Inklusion auf dem Skateboard: Das ist die Skateboard-AG der Maxi-Schule

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Fahren, Spaß haben, hinfallen, wieder aufstehen: Das gehört zum Skateboardfahren dazu. In einer AG lernen jetzt Schüler der Maxi-Schule, auf dem Board zu stehen. Ein Teilstück der Inklusion.

Nordkirchen

, 08.11.2019, 12:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christian hat sich gerade mächtig hingelegt. Der 18-Jährige lacht das aber laut weg: Das tue ja nicht weh, sagt er später. Und es gehöre zum Sport eben so ein bisschen dazu. Der Sport, von dem er spricht, ist das Skateboardfahren. Schon im zweiten Jahr gibt es an der Maximilian-Kolbe-Schule in Nordkirchen, eine Förderschule für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf und/oder einer Behinderung, die Skateboard-AG.

Am Rande der Skatehalle von der Rollhouse-Academy in Lüdinghausen steht Frederic Nolte. Er ist Lehrer an der Maxi-Schule und betreut zusammen mit dem Rollhouse-Skatelehrer Pino Ghisu die AG. Heute sind vier Jungs mitgekommen. „Letztes Schuljahr waren wir auch schon mal sieben - aber das wurde hier auch teilweise zu viel“, sagt der Lehrer und lässt den Blick durch die Halle schweifen, wo es auf relativ kleiner Fläche verschiedene Pipes und damit auch verschiedene Schwierigkeiten gibt.

„Das konnte er letzte Woche nicht“

Die Jungs - Mädels sind nicht dabei -, die in diesem Jahr bei der AG mitmachen, lernen extrem schnell, sagt Frederic Nolte. „Das konnte er letzte Woche noch nicht“, sagt er zum Beispiel mit Blick auf einen seiner Schüler, der sein Skatebord gerade in der Luft gedreht hat und dann weitergefahren ist.

„Das Schöne ist, dass die Schüler das hier ganz schnell erfassen. Sie trauen sich was - und werden immer besser“, erklärt Nolte.

Inklusion auf dem Skateboard: Das ist die Skateboard-AG der Maxi-Schule

Thorsten Lohmann (r.) erklärt Jovan (17) eine Skateboard-Technik. © Marie Rademacher

Thorsten Lohmann kommt hinzu. Er betreibt das Rollhouse in Nordkirchen und - so sagt er - erlebt gerade, wie das Skaten gerade wieder einen Aufschwung erlebt. „Nächstes Jahr wird das Skateboardfahren olympisch“, sagt der 45-Jährige - auch das spiele eine Rolle.

Die Schüler aus der Maxi-Schule sind die einzigen Jugendlichen mit einer Behinderung, die derzeit im Rollhouse unterrichtet werden. „Wir würden hier aber gerne noch viel mehr in Richtung Inklusion arbeiten“, sagt Thorsten Lohmann und beschreibt ein Gestell, dass er mal gesehen hat, in den ein Rollstuhl hineingestellt und durch einen Park geskatet werden kann.

Die Jungs aus der Skate-AG brauchen solche Hilfen nicht. Sie sind fit. Und sie haben vor allem Bock. Und Spaß. Genau darum geht es in der AG, die ja nicht wirklich Teil des Unterrichts ist, sondern fast schon ein bisschen in den Freizeitbereich gehört.

AG-Zeit in der Skatehalle ist kostbar

Die AG wird vom Förderverein der Kinderheilstätte gefördert, die Schüler leisten außerdem einen kleinen Eigenanteil. Wichtige Bedingung: Sie müssen immer Helm und Schoner tragen. Deshalb bleibt der 18-jährige Christian auch so entspannt, wenn er mal hinfällt - lacht sich eher schlapp, statt frustriert zu sein.

Auch Jovans Board sieht so aus, als hätte es schon ein paar Jahre und Stürze auf dem Buckel. Er hat es von einem Nachbarn geschenkt bekommen und fahre damit auch in seiner Freizeit, erzählt der 17-Jährige. Dann düst er damit wieder los: Die AG-Zeit in der Skatehalle ist schließlich kostbar.

Inklusion auf dem Skateboard: Das ist die Skateboard-AG der Maxi-Schule

Christian (18) im Gespräch mit Lehrer Frederic Nolte (r.). © Marie Rademacher

Einen therapeutischen Ansatz gebe es dabei jetzt nicht, sagt Frederic Nolte. Aber das Skateboarden stelle natürlich hohe Ansprüche an den Gleichgewichtssinn und die körperliche Koordination. „Das fördert hier ganz viel nebenbei, über das wir sonst im Sportunterricht mega lange nachdenken müssten“, sagt Frederic Nolte.

„Es steigert natürlich auch enorm das Selbstbewusstsein“, betont Thorsten Lohmann. Und es hilft zu lernen wieder aufzustehen, wenn man mal gefallen ist.

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