Zum Ende des laufenden Schuljahres geht Norbert Heßling, Leiter der Maximilian-Kolbe-Schule, in den Ruhestand. Ein versierter Pädagoge und Chef. Ein Mann, dem eines ganz wichtig ist.

von Maria Niermann

Nordkirchen

, 14.06.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Welchen Anteil hat Norbert Heßling an der Entwicklung der Maximilian-Kolbe-Schule in Nordkirchen? Das ist einer der Arbeitsaufträge für das Gespräch mit Norbert Heßling, dem scheidenden Leiter der Maxi-Schule, wie sie liebevoll genannt wird. Und hier beginnt das Problem für die Reporterin. Norbert Heßling möchte die Entwicklung seiner Schule überhaupt nicht auf seine Fahnen schreiben. „Alles, was wir hier tun, geschieht im Team“, sagt er. „Vielleicht hab ich den Ideen meiner Mitarbeiter Raum gegeben, habe sie strukturiert. Aber letztendlich ist all das, was hier entstanden ist, das Ergebnis einer guten Zusammenarbeit.“

Abschied ist eine Mischung aus Wehmut und Freude

Norbert Heßling verlässt die Maxi-Schule mit Ende des Schuljahres 2019/2020, offiziell am 31. Juli dieses Jahres. Sicherlich sei auch Wehmut dabei, sagt der 63-Jährige. Aber das wollte er gar nicht so sehr in den Vordergrund stellen. Er verlasse eine tolle Schule, an der er ausgesprochen gerne gearbeitet habe, gehe nun aber bewusst, und freue sich auf einen neuen Lebensabschnitt. „Diesen neuen Lebensabschnitt habe ich noch nicht geplant, aber ich werde ihn bestimmt sinnvoll gestalten“, so Norbert Heßling. Die Fahrradtasche hinter seinem Schreibtisch deutet schon auf ein Hobby hin. Die 28 Kilometer zwischen seinem Wohnort Münster und Nordkirchen legt er mit seinem Fahrrad zurück.

„Alles, was wir hier tun, geschieht im Team.“
Norbert Heßling, Leiter der Maximilian-Kolbe-Schule

Der Lehrer für Sonderpädagogik arbeitet seit 1985 in der Nordkirchener Einrichtung und leitet die Schule seit 2001. Zunächst habe er unter der Größe der Einrichtung gelitten. Im Jahr 1975 war die Schule zunächst ausgerichtet für 140 Schülerinnen und Schüler, im Jahr 2020 leben und lernen in der Nordkirchener Ortsmitte knapp 300 Kinder und Jugendliche. „Ich hab mir zu Beginn meines Berufslebens eine kleinere Einrichtung gewünscht“, erinnert sich der Lehrer für Sonderpädagogik. Aber im Laufe der Jahre habe er die Vorteile dieser Größenordnung schätzen gelernt. „Unsere Schule, die übrigens eine der größten Schulen dieses Typs in NRW ist, bietet einfach auch viele Chancen: Schule, Wohnheim, Handwerk, Musikschule, Schulgarten, Sinnesgarten, Streichelzoo, Spiel- und Sportplatz .....das geht in einer kleineren Einrichtung nicht.“

Norbert Heßling arbeitet gern mit den Kindern zusammen.

Norbert Heßling arbeitet gern mit den Kindern zusammen. © Maria Niermann

Und diese Größe führe auch dazu, dass er als Leiter der Schule nicht alles kontrollieren könne. „Die Schule hat 140 Mitarbeiter – da kann ich nicht an jeder Ecke stehen und dabei sein.“

Mitarbeiter müssen Nähe zulassen

Die Mitarbeiter einer solchen Einrichtung müssen Menschen mögen, sie müssen Nähe zulassen, sagt Norbert Heßling. Sie können Ideen entwickeln, die dann durchaus auch kontrovers und ausführlich ausdiskutiert werden. Dann sei es auch die Aufgabe eines Leiters, diesen Ideen Struktur zu geben, und eine Zukunft der Projekte zu gewährleisten. „Wir können nicht ständig eine Wunderkerze anzünden, und wenn diese abgebrannt ist, die nächste anzünden.“

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Da kommt dann doch die Fähigkeit des Schulleiters Norbert Heßling zum Tragen.

