Der Kreis Coesfeld setzt bei der Kontaktnachverfolgung nun auf eine Software der Bundesregierung. Symbolbild. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Mit Excel an der Grenze: Kreis Coesfeld setzt auf Bundes-Software zur Kontaktverfolgung

Kontaktverfolgung soll der Schlüssel sein, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Dafür gibt es vom Bund eine neue Software. Der Kreis Coesfeld setzt sie bereits ein - und ist überzeugt.

Man kann sich die neue Software des Gesundheitsamtes Coesfeld vorstellen, wie die große Wand mit der die Kommissare im Krimi die beteiligten Personen auflisten und sich fragen, wer wie in Beziehung zueinander steht und welches Motiv die jeweiligen Personen hätten. Nur eben digital – und mit wesentlich mehr Daten.

Sormas ÖGD heißt die Software, deren Vorgänger das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und das Robert-Koch-Institut (RKI) 2014 ursprünglich während der Ebola-Epidemie in Westafrika entwickelt hatten. Die Software soll bei Epidemie-Lagen helfen und dafür sorgen, dass Kontakte leichter zurückzuverfolgen sind. Das Bundes-Gesundheitsministerium hatte im November alle 375 Gesundheitsämter in Deutschland darum gebeten, die Software einzusetzen. Der Erfolg war bislang eher überschaubar. Wie jüngst aus einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der gesundheitspolitischen Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, hervorgeht, nutzten bis Ende Dezember nur 111 Gesundheitsämter die neue Software, also nicht mal ein Drittel.

Zu den Gesundheitsämtern, die die Software einsetzen, gehört unter anderem der Kreis Coesfeld: „Wir wenden die Software auch an“, sagt ein Sprecher vom Kreis Coesfeld auf Anfrage der Redaktion. Der Kreis Coesfeld setzte das Programm laut eigenen Angaben bereits seit dem 1. Dezember ein.

Mit Office-Programm an der Grenze

„Es macht auf jeden Fall Sinn für die Fallrückverfolgung“, sagt ein Sprecher des Kreises Coesfeld. Vorher habe das Gesundheitsamt auf viele Excel-Listen gesetzt, „da stößt man schon an seine Grenzen“, sagt der Sprecher. Die Funktionsweise des Programms soll auch noch weiter ausgebaut werden. Aktuell kann es die Daten zu den infizierten Personen sammeln und die Verbindungen zu Kontaktpersonen wie oben beschrieben, visuell darstellen. Ab Februar soll dann noch eine Erweiterung dazukommen, die dafür sorgt, dass eine direkte Schnittstelle zwischen Gesundheitsamt, den Testlaboren und dem Robert-Koch-Institut existiert. Das würde auch die Übermittlung wesentlich einfacher machen.

Maria Klein-Schmeink von den Grünen hatte in einer Mitteilung kritisiert, dass viele Gesundheitsämter die Software noch gar nicht einsetzen: „Bei den aktuellen Infektionszahlen können wir uns Steinzeitmethoden wie die händische Erfassung oder das Abtippen von Excel-Tabellen zur Kontaktnachverfolgung nicht mehr leisten“, schrieb sie unter anderem.

Der benachbarte Kreis Unna zum Beispiel gehört zu den Kreisen, die die neue Software noch nicht nutzen und prüft erst noch, ob er sie überhaupt einsetzen möchte. Als Gründe dafür nennt er ein funktionelles System, das die Mitarbeitenden bedienen können. Für das neue System wären erst Schulungen nötig. Allerdings trägt die Kosten für Software-Bereitstellung und auch für nötige Schulungen der Bund bis Ende 2022.

Mitarbeiterinnen eines Reisebüros helfen mit

Beim Kreis Coesfeld habe aber die Kontaktnachverfolgung auch während der Zeiten, wo der Inzidenzwert über 100 gelegen habe, stets geklappt, sagt ein Sprecher. Aktuell ist die Situation mit einem Inzidenzwert von 52,1 (Stand 27. Januar) wieder auf einem entspannteren Niveau. „Unser Ziel ist es, dass wir alle Kontakte immer am gleichen Tag informieren“, sagt der Sprecher.

Damit das gut zu schaffen ist, gibt es neben dem Personal im Gesundheitsamt 17 Containment-Scouts, das sind studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei der Kontaktrückverfolgung helfen sollen sowie 10 Soldatinnen und Soldaten. Eine weitere Besonderheit: Mitarbeiterinnen, die normalerweise in einem Coesfelder-Reisebüro tätig sind, telefonieren mit Menschen, die gerade in Quarantäne sind und erkundigen sich nach deren Gesundheitszustand.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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