Franz Lauter nutzte die ungewollte freie Zeit im Lockdown, um viele neue Werke zu malen. © Goldstein
Schlossrestaurant Nordkirchen

Franz Lauter macht sich Sorgen um sein Team im Schlossrestaurant Nordkirchen

Seit 53 Jahren ist Franz Lauter selbstständig, aber so etwas wie die Corona-Krise hat der 74-Jährige noch nicht erlebt. Lauter macht sich Sorgen um sein Team, das unter dem Lockdown leidet.

Ab Freitag (22.1.) will das Schlossrestaurant Nordkirchen wieder Gerichte zum Abholen anbieten. Immer am Wochenende sollen dann die Kreationen von Franz Lauter und seinem Team durchs Fenster an die Kunden ausgegeben werden, die die Gerichte vorbestellt haben.

Dass der Lockdown nun wieder verlängert wurde, überrascht Lauter nicht. „Meine Gedanken kreisen um meine Leute. Denn ich sehe, wie mein Personal leidet“, sagt der Künstler-Koch und Koch-Künstler.

Auch mit dem Abholservice kann das Team des Schlossrestaurants die Umsatzverluste durch den Lockdown nicht kompensieren. Aber immerhin ist es ein kleiner Hoffnungsschimmer, wieder in der Küche arbeiten zu können. „Wir wollen das durchziehen bis zum Ende des Lockdowns.“ Wann auch immer, das sein wird.

Hoffnung aufs Frühjahr

Lauter hofft darauf, dass er ab Frühjahr („wenn die Sonne scheint“) auf der Terrasse wieder Gäste begrüßen und Geld verdienen kann. „Meine besten Leute stehen hinter mir und mir ist es wichtig, sie zu motivieren. Das geht nur, wenn man sich selbst der Situation stellt.“ Besorgt ist er, weil die Corona-Krise und der immer wieder verlängerte Lockdown bei Menschen eine psychische Müdigkeit verursache.

Die Gänse-Aktion vor und zu Weihnachten kam bei den Gästen des Schlossrestaurants Nordkirchen sehr gut an, war aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Franz Lauter.
Die Gänse-Aktion vor und zu Weihnachten kam bei den Gästen des Schlossrestaurants Nordkirchen sehr gut an, war aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Franz Lauter. © Goldstein © Goldstein

Seine Aktion im Dezember, bei der das Team 300 Kilo Gänse brieten und durch das Fenster verkaufte, war ein kleiner Hoffnungsschimmer. „Aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Lauter. Denn im Oktober habe das Schlossrestaurant Rekordumsätze verzeichnet. „Ich setzte jetzt für den Neustart nach dem Lockdown darauf, noch mehr Qualität zu bieten.“

Gerade jedoch musste er eine Bestellung einfrieren, um sie zu retten – 80 Kilo Bisonfleisch. „Ich kann mir aber nicht erlauben, Tiefkühlware anzubieten.“ Und so lädt er sein treues Team zum Essen ein.

In zwei Jahren wollen zwei der Mitarbeiter, die schon Jahrzehnte bei Lauter arbeiten, das Restaurant übernehmen. Momentan sind sie froh, dass der Chef in der Corona-Krise noch den Kochhut aufhat.

Abschläge der November-Hilfe sind da

„Ich habe niemals einen Euro vom Vater Staat genommen. Jetzt musste ich die Hilfen für November und Dezember beantragen und meine Leute in Kurzarbeit schicken“, sagt Lauter. Immerhin – die Abschläge seien mittlerweile angekommen.

Bei allem Negativen sieht der 74-Jährige für sich selbst auch positive Aspekte im Lockdown. „Meine Frau Hanna und ich haben zum ersten Mal nach 50 Jahren Zeit für uns und wir genießen das.“ Ohne Arbeit kann er einfach nicht leben. „Ich male wie ein Verrückter, das ist für mich die beste Ablenkung.“

Allerdings befürchtet er, dass aufgrund des langen Lockdowns „eine Pleitewelle auf uns zukommen wird“. Ihn baut die viele Zuneigung auch der Gäste auf, die dem Schlossrestaurant die Treue halten. „Viele Leute haben in den Zeiten des Lockdowns Weine bei uns bestellt und gekauft, um uns zu unterstützen.“

Hohe Auszeichnungen

Der wichtigste Schatz sei die Gesundheit und die will er sich erhalten. Um nach dem Lockdown wieder voll durchzustarten. „Ich habe schon vier Jahrzehnte in Deutschland als selbstständiger Koch gearbeitet.“ In seinem ersten eigenen Restaurant im Gesindehaus des Schlosses Schwansbell in Lünen bekam er sogar einen Michelin-Stern.

Seit vielen Jahren ist er nun Chef des Schlossrestaurants Nordkirchen und wurde zwei Jahre hintereinander vom Schlemmer Atlas zu einem der 50 besten Köche Deutschlands gekürt. „Und das mit 73 und 74 Jahren.“ Eine Ehre, die Lauter auch als Verpflichtung versteht, an die Erfolge weiter anzuknüpfen.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
Zur Autorenseite
Beate Rottgardt

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.