Gemeinde stellt Idee vor, wie bezahlbarer Wohnraum in Nordkirchen entstehen könnte

Genossenschatfsmodell

Die Gemeinde Nordkirchen will für neuen bezahlbaren Wohnraum sorgen. Am Donnerstag stellte die Verwaltung zusammen mit dem Rechtsanwalt Michael Hoppenberg Pläne vor, mit einem Genossenschaftsmodell Doppelhaushälften zu errichten. Die Miete soll unter sechs Euro liegen. Wie das möglich ist, erklären wir in Fragen und Antworten.

Nordkirchen

, 12.11.2017, 14:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gemeinde stellt Idee vor, wie bezahlbarer Wohnraum in Nordkirchen entstehen könnte

© Balzer, Nina

Die Gemeindeverwaltung hat am Donnerstagabend Pläne für genossenschaftlichen Wohnungsbau in Nordkirchen vorgestellt. Das Ziel ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen neben dem sozialen Wohnungsbau, wie er zum Beispiel im Wohngebiet Rosenstraße-West entstehen soll.

Was genau ist mit genossenschaftlichem Wohnungsbau gemeint?

Das vorgestellte Modell sieht vor, dass sich drei gleichberechtigte Genossen zusammentun: die Gemeinde Nordkirchen, die Pyramis Immobilien Entwicklungs GmbH, eine Tochtergesellschaft der Rechtsanwaltskanzlei Wolter Hoppenberg und die späteren Mieter. Die Genossenschaft realisiert und verwaltet die Häuser anschließend. Alle drei Genossen sollen zu gleichen Teilen stimmberechtigt sein, wie Rechtsanwalt Michael Hoppenberg dem Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag erläuterte.

Welche Vorteile hat das Genossenschaftsmodell?

Michael Hoppenberg nannte mehrere Vorteile: So würde die Gemeinde Nordkirchen öffentliche Grundstücke als sogenannte Sacheinlage liefern und wäre damit Teil der Genossenschaft, müsste also kein zusätzliches Geld ausgeben. Die Pyramis GmbH würde die Projektbegleitung, den Bau und die Architekturleistung übernehmen. Posten, die die Gemeinde, bei einem Bau in Eigenregie sonst selbst tragen müsste. Die späteren Mieter wären mit dem Betrag zweier Monatsmieten Teil dieser Genossenschaft. Weil die Mieter später Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht haben, erhoffen sich Hoppenberg und Gemeindeverwaltung, dass dadurch wiederum die Identifikation mit dem eigenen Haus besonders groß sein wird. Die genauen Konditionen müssten allerdings noch festgelegt werden.

Wie hoch soll die Miete werden?

Der Quadratmeter soll 5,50 Euro kosten. Ein sehr niedriger Wert, den die Pyramis GmbH dadurch erreichen will, dass „Standardhäuser“, wie Michael Hoppenberg sie nannte. Gemeint sind bereits bestehende Pläne, die zusammen mit der Kirchner-Gruppe aus Telgte umgesetzt werden sollen. Dadurch falle keine neue Architekten- sowie Statikerleistung an, erklärt der Rechtsanwalt. Die Grundstücke stellt die Gemeinde zur Verfügung, somit fällt ein weiterer großer Kostenfaktor weg, der sich zum Beispiel beim Bau durch einen Investor auf die Miete niederschlagen würde.

Welcher Häusertyp soll gebaut werden?

Vorgestellt wurden fünf Doppelhaushälften, zweigeschossig plus ausgebautem Spitzboden. Insgesamt bietet jede Wohneinheit rund 120 Quadratmeter Fläche. Vorgestellt wurden die Pläne exemplarisch am Beispiel des geplanten Neubaugebiets Große Feld III. Ähnliche Projekte seien aber genauso in Südkirchen und Capelle denkbar, wie der Rechtsanwalt hinzufügte. Die gleiche Konstellation werde zum Beispiel zurzeit in Gütersloh und Detmold besprochen.

An wen soll sich dieses Angebot richten?

Hoppenberg sprach von jungen Familien, die für den sozialen Wohnungsbau nicht infrage kommen, aber gleichzeitig ein so niedriges Einkommen haben, dass der Bau eines Eigenheims nicht möglich ist. Auch Rückkehrer, die beispielsweise in Münster keinen bezahlbaren Wohnraum finden, könnten sich als Genossen ihren Traum vom Häuschen erfüllen.

Wie kam der Vorschlag bei der Politik an?

Er wurde insgesamt positiv aufgenommen. Die Fraktionen lobten den Vorschlag als ernst zu nehmende Alternative zum öffentlich geförderten Wohnungsbau, die die Verwaltung weiter verfolgen sollte.

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