Großeinsatz an Schule - wegen einer Hysterie?

Atembeschwerden in Nordkirchen

Haben zwei Tütchen mit Chili-Pulver einen Großeinsatz an der Gesamtschule Nordkirchen ausgelöst? Oder war es die Hysterie nach dem Hustenanfall eines Schülers? Sicher ist: Ein Großaufgebot von zehn Rettungs- und Notarztwagen, Feuerwehr- und Polizeifahrzeugen war am Donnerstagmorgen zur Schule geeilt. 40 Schüler und zwei Lehrer klagten über Atembeschwerden.

NORDKIRCHEN

, 23.03.2017, 10:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Anfrage unserer Redaktion sagte die Polizei, dass es um 9.45 Uhr einen medizinischen Notfallalarm an der Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule in Nordkirchen gab. Zunächst hieß es, rund 30 Schüler klagten über Atembeschwerden. Später erklärte die Polizei, die Verletzungen bei den Schülern seien „eher leichterer Art“. Allerdings müsse die Zahl der betroffenen Schüler „nach oben korrigiert werden“.

Die erste Vermutung der Einsatzkräfte war, dass Chlor ausgetreten war. Nach Messungen der Feuerwehr konnte dies jedoch ausgeschlossen werden. „Wir haben Ermittler eingesetzt, um die Ursache zu ermitteln“, sagte die Pressestelle der Polizei in Coesfeld.

Waren zwei Tütchen Chili-Pulver der Auslöser?

Am Mittag ging die Polizei davon aus, dass Chili-Pulver die Atemnot bei den Schüler ausgelöst hat. „Das ist der einzig Verdacht erregende Gegenstand, den wir in dem Klassenraum gefunden haben“, sagte auf Anfrage ein Sprecher der Coesfelder Polizei.

Zwei geöffnete Tütchen mit Gewürzpulver seien bei der Untersuchung des Raumes gefunden worden, so die Polizei. Sie seien nicht die Ursache, stellten die Beamten nach der Überprüfung fest.  Die Tütchen konnten später einem Schüler zugeordnet werden, der sein Mittagessen damit schon häufiger gewürzt hat. „Somit scheidet das Pulver als Ursache aus“, hieß es von der Polizei am Nachmittag.

Ein Notfallmediziner äußerte in einer ersten Einschätzung den Verdacht, dass der Hustenanfall eines Schülers einen Fall von Hysterie ausgelöst haben könnte. 

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Einsatz an der Gesamtschule in Nordkirchen

Rettungs- und Notarztwagen, Feuerwehr- und Polizeifahrzeugen - an der Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule in Nordkirchen hat es einen großen Einsatz gebeben.
23.03.2017
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Ein Großaufgebot von Einsatzkräften war an der Schule im Einsatz.© Foto: Thomas Aschwer
Etliche Schüler traten direkt den Heimweg an.© Foto Thomas Aschwer
Auch die Feuerwehr war am Donnerstagmorgen vor Ort.© Foto Thomas Aschwer
Angespannt war die Situation an der Gesamtschule Nordkirchen.© Foto Thomas Aschwer
Rettungssanitäter eilten zum Neubau der Gesamtschule© Foto Thomas Aschwer
Rettungssanitäter eilten zum Neubau der Gesamtschule© Foto Thomas Aschwer
Ein Großaufgebot an Rettungswagen eilte am Donnerstagmorgen zur Gesamtschule Nordkirchen.© Foto Thomas Aschwer
Ein Großaufgebot von Einsatzkräften war an der Schule im Einsatz.© Foto Thomas Aschwer
Diese Chili-Pulver-Päckchen lösten den Einsatz offenbar aus.© Foto: Polizei Kreis Coesfeld
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Situation an der Schule war angespannt

Als wir um 9.47 Uhr vor Ort waren, war die Situation sehr angespannt. Rettungswagen um Rettungswagen fuhr vor. Etliche Schüler ließen sich hingegen von dem Großaufgebot der Einsatzkräfte nicht beeinflussen – und spielten auf dem Schulhof Fußball.

Zehn Rettungswagen, 47 Sanitäter – darunter 23 Notfallsanitäter und Rettungsassistenten des DRK-Rettungsdienstes sowie ehrenamtliche Kräfte aus den Einsatzeinheiten – waren vor Ort, um die unter Atemnot leidende Schüler und Lehrer medizinisch zu versorgen. 32 Jugendliche aus der Jahrgangsstufe 8 wurden vorsorglich in umliegende Krankenhäuser eingeliefert. Elf Personen mussten ambulant vor Ort versorgt werden.

Unterricht ging in nicht betroffenen Räumen weiter

Später wurde der Schulunterricht in den nicht betroffenen Klassenräumen wieder fortgesetzt. Die eingesetzten Feuerwehr- und Polizeikräfte konnten nach jetzigem Ermittlungsstand zunächst keinen Defekt an schultechnischen Einrichtungen feststellen, die Ermittlungen dauern an. Zu größeren Verkehrsstörungen kam es nicht.

„Wir hatten in der Situation Glück, dass so schnell klar war, dass es nicht lebensbedrohlich war“, sagte später Schulleiter Ulrich Vomhof. Er räumte auf Nachfrage ein, dass eine Schule so eine Lage nicht übt. „Aber wir waren so gut es geht vorbereitet.“ Es habe sich gezeigt, dass sich das Krisenteam in den vergangenen Jahren offensichtlich viele richtige Gedanken gemacht habe.

„Die Kollegen standen an den richtigen Orten, wir konnten den besorgten Eltern am Telefon schnell wichtige Informationen geben. Zudem habe ein Raum in der Schule für sie zur Verfügung gestanden. Es hat alles funktioniert.“

Hinweis: In einer vorherigen Version hatten wir geschrieben, dass Schüler nach dem Vorfall in Busse stiegen. Sie fuhren allerdings nicht nach Hause, sondern zum Theater nach Münster. Betroffen waren die Oberstufenschüler der Jahrgangsstufen 12 und 13.

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