Längerer Weg, aber bessere Voraussetzungen für Schüler mit besonderem Förder-Bedarf

Förderschule

Der Kreis Coesfeld hat sich festgelegt. Mit Beginn des neuens Schuljahres hat die Astrid-Lindgren-Förderschule einen neuen Standort. In Nottuln. Doch das muss nicht das letzte Wort sein.

Nordkirchen, Olfen, Ascheberg

, 28.01.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie der neue Schulstandort heißen soll, steht noch nicht fest.

Wie der neue Schulstandort heißen soll, steht noch nicht fest. © Thomas Aschwer

Gibt es im Südkreis, also in Nordkirchen, Olfen, Lüdinghausen und Ascheberg, einen Bedarf für eine eigene Förderschule? Der Kreis Coesfeld will es genau wissen. Er hat deshalb jetzt einen Gutachter beauftragt, der genau diese Frage untersucht und bis zum Frühsommer Antworten liefern soll.

Dabei können die Experten auf eine ganz neue Vorgabe des Landes NRW zur Mindestgröße zurückgreifen. „Die Frage ist, wie viele Kinder zur Förderschule und wie viele eine inklusive Klasse besuchen wollen“, brachte Detlef Schütt vom Kreis Coesfeld beim Ortstermin in Nottuln die entscheidende Frage auf den Punkt.

Kraftakt von 4,3 Millionen Euro

Rund 4,7 Millionen Euro investiert der Kreis gerade, um die frühere Hauptschule in Nottuln fit zu machen für die besonderen Bedürfnisse einer Förderschule. Dabei belaufen sich die Kosten für die Ausstattung auf rund 400.000 Euro. Die eigentlichen Baukosten werden am Ende rund 4,3 Millionen betragen. Das ist rund 1 Million Euro mehr, als bei einer Machbarkeitsstudie im Jahr 2016 veranschlagt war. Architektin Andreas Piehl nannte zusammen mit Vertretern des Kreises einige Gründe.

Die Schule in Nottuln wird derzeit mit dem Einsatz von viel Geld saniert.

Die Schule in Nottuln wird derzeit mit dem Einsatz von viel Geld saniert. © Thomas Aschwer

In Decken und Böden befanden sich Schadstoffe, die ausgebaut werden mussten. Zudem waren viele Leitungen in einem so schlechten Zustand, dass auch sie durch neue ersetzt werden mussten. Ob Brandschutz, Decken oder Bodenbeläge – als es an die konkrete Planung für den Umbau ging, wurde zusätzlicher Investitionsbedarf deutlich. So wirklich überraschend waren die Mängel allerdings nicht. Mit dem Bau der früheren Hauptschule Nottuln wurde bereits im Jahr 1968 begonnen. 1971 feierte die Gemeinde die Fertigstellung. Nachdem die Schule im Sommer 2014 geschlossen wurde, stand sie zunächst leer. Später brachte die Gemeinde hier Flüchtlinge unter.

Die Schule benötigt spezielle Fachräume

Nach langen Verhandlungen – der Kreis hätte sich auch eine Miete vorstellen können – verkaufte die Gemeinde das Schulgebäude für mehr als 1 Millionen Euro an den Kreis. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits längere Zeit auf der Suche nach einem Standort für eine Förderschule. Am bisherigen Standort in Lüdinghausen fehlten nach Einschätzung der Kreisverwaltung der Platz und die Möglichkeiten für eine moderne Förderschule. In Nottuln ist das ganz anders. Hier wurden in Spitzenzeiten mehr als 400 Hauptschüler unterrichtet. In Zukunft werden es „nur“ um die 100 Mädchen und Jungen mit besonderem Förderbedarf sein.

Um sie optimal zu fördern, sind besondere Differenzierungsmöglichkeiten notwendig. Zudem benötigt die Schule spezielle Fachräume. Da passt es gut, dass die Hauptschule über eine voll funktionsfähige Küche und verschiedene andere Fachräume verfügte. Der Kreis baut zudem die großen Außentoiletten in eine Werkstatt um.

Letztes Wort noch nicht gesprochen

Viel Geld nimmt der Kreis auch in die Hand, um den Energieverbrauch zu reduzieren. So werden sämtliche Fenster ausgebaut und durch neue ersetzt. Die Heizung ist künftig so modern, dass bei geöffneten Fenstern nicht weiter geheizt wird. Ob Schallschutz, Leitungen, Decken und Böden, an vielen Stellen geht der Kreis fast in den Rohbaustatus zurück. Dabei achtet Architektin Andrea Piehl aber gleichzeitig streng darauf, die Vorgaben des Denkmalschutzes zu beachten.

Zusammen mit dem Kreis und der Schulleitung hat sie kurz vor dem Jahreswechsel entschieden, dass der Umzug im Sommer erfolgen soll. Mit dem neuen Schuljahr fahren dann alle Kinder, die bislang zur Förderschule Lüdinghausen gefahren sind, nach Nottuln. Ein Punkt, den gerade die Bürgermeister im Südkreis heftig kritisiert haben. Doch für sie könnte die jetzt in Auftrag gegebene Untersuchung mehr als ein Hoffnungsschimmer sein. Ab Sommer werden die Kommunal-Politiker das Ergebnis im Kreistag und den Ausschüssen diskutieren.

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