Heiraten in der Corona-Krise: Eine Braut erklärt, warum sie trotz allem Ja sagt

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Wer in Zeiten von Corona im Schloss Nordkirchen heiratet, der darf das nur mit acht Personen tun. Das Brautpaar ist da schon mit eingerechnet. Eine Braut erzählt, warum sie trotzdem ja sagt.

Nordkirchen

, 20.03.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die zukünftige Braut (32) wirkt bei ihrem Telefongespräch einen Tag vor der Hochzeit äußerst entspannt. Manchmal ist das schon in ganz normalen Zeiten bemerkenswert, in Zeiten von Corona ist es das aber noch einmal mehr.

Eigentlich hatten sie und ihr zukünftiger Ehemann (41) es sich ja auch anders vorgestellt, erzählt sie. Mit ihren Trauzeugen, mit Geschwistern und allen Verwandten hätten sie sich vor dem Standesbeamten in der schönen Kulisse des Nordkirchener Schloss das Ja-Wort gegeben und dann anschließend einen kleinen Sektempfang gemacht. Wie viele Leute gekommen wären? Die Braut ist sich nicht ganz sicher. Der ein oder andere aus dem Kegelclub und Kollegen von der Arbeit. Einige wären sicher zusammengekommen.

Einschränkungen auch bei der Hochzeit

In Zeiten von Corona ist das aber nicht mehr möglich. Das Bistum Münster fordert, Trauungen und Taufen ganz abzusagen. Standesamtliche Trauungen sind nach wie vor möglich - aber unter strengen Auflagen. „Die Trauungen sind reglementiert auf acht Personen“, erklärt Mechtild Kammert von der Gemeinde Nordkirchen. Acht Personen inklusive Brautpaar und Fotograf. Das führt auch dazu, dass manch ein Paar versuchen würde, zu feilschen, erzählt Kammert. „Aber da sind wir standhaft: acht Personen sind acht Personen.“

Auch der sonst übliche Sektempfang findet aktuell nicht statt, erklärt Kammert. Die Gefahr sei zu groß, da der Empfang dazu verleite, die zwei Meter Abstand nicht einzuhalten, die nötig sein, um das Infektionsrisiko zu vermindern. Die Standesbeamten seien zwar aktuell alle im Dienst, allerdings möchten nicht alle Paare mit solchen Einschränkungen heiraten. „Aktuell habe ich vier komplette Absagen und 15 Verschiebungen“, sagt Kammert. Die meisten Paare, die ihren Termin verschieben, wollen sich stattdessen im September oder Oktober das Ja-Wort geben.

Keine leichte Entscheidung

Absagen oder trotz allem heiraten? „Wir haben darüber nachgedacht“, sagt die Braut. „Die Lage hat sich ja immer mehr zugespitzt.“ Das Paar hat sich dann aber doch entschieden, den Termin nicht zu verschieben. Eine Rolle habe dabei aber sicherlich auch gespielt, dass die kirchliche Trauung ohnehin für den Herbst geplant war. Die große Feier steht also noch an. Allerdings hätten sie für ihre Entscheidung auch schon negative Kommentare bekommen, sagt die Braut. Deswegen haben sie und ihr zukünftiger Ehemann sich auch entschieden, in dieser Geschichte anonym zu bleiben.

Das Paar, das aus der Nähe kommt und das Ambiente in Nordkirchen so schön findet, gibt sich nun das Ja-Wort im Beisein der Trauzeugen und Eltern. Ohne Geschwister oder Onkel und Tanten. „Die haben wir ausgeladen sozusagen“, sagt die Braut ein bisschen im Scherz. Dafür hätten aber auch alle Verständnis gehabt.

„Es ist nun mal eine Ausnahmesituation“

Zunächst hätten sie sogar überlegt, nur mit Trauzeugen zu heiraten, um ihre Eltern nicht zu gefährden. Allerdings lebten ihre Eltern sowieso im gleichen Haus, sagt die Braut und zudem wollten sie auch gerne bei der standesamtlichen Trauung ihres Kindes dabei sein.

Auch das Hochzeitsessen wird ungewöhnlich. Statt im Restaurant zu essen, wird das Essen nur dort abgeholt. Restaurants dürfen aktuell nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten. Hochzeitsessen to go quasi. „Danach gehen wir dann auch auseinander“, sagt die Braut.

Dass die aktuelle Situation so ist, wie sie ist, sei schade. Aber nicht zu ändern. „Es ist nun mal eine Ausnahmesituation“, sagt die Braut. „Eine schwierige Situation für alle“. Die Hauptsache sei aber doch, dass sich das Virus nicht weiter verbreite. Sie und ihr zukünftiger Mann sehen es positiv: „Es ist ja auch, was Besonderes, nur im engsten Kreis zu heiraten, ohne den Zwang, viele Leute dabei zu haben.“

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