Gegen ein Test-Unternehmen aus Bochum werden schwere Vorwürfe wegen Betruges erhoben. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Coronavirus

Mehr Lockerungen – Nachfrage nach Corona-Tests ist aber gestiegen

Geringere Infektionszahlen, bedeuten auch mehr Lockerungen. Da könnte man meinen, dass Corona-Tests aktuell nicht so hoch im Kurs stehen. Das Gegenteil ist aber der Fall.

Auf der Terrasse eines Restaurants zu speisen, geht im Kreis Coesfeld ohne Test. Auch Einkaufen ist wieder ohne Test möglichen und Menschen aus bis zu fünf Haushalten dürfen sich in unbegrenzter Anzahl wieder in der Öffentlichkeit treffen. Bleibt die Inzidenzzahl für Gesamt-NRW auch weiterhin unter 35 (am Montag, 7. Juni lag sie bei 27) sind sogar noch weitere Öffnungen möglich.

Doch bedeutet das nun, dass Testzentren bald passé sind? Offenbar ist aktuell eher das Gegenteil zu beobachten, wie Christoph Schlütermann, Vorstand beim Deutschen-Roten-Kreuz (DRK) im Kreis Coesfeld sagt. Das DRK betreibt unter anderem ein Testzentrum in Nordkirchen und seit kurzem sogar zwei in Olfen. Bei den Testzentren in Nordkirchen und Olfen komme es im Schnitt zu bis zu 200 Tests pro Tag, sagt Schlütermann. Zum Wochenende hin seien es aber dagegen etwa 400 Tests gewesen. „Und in anderen Testzentren beobachten wir diesen Trend auch.“

Hohe Test-Nachfrage: „Das hätten wir nicht gedacht“

In der Bären Apotheke in Nordkirchen bedeutet die Nachfrage nicht, dass es mehr Kapazitäten gibt, die Apotheke bietet bereits so viele Test-Möglichkeiten an, wie sie leisten kann. Aber gerade für Freitag und Samstag seien die Termine direkt weg, wenn sie reingestellt werden, erklärt Inhaberin Laura Höcke. Auch sie könne bestätigen, dass die Nachfrage ungebrochen ist. „Das hätten wir auch nicht gedacht und ich kann auch überhaupt nicht prognostizieren, wo es hingeht“, sagt Höcke.

Zum einen sei es ja so, dass man für das ein oder andere noch Tests brauche, zum Beispiel für die Innengastronomie, für Schwimmkurse oder zum Beispiel an der Hochschule für Finanzen, andererseits wollten viele auch auf Nummer sicher gehen. „Wenn ich mich zum Beispiel mit einer Freundin treffen will, will ich sicher gehen, dass die größtmögliche Sicherheit besteht“, sagt Höcke. Hinzu komme, dass man nicht in allen Kreisen das gleiche könne. Und nicht jeder ist sich sicher, was er wo gerade darf. Dann mache er oder sie lieber einen Test, um sicherzugehen, dass die gewünschte Aktivität auch tatsächlich klappt. All diese Gründe bestätigt auch Christoph Schlütermann.

Marktbereinigung wird kommen – aber nicht nur wegen weniger Geld für Tests

Das Testen in Testzentren war in den vergangenen Wochen besonders in den Fokus gerückt, nachdem bekannt wurde, dass ein Bochumer Anbieter mutmaßlich im großen Stil betrogen haben soll und mehr Tests abgerechnet hatte, als tatsächlich gemacht wurden. Gegen ihn wird inzwischen ermittelt. Konsequenzen daraus sind nun verstärkte Kontrollen sowie auch weniger Geld für Tests. Statt bislang 14 Euro, sollen Testzentren nun nur noch bis zu 6 Euro erhalten, wie es in dem Papier von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn heißt.

Für das DRK kein Problem, wie Schlütermann erklärt. „Für das DRK stand das Geld verdienen nie im Vordergrund“, sagt Schlütermann dazu. Man verstehe sich stattdessen als Partner von Kommunen und Gesundheitsamt. Selbst, wenn das Testen ein Nullsummenspiel würde, würde man die Testzentren weiter betreiben. Sechs Euro für die Tests würden übrigens ohnehin nicht abgerechnet, das DRK beziehe Tests von einem günstigen Anbieter und zahle 2,40 pro Test, erklärt Schlütermann.

Nicht nur durch die gesetzlichen Neuregelungen geht er aber davon aus, dass es zu einer Marktbereinigung kommen wird. Denn viele Anbieter seien zuvor zum Beispiel in Bereichen wie der Gastronomie oder dem Eventmanagement tätig gewesen und hatten nach einer Möglichkeit gesucht, sich über Wasser zu halten. Nun könnten viele auch wieder ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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