Mit „Gymnastik für ältere Frauen“ in Südkirchen gemeinsam alt werden und fit bleiben

mlzGymnastik im Alter

Manche Frauen haben künstliche Hüften, andere neue Knie. Alle jedoch haben Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit - auch wegen einer guten Idee, die inzwischen 40 Jahre zurückliegt.

Südkirchen

, 20.03.2019, 05:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gerda Laumann (85) streift sich die Gymnastik-Schläppchen über die Füße. Sie ist an diese Montag das erste Mal wieder dabei. Eine Knie-OP zwang sie zu einer Pause. Umso wichtiger sei es, wieder zurückzufinden ins regelmäßige Training, sagt Helene Hagemeier (84). Sie kennt sich da aus.

Die Wernerin im pink-grauen Trainingsanzug hatte Ende August 2018 ein neues Kniegelenk bekommen. „Zwei künstliche Hüften hatte ich schon vorher“, sagt sie noch, während sie bereits leichtfüßig von der Umkleide in die Halle nebenan läuft. Helene Hagemeier und Gerda Laumann trainieren dort jeden Montag von 15 bis 16 Uhr - seit genau 40 Jahren.

In der Gemeinschaft macht Sport mehr Spaß

Musik schallt aus dem Lautsprecher. Im Takt gehen 23 Frauen im Kreis, mehrere Runden rechts herum. Arme pendeln locker am Körper. Alle holen tief Luft und atmen wieder aus. Und jetzt links herum. Eva Lakemeier gibt die Anweisungen: „Hoch die Tassen!“ Die Frauen recken nicht Getränkegläser, sondern die Arme in die Höhe. Manche stellen sich auf die Zehenspitzen - volle Körperspannung.

Zwischen 60 und Mitte 80 sind die Teilnehmerinnen des VHS-Kurses. Gerda Laumann (sitzend 3. v. r.) und Helene Hagemeier (sitzend 4. v. r.) sind von Anfang an dabei.

Zwischen 60 und Mitte 80 sind die Teilnehmerinnen des VHS-Kurses. Gerda Laumann (sitzend 3. v. r.) und Helene Hagemeier (sitzend 4. v. r.) sind von Anfang an dabei. © Sylvia vom Hofe

„Das ist das Schöne“, sagt die Trainerin nach der Gymnastikstunde, „alle sind mit Freude dabei“ - ganz unabhängig, welche gesundheitlichen Einschränkungen schon da sind. Und wem Bewegung Freude bereitet, weiß Lakemeier, „der bleibt dran und ist motiviert“. Etwas ziehen dürfe es bei den Übungen schon mal, aber nicht wehtun. Die Trainerin blickt aufmerksam in die Runde und kontrolliert, dass sich keine überanstrengt.

Laumann und Hagemeier sind seit 40 Jahren dabei, so lange wie sonst keine. Viele andere kommen aber auch schon auf Jahrzehnte. Eine Dame ist erst kürzlich dazu gestoßen, nachdem ihr Mann verstorben ist. Der Neuzugang ist über 80.

Gemeinsam Sport zu treiben, das wissen alle in der Halle, ist nicht nur gut für Herz und Kreislauf, Muskeln und Skelett, sondern auch für die Psyche. „Wir unterhalten uns ja auch immer und lachen viel“, sagt die Trainerin, die die Gruppe seit fast 20 Jahren betreut.

Mundgymnastik gehört in der Südkirchener Sporthalle auch dazu

„Manchmal“, ergänzt sie, „muss ich auch daran erinnern, dass es jetzt genug sei mit der Mundgymnastik und die anderen Körperteile wieder an der Reihe sind“. Da seien ältere Frauen eben auch nicht anders als junge. Eva Lakemeier schmunzelt. Sie selbst ist jünger als viele Kursteilnehmerinnen, aber auch schon im Rentenalter: 65. Ans Aufhören denkt sie dabei genauso wenig wie ihre Schützlinge. „Wer nichts für seinen Körper tut, darf sich nicht wundern, wenn es der dann auch nichts mehr tut.“

Bälle fliegen durch die Halle. Rote, blaue, gelbe: Jede in der Runde fängt einen. Mal trainieren sie mit Reifen, mal mit Kirschkernkissen, jetzt mit Bällen. „Gymnastik für ältere Frauen“ heißt der Kurs, den Lakemeier für die Volkshochschule in Südkirchen durchführt - genauso wie es vor ihr Anni Klotz und Vera Wissmann taten. Nur dass es damals noch keine älteren Frauen waren, die sich zusammenfanden, um sich zu dehnen, zu strecken, zu beugen und zu biegen.

Jede macht die Übungen so gut sie kann.

Jede macht die Übungen so gut sie kann. © Sylvia vom Hofe

Sport treiben? Helene Hagemeier lacht. Dafür sei in ihrem Leben lange keine Zeit gewesen. Bewegt haben sie und die meisten ihre Mitstreiterinnen aber dennoch jede Menge: bei körperlicher Arbeit - auf dem Hof, im Betrieb des Ehemannes, im großen Haushalt. „Und wir haben gekegelt“, ergänzt Gerda Laumann: „Die Lustigen 13“ hießen sie. Dort sei dann auch die Idee entstanden zu der Fitnessgruppe. „Da waren wir schon über 40.“ Höchste Zeit, etwas für sich zu tun.

Ausflug zum Variete-Theater

Bei aller Begeisterung für den Sport. Am Sonntag, 24. März, schauen sich die Frauen an, wie sich andere bewegen. „Wir fahren anlässlich des 40-jährigen Jubiläums ins GOP-Variete Münster“, sagt die Trainerin. Neben den Weihnachtsfeiern und Sommer-Ausflügen ein Höhepunkt im Jahresprogramm.

Der Höhepunkt der Montags-Übungsstunde ist schon überschritten. Rücken, Nacken, Arme, Beine: Alles haben die Frauen bewegt. Zum Abschluss lädt die Trainerin zu einer Entspannungsübung ein. „Wir wollen schließlich erholt auseinandergehen und nicht gestresst“ - nicht, dass noch eine die Lust verliert am Sport. Nach all den Jahren.

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