Die Nordkirchenerin Marion Ley (M.) mit Sohn Tim und Ehemann Uli nach der Flutkatastrophe in Heimerzheim: "Hut ab vor so viel Hilfsbereitschaft aus Nordkirchen", freut sie sich über die Spenden. © Ley
Spendenaktion

Hilfe aus Nordkirchen für Marion Ley: „Ich weiß, was Todesangst ist“

Todesangst hatte Marion Ley aus Nordkirchen, die mit ihrer Familie in Heimerzheim Flutopfer wurde. Schnelle Hilfe kam von Albert Lücke aus der Heimat. „Das hat uns berührt“, ist sie dankbar.

200 Kilometer liegen zwischen Nordkirchen und Heimerzheim. Hier wohnt Marion Ley mit ihrer Familie. Ihrer Heimat Nordkirchen ist sie immer noch verbunden. Besonders durch die Freundschaft zu Albert Lücke vom Plettenberger Hof. In dem Saal feierte sie Verlobung und Hochzeit, dort war man auch nach der Beerdigung ihres Vaters zusammen. „Freunde in Freud und Leid“, sagt sie. Leid war es, das Albert Lücke nach der Hochwasserkatastrophe zum Telefon greifen ließ. Er sah die Bilder der Flutwelle und dachte an Marion Ley in Heimerzheim. Die erlebt die schlimmste Stunden ihres Lebens. „Ich weiß jetzt, was Todesangst ist“, beschreibt sie den Moment, als das Wasser kam und vieles mit sich riss. Innerhalb von Minuten. „Es stieg und stieg“, berichtet sie.

Ihr Auto, das sie kurz vorher noch am Weinberg in Sicherheit bringen wollte und blitzschnell verlassen musste, ist von den Fluten weggeschwemmt worden. Ein Seecontainer aus dem angrenzenden Gewerbegebiet schoss auf ihr Haus zu und krachte in den Anbau des Nachbarn. Als sie das Wasser kommen sah, wollte sie mit ihrem Mann und Sohn noch schnell Wichtiges ins obere Stockwerk bringen. Doch was ist in einem solchen Moment wirklich wichtig? Für Marion Ley waren es das Hochzeitsalbum, selbstgemachte Kerzen zur Silberhochzeit, etwas Schmuck und eine Tasche mit Medikamenten, die sie als Diabetikerin braucht. Dann fiel der Strom aus. „Wir hatten nur noch Angst und waren froh, alle zusammen zu sein“, erinnert sie sich. Kurz vorher hatten sie noch einen Nachbarn geweckt. Das rettete ihm das Leben.

Familie hat viel verloren

Erst am nächsten Tag war das ganze Ausmaß sichtbar. Das Erdgeschoss ihres Hauses war unter Wasser, bis kurz unter der Balkonkante des 1. Stocks. Die Familie brauchte Schuhe, trockene Kleidung, Lebensmittel. Die Waschmaschine war defekt, ein Auto weg, das andere unter Wasser. Sie selbst konnte nicht aus dem oberen Stock nach unten. Nach hinten war alles zerstört am Haus, die Tür ging nicht abzuschließen. Bald waren die ersten Plünderer im Hof.

Der Anruf von Albert Lücke war ein Segen. Schnell verschickte er Nachrichten an die Blau weißen Fans Capelle, die Bürgerschützen Nordkirchen und die Alten Herren des FC Nordkirchen. Einen Tag später „lief der Saal schon über, so viel ist gespendet worden“, sagt der 55-Jährige. Euronics Nordkirchen gab leihweise ein Notstromaggregat mit, das Schuh- und Sporthaus Bomholt stellte einen Bulli und spendete Kleidung und Schuhe.

Mit Handtüchern, Decken, einer Kochplatte für Notstrom, Lebensmitteln und sogar Futter für den Welpen, machte sich Albert Lücke am Samstag auf den Weg. An der Autobahn wurde er von der Polizei abgefangen. Die wollte Schaulustige aus dem Katastrophengebiet fernhalten. Albert Lücke durfte weiter. Das letzte Stück ging nur noch zu Fuß. „Da sah man das ganze Ausmaß. Eine Katastrophe, die man sich schlimmer nicht vorstellen kann“, berichtet Albert Lücke. Autos hochkant im Baum, die Straßen voll Sperrmüll, im Garten von Leys unzählige Leergutflaschen eines nahen Getränkemarktes. „Wahnsinn“, sagt Lücke.

„Hut ab vor so viel Hilfsbereitschaft“

Er will Samstag wieder hin. Diesmal mit einer gebrauchten und gespendeten Waschmaschine von Euronics und Dingen, die er beim ersten Mal nicht in den Bulli bekam. Dass die Nordkirchener soll schnell mit Spenden geholfen haben, dafür ist er dankbar. Wie auch Marion Ley. „Hut ab vor so viel Hilfsbereitschaft aus Nordkirchen“, sagt sie. Das habe ihre ganze Familie berührt. Das sei keine Selbstverständlichkeit. Die materiellen Spenden seien das eine, das andere sei die moralische Unterstützung. „Irgendwann kann man einfach nicht mehr“, berichtet Marion Ley. Man sei physisch und psychisch am Ende. Gut, dass es die Freunde in der Heimat gibt.

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Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
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Magdalene Quiring-Lategahn

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