Heidrun Ferkinghoff (r.) und Ingrid Sehl genießen ein Weinchen vom Burgundermann Heinz Ferkinghoff während des Herbstmarktes in Nordkirchen. © Maria Niermann
Herbstmarkt

Herbstmarkt in Nordkirchen: Endlich mal wieder unter Leuten

Der Herbstmarkt in Nordkirchen ist nach längerer Zeit mal wieder eine große Veranstaltung im Nordkirchener Ortskern. Wie kam sie bei den Besuchern an?

Zwiespältig war die Stimmung auf dem Nordkirchener Herbstmarkt am Wochenende. „Es ist gut, dass er stattfindet. Wir Menschen lechzen doch danach wieder Kontakte knüpfen zu können. Und die Händler freuen sich, endlich ihre Produkte wieder präsentieren zu können.“ Das sagt etwa Ingrid Sehl (69). Sie lebt seit sieben Jahren in Nordkirchen und genießt ihren Wein bei Heinz Ferkinghoff, dem Burgundermann, gemeinsam mit dessen Ehefrau Heidrun. Aber – es gibt auch die andere Aussage, die am Samstag immer wieder zu hören ist: „Es ist ruhig, sehr ruhig!“

Die beiden Nordkirchener Paare, die es sich ebenfalls beim Burgundermann gemütlich gemacht haben, erinnern sich an die Märkte in der Vor-Coronazeit. „Wisst Ihr noch wie es in der Vergangenheit war: Die Menschen schoben sich durch die Schlossstraße, es war keine Durchkommen. Ganz anders als heute.“ Ja, die Vier hatten ihren Spaß, „… wenn in Nordkirchen etwas los ist, gehen wir selbstverständlich dorthin…..“ aber – sie schienen auch etwas wehmütig. Auch Heinz Ferkinghoff, der Burgundermann, sieht es so: „Es war schon mal mehr los – auf dem Herbstmarkt. Aber, wir sind ja froh, dass wir überhaupt wieder etwas machen können.“

Mit dem Herbstmarkt kamen die Herbstboten Kürbisse, Heidekraut und Chrysantemen ins Ortszentrum
Mit dem Herbstmarkt kamen die Herbstboten Kürbisse, Heidekraut und Chrysantemen ins Ortszentrum © Maria Niermann © Maria Niermann

Wer zum Weingenuss auch essen wollte, konnte am Wagen von Pauline und Marcellos Fay aus Ascheberg Samosas, Teigtaschen gefüllt mit Hack, Käse oder Vegan essen. Pauline Fay (49) strahlt. Die gebürtige Kenianerin freut sich, dass sie endlich ihr Streetfood – wie sie es nennt – anbieten kann. Durch die Corona-Pandemie ausgebremst hätte sie einen Plan B haben müssen. „In der Zwischenzeit habe ich eine Reinigungsfirma betrieben, und das tue ich immer noch.“ Am Wochenende ist sie nun wieder mit ihrem Wagen unterwegs. „Catering ist mein Hobby“, sagt sie. In Nordkirchen wird sie unterstützt von ihrem Sohn Marcello (18), der eigentlich Geologie in Bochum studiert.

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Herbstmarkt in Nordkirchen

Nicht weit entfernt erkennt die zwanzigjährige Sharlyn Scheffer aus Vinnum sofort, wer ihren kleinen Eierpunsch-Stand entdeckt hat, und preist ihr heißes Getränk. „Erst heute Nacht hatte ich die Idee, diesen Punsch vor der Tür des Eiscafés anzubieten.“ Sharlyn, eigentlich ist sie Erzieherin, arbeitet seit fünf Jahren als Aushilfe in dem Eiscafé Pallina. Inhaberin Beate Pieper unterstützt die Idee ihrer Mitarbeiterin und besorgt am Samstagmorgen noch schnell den Eierlikör. Mit Wein und Orangensaft verlängert, ist so der Herbstmarkt um ein Getränk reicher.

Leckeres fast von nebenan

Neu auf dem Markt sind auch die Süßkartoffeln vom Hof Lütke Holz. Konrad Lütke Holz und seine Freundin Friederike Herberg hatten die Idee, diese Kartoffeln, die sie selber so gerne essen, auf dem Hof in Berger anzubauen. „Es gibt ja kaum heimische Süßkartoffeln im Handel. Und da es inzwischen ja auch bei uns sehr viele Sonnenstunden gibt, haben wir den Anbau in diesem Jahr mal ausprobiert“, sagt die Gemüseanbauberaterin. Ein Kochbuch am Stand lockt die Besucher mit Rezeptideen an.

„Viele Stände wie auf der Kirmes“

Dass es ruhig ist, ist für die Besucher offensichtlich in Ordnung. Corona hatte den Menschen ja mehr Ruhe verordnet. Allerdings wird ein Kritikpunkt in vielen Gesprächen angesprochen: „Das Angebot des Marktes war in der Vergangenheit deutlich besser“, sagt ein Besucher, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Schauen sie sich doch um, hier werden Spülmaschinen-Tabs angeboten. Das schadet diesem Markt.“ Eine Besucherin bestätigt diese Aussage: „Es sind viele Stände wie auf der Kirmes. Das ist nicht mehr der Markt, der er vorher war.“ Viele schwärmen vom Holland-Markt vergangener Jahre.

Edda Specht fährt mit den Produkten der Historischen Senfmühle aus Monschau seit rund zwanzig Jahren vom Herbst bis zum Jahresende auf Märkte. Sie sagt: „Ja, es ist ruhig. Aber damit komme ich auch zurecht. So ist das nun mal in unserem Geschäft.“

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