Gesamtschüler proben auch in den Ferien

Max Frischs Don Juan

Max Frischs "Don Juan - oder die Liebe zur Geometrie" wollen 22 Schüler der Stufe zwölf der Gesamtschule in fünfeinhalb Wochen perfekt auf die Bühnen bringen. Die Zeit wird also langsam knapp. "Doch wir schaffen das", sagt Lehrer und Regisseur Dr. Reinhard Pilkmann-Pohl.

NORDKIRCHEN

von Von Benjamin Glöckner

, 18.04.2011, 16:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Scheinwerfer gehen an. Der vierte Akt beginnt. Don Juans Bettgespielinnen betreten mit ihm die Bühne. Fächer werden gewedelt, Pistolen gezückt – das sieht schon ganz gut aus. Nur die Bücher mit den Texten stören noch. Doch die sind bald nicht mehr auf der Bühne erlaubt, wird Lehrerin Barbara Benning strenger. Auch sie führt Regie. Und wie. „Bedränge ihn! Geh körperlich ran!“ Laute und klare Anweisungen, die die jungen Schauspieler direkt umsetzen. Doch auch die Jugendlichen, die gerade nur gespannt zusehen, können und sollen zum Gelingen der Szene beitragen: „Wie wäre es, wenn die Damen gestaffelt stehen würden“, gibt es Tipps aus den Zuschauerrängen. „Und wie machen wir das mit dem Verschwinden von Don Juan?“ Dieses Problem bleibt jedoch erst mal ungelöst. Denn die Szene fängt schon wieder von vorne an. Allerdings mit anderen Schauspielern.

„Wir haben drei Teams, die jeweils an einem Abend das Stück aufführen werden. So kommt jeder mal dran“, klärt Dr. Reinhard Pilkmann-Pohl sofort auf. So spielen die Rolle des Don Juan beispielsweise Gustav Beyer, Johannes Osthues und Max Falkenberg. Und auch die Besetzung von anderen Charakteren ist noch nicht in Stein gemeißelt. Dieses ständige Wechseln auf der Bühne macht die Arbeit aber noch viel schwieriger und zeitaufwändiger. Doch Dr. Reinhard Pilkmann-Pohl und Barbara Benning sind die beiden Ruhepole. Sie sind alte Hasen im Schultheater-Geschäft. Sie haben schon so manches Stücke auf die Bühne des Forums gebracht.Häufig mit Geschichten, die immer auch einen erotischen Charakter haben. „Erotik und Sexualität gehören nun mal zur Welt dazu“, so Barbara Benning. Und dies wird auch bei der Bühnendekoration des aktuellen Stücks nur allzu deutlich. Slips und BHs hängen an einer roten Wand. „Das ist unser Puff“, erklärt Dr. Reinhard Pilkmann-Pohl trocken. „Wir brauchen einen, weil wir auch die Wandlung einer Hure zu einer Geliebten und schließlich Ehefrau erzählen.“

Und das versetzt in die heutigen Zeit. Ein Hauch von „Sex and the City“ weht durchs Forum, wenn die Schickimicki-Gesellschaften um Don Juan herum erst richtig loslegen. Wer die höchsten High Heels trägt, ist dort wichtiger als eine philosophische Hauptfigur, die versucht, dieser Welt voller Oberflächlichkeiten entgegenzuwirken. Gespickt mit Wortwitz und einem allgemein schrillen Umgangston holen die jungen Schauspieler in schicken Kleidchen und tollen Anzügen den Max-Frisch-Klassiker ins noch junge neue Jahrtausend.

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