Mutter in Sorge: Tochter soll zur Schule trotz erhöhtem Ansteckungsrisiko?

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Tanja Grünberg sorgt sich um die Gesundheit der Drittklässler in Capelle. Ihre Tochter soll zur Schule gehen, obwohl in ihrem Haushalt eine erhöhte Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus besteht.

Nordkirchen

, 14.05.2020, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

In dieser Woche hatten auch die Grundschüler in Nordkirchen ihre ersten Schultage nach Wochen, in denen sie nur zu Hause gelernt haben. Auch die Tochter von Tanja Grünberg ist wieder in die dritte Klasse in Capelle gegangen. Ihre Mutter hat dabei allerdings kein gutes Gefühl. Sie warnt vor einer erhöhten Ansteckungsgefahr.

Denn ihr Sohn, der mit im Haushalt lebt, arbeite im Rettungsdienst. Erst am Wochenende habe er Corona-Infizierte gefahren. Dadurch habe die Familie ein höheres Risiko, sich mit dem Virus anzustecken, sagt Tanja Grünberg.

Schule vorher informiert

Vor dem ersten Schultag hat sie deshalb der Schule geschrieben und gefragt, wie sie sich verhalten soll, ob ihre Tochter nicht besser weiter zu Hause unterrichtet werden sollte. Sie wollte die Schule vorwarnen, sagt Tanja Grünberg. „Ich finde es einfach wichtig, dass andere darüber informiert sind“, sagt sie über das erhöhte Ansteckungsrisiko ihrer Familie. Denn der Kreis Coesfeld habe ihrem Sohn empfohlen, so wenige Kontakte wie möglich zu haben.

Schon am nächsten Morgen bekommt Tanja Grünberg eine Antwort aus dem Schulsekretariat des Grundschulverbunds Nordkirchen. Nach Rücksprache mit dem Schulamt für den Kreis Coesfeld dürfe ihr Tochter nur zu Hause bleiben, „wenn sie selber an Covid-19 erkrankt ist.“

Mutter will andere informieren

Eine Antwort, die für Tanja Grünberg nicht schlüssig ist. Was ist, wenn ihre Tochter sich infiziere, selbst nichts von der Krankheit merke, aber in der Schule die anderen Drittklässler anstecke, fragt sich die Mutter. „Ich will nicht, dass nachher jemand sagt, warum hast du nichts gesagt.“

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Trotz ihrer Befürchtungen hat Tanja Grünberg ihre Tochter also am Dienstag (12. Mai) zum ersten Mal seit der Schließung wieder zur Grundschule nach Capelle geschickt. Richtig wohl sei ihrer Tochter dabei nicht gewesen, erzählt sie. In der Familie haben sie über das Virus gesprochen, ihre Tochter habe Bedenken gehabt, andere anstecken zu können.

Schulpflicht gilt nicht mehr bei „konkreter Gefahr“

Grundsätzlich gilt die Schulpflicht, sagt Diana Seibert-Tombült, Sprecherin der Bezirksregierung in Münster. Nur wenn eine „konkrete Gefahr“ bestehe, dass die Gesundheit anderer in Gefahr ist, könne die Schulpflicht ausgesetzt werden.

Das steht so im Schulgesetz von Nordrhein-Westfalen unter Paragraph 54: „Schülerinnen und Schüler, deren Verbleib in der Schule eine konkrete Gefahr für die Gesundheit anderer bedeutet, können vorübergehend oder dauernd vom Schulbesuch ausgeschlossen werden.“ Die Entscheidung treffe der Schulleiter, auch auf Grundlage eines Gutachtens.

In Coronazeiten ist die „konkrete Gefahr“ auch Abwägungssache, sagt Seibert-Tombült. Als Beispiele nennt die Sprecherin „coronarelevante Vorerkrankungen“. Wenn beispielsweise Eltern oder Geschwister oder andere im selben Haushalt lebende Personen eine Krebserkrankung hätten, dann könnte das Kind von der Schulpflicht entbunden werden, sagt Diana Seibert-Tombült. Die Befürchtung, das Virus verbreiten zu können, sei demnach nicht als konkrete Gefahr eingestuft worden.

Schule nach Rotationsprinzip

Anders sähe es natürlich aus, wenn tatsächlich eine Person im Haushalt der Grünbergs positiv auf das Coronavirus getestet würde. Dann gebe es Quarantänepflichten, die einen Schulbesuch der Tochter verhindern würden. Solange dies nicht der Fall ist, wird die Tochter am Montag wieder zur Schule gehen müssen. Dann ist ihre Klasse nach dem Rotationsprinzip an den Grundschulen der Gemeinde wieder mit dem Unterricht dran.

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Die Neu-Infizierungen im Kreis Unna und auch im Kreis Coesfeld halten sich aktuell stabil. Wir tickern hier live mit allen Nachrichten zum Coronavirus aus Selm, Olfen und Nordkirchen. Von Sylvia vom Hofe, Arndt Brede, Thomas Aschwer, Sebastian Reith, Marie Rademacher, Karim Laouari, Sabine Geschwinder, Marcel Schürmann, Jessica Hauck

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