Knopfloch und Zick-Zack-Stich: Geflüchtete haben beim Nähtreff Spaß und lernen Deutsch

mlzNähgruppe

Seit fast einem Jahr treffen sich Frauen in der Capeller Flüchtlingsunterkunft am Baumeisters Kamp zum Nähen. Die gemeinsame Handarbeit ist aber nur ein Aspekt, um den es der Gruppe geht.

Capelle

, 19.02.2019, 11:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Deutsch, Arabisch, Kurdisch, Tamil und Tigrinya, das in Eritrea gesprochen wird, begrüßt das Motto Besucher in einem der Gemeinschaftsräume der Flüchtlingsunterkunft am Baumeisters Kamp in Capelle. „Nähen macht glücklich“ steht in bunten Buchstaben auf dem Plakat an der Tür und dahinter beweisen sieben Frauen seit fast einem Jahr, wie treffend diese Aussage ist.

Im April 2018 hat sich die Nähgruppe gegründet. Ehrenamtlich organisiert wird das Angebot von Ursula Albin und Annette Röttger. Schon vorher habe es im Store & More am Ludwig-Becker-Platz in Nordkirchen eine Nähgruppe gegeben, sagt die 63-Jährige. Dorthin seien allerdings nach und nach immer weniger Frauen gekommen.

Seit September mit Kinderbetreuung

Der Vorteil in Capelle sei, dass bis auf eine Teilnehmerin alle Frauen in dem Haus am Baumeisters Kamp wohnen, so Albin. Das mache es für die Teilnehmerinnen einfacher zu organisieren. Seit September 2018 bietet die Capellerin Anne Rößmann zusätzlich eine Kinderbetreuung in der Zeit an, in der die Frauen zwei Stockwerke weiter oben gemeinsam nähen.

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Nähgruppe trifft sich einmal pro Woche in Capeller Flüchtlingsunterkunft

Gemeinsam nähen, sich unterhalten und kreativ arbeiten: Einmal pro Woche treffen sich Frauen aus der Flüchtlingsunterkunft am Baumeisters Kamp in Capelle zur Handarbeit.
19.02.2019
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Insgesamt sind es fünf Frauen, die an dem Näh-Angebot teilnehmen. Eine der beiden Kursleiterinnen ist Ursula Albin (M.).© Karim Laouari
"Wir haben mit einfachen Sachen, wie Utensilos angefangen", erklärt Ursula ALbin.© Karim Laouari
"Wir haben mit einfachen Sachen, wie Utensilos angefangen", erklärt Ursula ALbin.© Karim Laouari
"Wir haben mit einfachen Sachen, wie Utensilos angefangen", erklärt Ursula ALbin.© Karim Laouari
Auch die Nähmaschinen haben die Kursleiterinnen gebraucht aufgetrieben.© Karim Laouari
Auch die Nähmaschinen haben die Kursleiterinnen gebraucht aufgetrieben.© Karim Laouari
Mittlerweile nähen die Frauen auch kompliziertere Schnitte.© Karim Laouari
Spenden für das Angebot, ob Garn oder Stoffe, sind erwünscht, macht Ursula Albin deutlich.© Karim Laouari
Spenden für das Angebot, ob Garn oder Stoffe, sind erwünscht, macht Ursula Albin deutlich.© Karim Laouari
Die Frauen kommen aus unterschiedlichen Nationen. Die gemeinsame Sprache ist Deutsch. Wichtige Begriffe für den Kurs sind auf einem Plakat zusammengefasst.© Karim Laouari
"Nähen macht glücklich" ist der Titel des Nähkurses.© Karim Laouari
"Hier ist niemand vom Fach", sagt Ursula Albin. Deshalb helfen sich die Frauen immer wieder gegenseitig. Albin selbst näht in ihrer Freizeit.© Karim Laouari
"Es macht mich glücklich zu sehen, wenn meine Tochter die Sachen trägt, die ich genäht habe", erklärt eine Teilnehmerin, warum sie den Kurs so schätzt.© Karim Laouari
"Es macht mich glücklich zu sehen, wenn meine Tochter die Sachen trägt, die ich genäht habe", erklärt eine Teilnehmerin, warum sie den Kurs so schätzt.© Karim Laouari
"Es macht mich glücklich zu sehen, wenn meine Tochter die Sachen trägt, die ich genäht habe", erklärt eine Teilnehmerin, warum sie den Kurs so schätzt.© Karim Laouari
Viele der Stoffe, mit denne die Frauen nähen sind Reste, oder wurden gespendet.© Karim Laouari
Die Frauen sind zwischen Anfang 20 und Anfang 40.© Karim Laouari

In der Nähgruppe geht es um das Miteinander. „Niemand von uns ist vom Fach“, macht Ursula Albin deutlich. Sie selbst nähe hobbymäßig. Seit November 2018 wird sie unterstützt von Annette Röttger, die ebenfalls seit Längerem in ihrer Freizeit näht.

Mehr als nur eine Nähgruppe

Die Frauengruppe ist bunt zusammengewürfelt: Von Anfang 20 bis Anfang 40 reicht das Alter der Teilnehmerinnen. Sie kommen aus Sri Lanka, Eritrea, Irak und Syrien. Untereinander sprechen die Frauen deutsch. So biete die Nähgruppe auch eine Möglichkeit, das erlernte Wissen aus den Sprachkursen zu vertiefen.

Wichtige Begriffe, die mit dem Thema Nähen zu tun haben, stehen auf einem großen Plakat: Knopf, Knopfloch, Zick-Zack-Stich und Saum zum Beispiel.

Immer wieder helfen sich die Teilnehmerinnen gegenseitig. Ständige Ansprechpartnerin ist dabei Ursula Albin, die zwischen den Tischen hin- und herläuft und Tipps gibt.

Schnittmuster wurden komplexer

Mit der Zeit haben sich die Frauen an immer komplexere Schnittmuster herangewagt. Angefangen hätte die Gruppe mit einfachen Mustern, wie Utensilos, also Aufbewahrungstaschen für den Tisch. Mittlerweile hat die Gruppe unter anderem auch Schürzen, Kissen, Pullover, Blusen und Schlafanzüge für die Kinder genäht, sagt Ursula Albin.

„Es macht mich einfach glücklich zu sehen, wenn meine Tochter die Sachen trägt, die wir nähen“, bringt eine Teilnehmerin auf den Punkt, warum ihr das gemeinsame Nähen einmal pro Woche so gut gefällt. Ursula Albin mag besonders den kulturellen Austausch innerhalb der Gruppe.

Viele Materialien kommen aus Spenden

Oft würden die ehrenamtlichen Helferinnen auch praktische Lebenshilfe leisten, sagt die 63-Jährige. So helfe sie auch häufig bei alltäglichen Problemen.

Unterstützung bekommt die gesamte Gruppe unter anderem durch Spenden. Stoffe, Garn und Knöpfe kommen zum Teil aus privaten Restbeständen. Immer wieder bekomme Ursula Albin für die Ausstattung der Nähgruppe auch Prozente in Fachgeschäften.

Finanzielle Hilfe kommt von der Pfarrcaritas, unter deren Dach die Flüchtlingshelfer in der Schlossgemeinde tätig sind.

Nach wie vor freue sich die Nähgruppe über Spenden, sagt Ursula Albin. Wer Stoff-, Garn-, oder andere Materialreste spenden möchte, kann Albin dazu kontaktieren, unter Tel. (02596) 980252.

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