrer lassen sich richtig etwas einfallen. Neulich gab es Gebärden-Karaoke im Foyer. Auf dem Bildschirm machte der Lehrer zur Musik, beispielsweise dem Titelsong von der Eiskönigin, die Bewegungen vor. Weil die Kinder nicht gemeinsam singen dürfen, ‚sangen‘ sie in Gebärdensprache mit“, berichtet Schulleiter Julian Groß. Da die Klassen sich untereinander nicht treffen können, es keine gemeinsamen Kurse gibt und die Bewohner der Kinderheilstätte von den externen Schülern getrennt sind, um das Infektionsrisiko zu minimieren, gibt es ab und an Videochats zwischen den Klassen.

Betreuung wäre für manche Eltern ein Problem

Der Schulleiter findet das wichtig: „Die Schule lebt von dem gemeinsamen Schulleben, nicht nur vom Unterricht.“ Das Mittagessen wird im Klassenraum verzehrt, Therapien finden für die Kinder, die zur Schule kommen, weiterhin statt. „Uns freut, dass den Eltern offen gestellt wurde, ob sie ihr Kind zur Schule schicken. Für viele ist die Betreuung ein Problem, denn unsere Schüler brauchen in sehr vielen Bereichen Unterstützung – gerade mit Geschwisterkindern und Home-Office ist das schwer zu stemmen“, so Groß. Der Austausch mit den Eltern sei aktuell besonders eng: „Die Eltern sind Experte für ihr Kind. So können wir gemeinsam Konzepte entwickeln, um das Kind Zuhause bestmöglich zu fördern.“

Kinder wurden auf den Lockdown vorbereitet

Mechthild Jeske ist seit 1986 Lehrerin an der Maxischule und betreut aktuell die neunte Klasse. „Im Distanzunterricht lernt man die Kinder noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen“, sagt sie. Im ersten Lockdown stellte sich heraus, dass die Kinder am Telefon oder per Video-Chat an die Hand genommen werden müssen. Die Motivation sei gering, wenn die Aufgaben nicht kontrolliert würden.

Deshalb wurden die Kinder zwischen den Lockdowns fit in Sachen Ipad-Bedienung gemacht. Drei bis vier Video-Calls hat ein Lehrer am Tag, neben dem Unterricht, der für die Kinder, die zur Schule kommen, weiterhin stattfindet. Die 140 Kinder, die in der Kinderheilstätte leben, kommen weiterhin zur Schule. Von den externen Schülern bleiben etwa die Hälfte zu Hause.

Musik als Türöffner

Methodisch sind die Lehrer stark eingeschränkt: „Man hat keine Hand am Gerät, kann nichts genau zeigen und die Schüler können sich nicht untereinander austauschen. Das macht es schwierig. Der Präsenzunterricht ist nicht zu ersetzen.“ Der Stundenplan lasse sich auf Distanz nicht umsetzen, verschiedene Fächer wie Sport, Musik und Mathe gibt es nicht, sondern eine individuelle Förderung.

„Ich habe beispielsweise einen autistischen Schüler, dem es schwer fällt, sich ausgiebig zu unterhalten. Aber er liebt klassische Musik. Die Musik ist da der Türöffner. Also spielen wir uns am Telefon gegenseitig unsere Lieblingsstücke vor und unterhalten uns darüber“, so Jeske.

Während die Kinder, die in der Kinderheilstätte wohnen, weiter zur Schule gehen, bleiben in dieser Woche rund die Hälfte der externen Schüler zu Hause. Für jedes Kind wird eine individuelle Homeschooling-Lösung gefunden.
Während die Kinder, die in der Kinderheilstätte wohnen, weiter zur Schule gehen, bleiben in dieser Woche rund die Hälfte der externen Schüler zu Hause. Für jedes Kind wird eine individuelle Homeschooling-Lösung gefunden. © Maximilian-Kolbe-Schule © Maximilian-Kolbe-Schule

Zwei andere Schüler können nicht beziehungsweise schlecht sprechen. Sie werden im Videochat gemeinsam unterrichtet und erweitern dabei ihr Vokabular für den Sprachcomputer, der ihnen die Kommunikation ermöglicht. Die Lehrerin betont: „Das klappt technisch ganz gut, aber die Schüler vermissen die Schule und wir vermissen die Schüler und hoffen, dass die Pandemie bald vorbei ist.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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