Ex-Freundin vergewaltigt und ins Gesicht gebissen?

Prozess gegen Nordkirchener

Versuchte Vergewaltigung, Bissatacke ins Gesicht des Opfers und Gewaltandrohung am 7. Oktober 2012. Zweimalige brutale Vergewaltigung am 3. und 4. November 2012 sowie Morddrohungen, um das Opfer mundtot zu machen. So lauten die Vorwürfe gegen einen 25-jährigen Mann aus Nordkirchen. Jetzt wird ihm der Prozess gemacht.

NORDKIRCHEN

26.02.2015, 09:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der 48-Jährige muss sich am Landgericht Münster unter anderem wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten.

Der 48-Jährige muss sich am Landgericht Münster unter anderem wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten.

Die Liste der Vorwürfe gegen den Angeklagten, die der Staatsanwalt am Mittwochmorgen vor der 11. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster vortrug, war lang. Als Nebenklägerin mit im Saal saß das mutmaßliche Opfer: eine junge Nordkirchenerin, die im Jahr 2012 eine Beziehung zum Angeklagten hatte.

Der 25-Jährige wies die Vorwürfe weit von sich: "Das stimmt doch alles nicht." Er habe seine Freundin geliebt und noch nie einer Frau Gewalt angetan.  Er räumte ein, dass es eine schwierige Beziehung war, die mehrfach beendet und wieder gestartet wurde. Einmal wollte er sich deshalb sogar umbringen. Vom 6. auf den 7. Oktober 2012 habe man in Nordkirchen, in der Wohnung seiner Freundin, in deren Geburtstag reingefeiert. Er sei nach dann Hause gegangen. Als er am nächsten Morgen sein Handy abholen wollte, habe er seine Freundin mit einem anderen Mann im Bett vorgefunden. Dieses Bild sei ihm nie mehr aus dem Kopf gegangen.

Keine Erinnerung an Einzelheiten?

Trotzdem hätten sie die Beziehung wieder aufgenommen und auch ein reges Sexualleben geführt. Dabei räumte der Angeklagte ein, dass er es im Bett gerne "ein bisschen härter" habe, inklusive Beißen und Kratzen. Auf eine Zwischenfrage des Staatsanwaltes stellte ihm der Angeklagte die Gegenfrage: "Sie haben dabei doch bestimmt auch schon mal zugebissen, oder?" Niemals aber habe er etwas gegen den Willen seiner Freundin getan. Auch am 3. und 4. November 2012 sei der Geschlechtsverkehr einvernehmlich gewesen.

An Einzelheiten konnte sich der junge Mann nicht erinnern. Vom Tatvorwurf der Vergewaltigung habe er erst bei seiner Verhaftung durch die Polizei am 5. November erfahren. Das stand allerdings im Widerspruch zu Polizeiprotokollen, Gesprächen mit Angehörigen und vor allem einem schriftlichen Protokoll des SMS-Austauschs zwischen dem Angeklagten und seiner Freundin. Dort war vom dem Vergewaltigungsvorwurf schon früher die Rede. Und davon, dass dieser Vorwurf trotz ihres gegenteiligen Versprechens in Nordkirchen schon die Runde mache.

So deutete am Mittwoch alles auf einen zähen Prozessverlauf hin. Doch nach einer kurzen Kaffeepause kam die Wende wie der Blitz aus heiterem Himmel. Der Rechtsanwalt des Angeklagten schlug eine Abkürzung des Verfahrens vor: Sein Mandant würde Teile der Anklage einräumen, wenn er eine milde Strafe erwarten könnte. Der Verteidiger dachte dabei an zwei Jahre mit Bewährung.

Ausnahme im Interesse des Opfers

Gericht und Staatsanwalt betonten beide, dass sie von solchen Deals im Prinzip nichts hielten, in diesem Falle aber im Interesse des mutmaßlichen Opfers eine Ausnahme machen würden. Die junge Frau brauche dann nicht auszusagen. Auch deren Anwältin war einverstanden, zumal ihre Mandantin dann schneller eine notwendige Therapie antreten könne. Allerdings signalisierten der Staatsanwalt und der vorsitzende Richter Eberhard Groesdonk, dass mit einer Bewährung nicht zu rechnen sei. Vor allem wegen der besonderen Schwere des Tatvorwurfs im zweiten Fall (Vergewaltigung mit Morddrohung) müsse das Strafmaß rund drei Jahre betragen abzüglich einiger Monate wegen der ungewöhnlich langen Verfahrensdauer. Immerhin liegt der Tatvorwurf schon zweieinhalb Jahre zurück.

Auf einen Deal mit diesem Umfang wollte die Verteidigung aber nicht sofort eingehen. Erst wolle sich der Angeklagte mit seiner jetzigen Lebensgefährtin darüber beraten und dem Gericht bis Freitag mitteilen, ob er zu einem Geständnis bereit sei. Die Kammer kam ihm entgegen und vertagte den Prozess bis nächsten Montag (2. März). Dann wird entschieden, wie es weitergeht.       

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