IT-Berater trickste Staat und Ehefrau aus - Bewährungsstrafe

NORDKIRCHEN/MÜNSTER Seine Frau hatte ihn gewarnt: Lass die Finger von der Selbstständigkeit. Doch der Ingenieur aus Nordkirchen wollte nicht hören – und begab sich auf eine unglaubliche Odyssee, die am Montag vor dem Amtsgericht in Münster ihr Ende nahm.

von Von Jörn Hartwich

, 16.03.2009, 19:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Banken waren allerdings skeptisch, weshalb sich der Nordkirchener blindlings in die Fänge eines Mannes begab, der wohl als Kredithai bezeichnet werden kann. Und so kam es, wie es kommen musste: Der Kredit schaukelte sich weiter auf, an Rückzahlung war nicht zu denken.

Die Banken waren allerdings skeptisch, weshalb sich der Nordkirchener blindlings in die Fänge eines Mannes begab, der wohl als Kredithai bezeichnet werden kann. Und so kam es, wie es kommen musste: Der Kredit schaukelte sich weiter auf, an Rückzahlung war nicht zu denken.

Das Finanzamt hintergangen

In seiner Not versuchte sich der Nordkirchener als IT-Berater, was ganz gut funktionierte. Da er seine neuen Einnahmen allerdings dem Finanzamt verschwieg, kam neuer Ärger auf ihn zu. Und so dauerte es auch nicht lange, bis die Steuerfahnder vor der Tür standen. Danach ging alles ganz schnell.

Ehefrau und Kinder um eine halbe Million betrogen

Der 46-Jährige packte seine Sachen, plünderte die Konten seiner Frau und seiner Kinder (immerhin eine halbe Million Euro) und verschwand Richtung Frankreich/Schweiz. Zuvor versuchte er allerdings noch den Staubsauber-Hersteller Vorwerk zu erpressen („Ich schleuse ein Virus in euer Computersystem ein!“), was auch nicht funktionierte.

Als er im Januar schließlich auf einem Autobahnrastplatz in Baden-Württemberg festgenommen wurde, gab er sich als „Bernhard Wieler, wohnhaft in Zürich“ aus, doch die Fahnder durchschauten sein falsches Spiel. „Ich habe versucht zu tricksen, das ist gründlich schief gegangen“, sagte er dem Gericht.

Brief an Rüttgers

Stillhalten kann er bis heute nicht. Kaum war der Mann in Münster in U-Haft, schrieb er an Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: „Mein Unternehmen befindet sich in einer Notlage. Ich brauche dringend eine Bürgschaft über 100 000 Euro.“ Die Steuerfahndung habe ihn erwischt – zu Unrecht natürlich.

Zurück zur Ehefrau?

Die Antwort von Jürgen Rüttgers ist nicht bekannt. Die der Richter schon. Sie verurteilten den Nordkirchener wegen Steuerhinterziehung, falscher Eidesstattlicher Versicherung und Nötigung zu 16 Monaten Haft auf Bewährung. Wo er jetzt hin will? „Ich hoffe, dass mich meine Frau vielleicht doch wieder aufnimmt.“

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