Kopfhörer gegen den Lärmpegel im Klassenzimmer

An der Mauritiusschule Nordkirchen

Kopfhörer im Klassenzimmer. Als Schutz vor dem Lärmpegel und für bessere Konzentration. Diese Möglichkeit gibt es für Schüler der Mauritius-Grundschule in Nordkirchen. Eine gute Idee? Da sind Schul-Verantwortliche aus der Region unterschiedlicher Meinung. Es sei eine offene Kapitulation, sagt etwa der Leiter der Gesamtschule.

NORDKIRCHEN

, 06.02.2015, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Grundschüler der Mauritiusschule in Nordkirchen können sich Kopfhörer ausleihen.

Die Grundschüler der Mauritiusschule in Nordkirchen können sich Kopfhörer ausleihen.

Das Modell an der Grundschule: „Bei uns haben wir Lärmampeln und auch Gehörschutzkapseln“, sagt Schulleiterin Angela Tönnis und erklärt den Einsatz der Hilfsmittel. Wenn die Kinder im Unterricht viel zu laut werden, springt die Lärmschutzampel auf „Rot“ um. Deutlich sichtbarer Beweis dafür, dass sie sich wieder mäßigen müssen. 

Einige Kinder haben aber auch bei geringerem Lärmpegel Konzentrationsprobleme. Sie können dann bei der „Stillarbeit“ zu den Gehörschutzkapseln greifen. Diese Art Kopfhörer soll ihnen helfen, sich länger zu konzentrieren.

Gesamtschulleiter Vomhof: kategorische Ablehnung

Ein Weg, den Gesamtschulleiter Ulrich Vomhof kategorisch ablehnt. An der Gesamtschule sei ein Einsatz derartiger Hilfsmittel nie ein Thema gewesen. „Wir müssen zu keinen Hilfsmitteln greifen. Wenn Einzelarbeitsphase angesagt ist, herrscht Ruhe“, sagt Vomhof. Wer sich nicht an die Vorgabe halte, müsse mit Konsequenzen rechnen. „In den meisten Fällen reicht ein böser Blick oder eine klare Ansprache.“

Und wenn das nicht reichen sollte? Dann komme das störende Kind im Zweifelsfall nach vorne. Ausdrücklich weist Vomhof auf das Teamtraining mit beiden Klassenlehrern in den ersten Wochen nach dem Übergang von der Grundschule hin. Dabei gehe es auch um Arbeitstechniken und -weisen.

Den Einsatz von Gehörschutzkapseln findet Vomhof „relativ bedenklich“. Er sei aus seiner Sicht eine offene Kapitulation. Der Gesamtschulleiter begründet seine kritische Haltung zu den Kopfhörern auch damit, dass ansonsten geklagt werde, dass sich die Kinder über Kopfhörer abschotten.

Grundschule Südkirchen: "Nicht so ein Fan von Kopfhörern"

Schulleiterin Sabine Missmahl-Lohe sieht das für die Grundschule Südkirchen etwas anders: „Es gibt tatsächlich Kinder, die viel Ruhe brauchen.“ Eine Situation, die gerade in der Gruppenarbeit nicht immer gegeben sei. Deshalb hätten einige Kollegen eine Lärmampel. „Wenn es zu laut wird, wird die Ampel rot.“ Andere Kollegen würde gefühlsmäßig entscheiden, wann es aus ihrer Sicht in der Klasse zu laut werde.

In Südkirchen und Capelle würden die breiten Flure zusätzliche Optionen bieten. Hier könnten einige Kinder in aller Ruhe arbeiten. Auf Anfrage dieser Redaktion sagt die Schulleiterin deutlich, dass sie „nicht so ein Fan von Kopfhörern“ ist. Sie begründet das auch mit hygienischen Aspekten. Im Kollegium sei das Thema besprochen worden. „Wir haben es aber offen gelassen.“

Sabine Missmahl-Lohe sagt auch, dass es zur Erziehungsarbeit an der Grundschule gehöre, für Ruhe zu sorgen. Wenn Eltern den Wunsch hätten, dass Kinder Kopfhörer tragen sollen, sollten sie die Gehörschutzkapseln aus hygienischen Gründen selbst anschaffen.

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