Millionen auf hoher Kante: Nordkirchen will mit gutem Gewissen in Aktienfonds investieren

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Kinderarbeit, Gentechnik und Tierversuche sind tabu: Nach dem Geschäft mit dem Lippeverband kann die Gemeinde Nordkirchen einige Millionen investieren - legt aber eine hohe Messlatte an.

Nordkirchen, Südkirchen, Capelle

, 18.05.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieses Neuland betritt die Gemeinde Nordkirchen gerne. Nachdem es viele Jahre ausschließlich darum ging, den Schuldenberg möglichst abzubauen, ist sie jetzt in einer recht komfortablen Situation. Ohne sich zu fest zu binden und damit unflexibel bei möglichen Investitionen zu werden, bleiben 11 Millionen für die „hohe Kante“. Am Donnerstagabend hat der Rat mit großer Mehrheit festgelegt, welche Grundsätze die Verwaltung bei den Anlagen zu beachten. Das vorläufige Ende eines längeren Prozesses.

Gemeinde investiert eine Million Euro in Aktien

„Priorität haben sichere Anlagen“, sagt Bürgermeister Dietmar Bergmann. Gleichzeitig betont er, dass die Gemeinde mit den Anlagen zumindest die Inflation ausgleichen will. Deshalb investiert sie auch eine Million Euro in Aktien. Doch mit strengen Vorgaben. „Bei den Richtlinien wollten wir die Welt natürlich nicht neu erfinden“, sagt Bergmann. Vielmehr haben sich die Gemeinde an entsprechenden Richtlinien des Kreises Coesfeld oder der Stadt Münster orientiert. Herausgekommen ist mit Zustimmung des Rates jetzt eine sehr klare Vorgabe.

  • Keine Beteiligung an Unternehmen, die Kinderarbeit zulassen
  • Keine Beteiligung an Unternehmen, die Militärwaffen herstellen und vertreiben
  • Keine Beteiligung an Unternehmen, die Atomenergie erzeugen
  • Keine Beteiligung an Unternehmen, die Schiefergasgewinnung (sogenanntes Fracking) betreiben.
  • Keine Beteiligung an Unternehmen, die Pflanzen oder Saatgut gentechnisch verändern
  • Keine Beteiligung an Unternehmen, die Tierversuche für die Herstellung von Kosmetika durchführen

Bei der Anlage arbeitet die Verwaltung mit einem Partner zusammen

Um diese hohen Ansprüche gewährleisten zu können, arbeitet die Gemeinde bei den Anlagen mit einem Partner (Sparkasse Westmünsterland) zusammen. Verantwortlich ist für Auswahl der Anlagen und die Umsetzung der der Anlagenpolitik der Kämmerer der Gemeinde. In den vom Rat verabschiedeten Richtlinien heißt es ausdrücklich, dass er sich „bei Bedarf durch Dritte beraten lassen kann“. Bei der Anlage von Geldmitteln aus dem liquiden Bestand der Gemeindekasse „ist zudem die Teamleitung Finanzen zu beteiligen“.

Maximal ein Drittel des Geldes darf in Aktien fließen

Um eine ordnungsgemäße Haushaltswirtschaft zu gewährleisten, gibt es eine Berichts- und Kontrollpflicht. Während diese Umsetzungsdetails die Politik im Rat nicht diskutierte, betonten Sprecher der Parteien die Bedeutung der ethischen Grundsätze bei den geplanten Geldanlagen. Zudem legten sie Wert darauf, dass maximal ein Drittel des Geldes in Aktien angelegt wird. Bei der jetzt geplante Anlage wird es allerdings deutlich weniger sein - eine der elf Millionen soll in sogenannte „Low-Risk-Fonds“ investiert werden.

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