Dieser Flyer ist in Capelle in Briefkästen gelandet. Er wirbt für den umstrittenen Bruno Gröning-Freundeskreis. © Marie Rademacher
Dubioser Flyer

Flyer vom umstrittenen Bruno-Gröning-Freundeskreis in Capeller Briefkästen

In Capeller Briefkästen lagen in der vergangenen Woche Flyer, auf denen der sogenannte Bruno Gröning-Freundeskreis für sich wirbt. Eine sehr umstrittene, sektenähnliche Gruppierung.

„Es gibt kein Unheilbar“: Das steht als Überschrift auf den Flyern, die in der vergangenen Woche im Nordkirchener Ortsteil Capelle verteilt wurden. Ein Zitat von Bruno Gröning – einem sehr zweifelhaften „Wunderheiler“ oder Scharlatan, der bis zu seinem Tod 1959 in Deutschland aktiv war und wegen seiner umstrittenen Tätigkeiten immer wieder in Konflikte mit Behörden geriet. Auf dem Flyer, der jetzt in Capelle aufgetaucht ist, wirbt der sogenannte Bruno-Gröning-Freundeskreis für sich. Oder vielmehr für die Lehren seines Namensgebers.

Krankheiten sind nach dieser Lehre – so wird es zumindest in der Literatur beschrieben – das Werk des Teufels. Wenn man aber den sogenannten „Heilstrom“ in sich aufnehme, dann könne man – wenn Gott das wolle – von allem geheilt werden. Der Freundeskreis beschreibt das auf seiner Homepage selbst so: „Wenn der Heilstrom durch den Körper fließt, stößt er auf die Organe, die durch Krankheit belastet sind, und beginnt dort seine reinigende Wirkung. (…) Da die Krankheit ihrem Wesen nach nicht von Gott gewollt ist, wird sie nach und nach beseitigt. Dies kann in einzelnen Fällen auch spontan geschehen. Hierzu ist es notwendig, dass sich der Mensch nicht mehr gedanklich mit der Krankheit beschäftigt, sondern daran glaubt, dass es für Gott kein ,Unheilbar‘ gibt.“

Gruppe als sektenähnlich eingestuft

Eine Lehre, die seit ihrem Bestehen mehr als umstritten ist. Als „eine unterschätze Sekte, deren Anhänger weitaus zahlreicher sind, als die von Scientology“, hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung den Freundeskreis beschrieben. Auch Kirchenvertreter schätzen die Gruppen, die sich auf die Lehren von Bruno Gröning berufen, als Sekten ein. Im Enquete-Kommissionsbericht des Bundestages wird der Freundeskreis zumindest als sektenähnlich eingestuft.

Bruno Gröning selbst wurde mehrfach wegen seiner Aktivitäten angeklagt – unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz und fahrlässiger Tötung. In der zweiten Instanz wurde er in beiden Punkten schuldig gesprochen.

Er starb 1959 – an einer Krebserkrankung.

Die Freundeskreise in seinem Namen rief eine seiner Anhängerinnen ins Leben, die mittlerweile auch verstoben ist. Die esoterische Lehre hält sich aber weiterhin – wie der Flyer in den Capeller Briefkästen zeigt. Darauf wirbt der Freundeskreis für einen auf Youtube abrufbaren Vortrag. Immer wieder haben in der Vergangenheit Kirchen oder auch die Polizei vor den Gröning-Gruppen und deren Veranstaltungen gewarnt. Das ist auch der Grund, warum sich ein RN-Leser mit dem Flyer an die Redaktion gewandt hat: um gerade ältere Leser, die nicht so schnell im Netz recherchieren können, über die Hintergrunde des Schreibens aufzuklären.

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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