Fahrradstreifen in Nordkirchen wären zum Teil möglich, hätten aber einen Nachteil

mlzMobilität

Fahrradfahrer könnten bald mehr Platz im Nordkirchener Ortskern bekommen. Fahrradstreifen wären theoretisch umsetzbar. Allerdings nur teilweise. Und die Entscheidung wird keine leichte.

Nordkirchen

, 13.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrere Straßenkarten, unzählige Fotos mit Detailansichten von verschiedenen Stellen auf der Bergstraße, der Schloßstraße, der Lüdinghauser Straße und der Mühlenstraße hatte Bauamtsleiter Josef Klaas für die Diskussion im Bauausschuss vorbereitet.

Die Forderungen nach mehr Förderung für den Radverkehr in Nordkirchen sind schon länger da: Nicht nur viele Bürger würden sich mehr Schutzräume für Fahrradfahrer auf den Straßen in Nordkirchen wünschen, auch die Ratsfraktionen haben das Thema immer wieder aufgegriffen. Dabei spaltet sich die Diskussion immer wieder.

Sicherer Raum für Fahrradfahrer

Mit hinein spielt hier auch immer der Wunsch, auf der Schloßstraße das Tempolimit von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde zu senken. Fahrradfahrer sollten hier auf keinen Fall als „lebende Verkehrshindernisse“ missbraucht werden, um den Autoverkehr abzubremsen, machte Markus Pieper, CDU-Fraktionsvorsitzender, am Donnerstag im Bauausschuss deutlich.

Im Gegenteil: Nicht nur Markus Pieper, auch Uta Spräner von den Grünen sprach vom Wunsch nach einem sicheren Raum für Fahrradfahrer. Dass sich allerdings nicht alle Wünsche erfüllen lassen, zeigte die Verwaltung in der Sitzung.

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Beispiel Bergstraße: Zusammengefasst ist die Straße zu schmal, um beidseitig Fahrradstreifen am Straßenrand aufbringen zu können. Klaas rechnete vor: Die Bergstraße hat eine Breite von sechs Metern. Ein Fahrradstreifen am Straßenrand müsse mindestens 1,25m breit sein. Das wäre umsetzbar. Bei zwei Fahrradstreifen würde die Fahrbahnbreite für Autos aber zu gering werden.

Mindestens 4,50 Meter müssten für Autos übrig bleiben, sagt Josef Klaas auf Anfrage dieser Redaktion.

Also nur ein Streifen also für die Bergstraße? Die Empfehlung der Verwaltung war dazu ein klares „Nein“. Zumal Radfahrer den Streifen auch nicht in beide Richtungen nutzen dürften.

Beispiel Lüdinghauser Straße: Hier stellt sich die Situation anders dar. Als ehemalige Landesstraße ist die Lüdinghauser Straße mit zehn Metern deutlich breiter als die Bergstraße. Hier wären also zwei Fahrradstreifen möglich. Josef Klaas nannte allerdings schon im Ausschuss dazu ein großes „Aber“. Dazu müsste der jetzige Multifunktionsstreifen entfernt werden. „Multifunktionsstreifen“ ist dabei ein Begriff, der die Wirklichkeit verzerrt wiedergibt, denn effektiv ist es ein Parkstreifen.

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Etwa 40 Parkplätze würden bei der Umgestaltung entfallen. Das würde nicht nur Anwohner treffen, sondern auch Arbeitnehmer, zum Beispiel der Kinderheilstätte. Das gelte es, so Klaas, eindeutig zu bedenken, wenn es um eine politische Entscheidung geht.

Etwa 400 Meter Länge wären für Fahrradstreifen (ungefähr) vom Rathaus bis zum Feuerwehrgerätehaus, bzw. zur Aral-Tankstelle möglich, sagt Klaas auf Anfrage.

Mühlenstraße: Auf der Mühlenstraße stellt sich ein ähnliches Problem wie auf der Bergstraße. Für zwei Radfahrstreifen ist die Straße nicht breit genug. Auch hier wäre nur ein Streifen möglich.

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Schloßstraße: Von einem unsicheren Gefühl für viele Radfahrer sprachen Markus Pieper und Michael Bomholt (CDU) auf der Schloßstraße. Dazu trage aber auch bei, dass Autos hier 50 fahren dürften. Fahrradstreifen würden den Radlern mehr Sicherheit geben und hätten auch eine Signalwirkung an die Autofahrer, mehr Rücksicht beim Überholen zu nehmen, so die Meinung.

Allerdings hat auch die Schloßstraße das Problem, für zwei Fahrradstreifen zu breit zu sein. Hier gilt es also erst einmal, auf eine Tempo-30-Begrenzung zu hoffen.

Auch Capelle und Südkirchen im Blick

Bei der gesamten Diskussion ist der Fokus sehr auf Nordkirchen gerichtet. Allerdings sollen auch Südkirchen und Capelle in den Blick rücken. Auch hier müsse man sich Gedanken über die Sicherheit für Fahrradfahrer auf den Hauptverkehrsstraßen machen, lautete ein erstes Fazit aus dem Bauausschuss.

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