Im Gespräch über seinen Abschied betont er immer wieder die besondere Lage der Schule in Nordkirchens Ortsmitte, neben der Mauritiuskirche, in direkter Nachbarschaft zur Mauritiusschule. „Diese Situation ist einmalig, ich kenne keine vergleichbare.“ Norbert Heßling freut sich ungemein über die Integration seiner Schülerinnen und Schüler in der Nordkirchener Gemeinde, im Nordkirchener Alltag. Vieles sei in Nordkirchen schon seit vielen Jahren selbstverständlich, was andere Gemeinden noch lernen müssten. „Häufig sind ja Einrichtungen wie die unsrige am Stadt- oder Ortsrand entstanden“. Die Maxi- Schule sei aber nicht nur geografisch inmitten der Gemeinde verankert. „Wir gehören zur Gemeinde, wir sind in dieser Gemeinde verankert. Das ist schon sehr besonders.“, sagt Norbert Heßling. Die Kooperation mit der Mauritius-Grundschule ist dem scheidenden Schulleiter ein ebenso großes Anliegen.

Beruflicher Werdegang Norbert Heßling

  • Durch seine Arbeit als Zivildienstleistender in einer Förderschule in Münster für Menschen mit Behinderung kam Norbert Heßling erstmals in Berührung mit Menschen mit Behinderung. „Dieser Dienst hat mir bombig gefallen“, sagt er noch heute.
  • Er studierte dann in Dortmund, machte sein Referendariat in Paderborn und ging 1985 nach Nordkirchen.
  • In den 1990er Jahren arbeitete er in der Lehrerausbildung, wurde zeitweise dafür freigestellt, um dann 2001 Schulleiter der Maxi-Schule zu werden.

Aber – wir können es drehen und wenden - auch dieser Abschied kommt ohne das Thema Corona-Pandemie nicht aus. „Gerade weil für unsere Schüler Nähe so wichtig ist, ist diese Zeit für uns so schwierig.“ Digitales Lernen sei für die Schülerinnen und Schüler der Maxi-Schule nur eingeschränkt möglich. „Pädagogik braucht persönliche Beziehungen“, findet Norbert Heßling.

Norbert Heßling: ein engagierter Pädagoge und warmherziger Chef.

Norbert Heßling: ein engagierter Pädagoge und warmherziger Chef. © Maria Niermann

So musste der erfahrene Pädagoge zum Schluss seines Berufslebens noch sicherstellen, dass seine Schule Corona-fähig ist. „Das war unglaublich viel Arbeit.“ Und zur Zusammenarbeit mit seinen Kollegen: „Ich wollte nie ein Chef sein, der hinter dem Schreibtisch sitzt, und der Gesprächspartner auf der anderen Seite. Auch hier wollte ich Nähe sicherstellen.“ Auch das geht in seinen letzten Arbeitswochen nicht mehr. Er findet auch ausgesprochen schade, dass Einrichtungen wie Spielplatz und Streichelzoo zur Zeit nicht von allen Kindern genutzt werden können.

Mehrere kleine Abschiedsfeiern

Und natürlich leidet sein Abschied unter der Pandemie. „Zunächst habe ich damit gehadert, aber inzwischen sehe ich auch darin eine Chance. Das wird sicherlich ganz rund. Es wird nun mehrere kleine Feiern mit unterschiedlichen Elementen geben. Das muss ja nicht schlecht sein.“

Auch hier bleibt er sich treu: Gelassen, in sich ruhend, nimmt er die besonderen Umstände seines Abschieds hin.

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