Neue Chancen für Existenzgründer auf 55 Metern Länge in Nordkirchen

mlzGründerzentrum

55 Meter lang. Meist eingeschossig. Ein Teil mehrgeschossig. Das sind die Kenndaten der Begründung für eine Änderung des Bebauungsplans „Ermener Straße“. Dahinter steckt Innovation.

Nordkirchen

, 03.02.2019, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Änderung des Bebauungsplans steht auch im Zusammenhang mit dem Erfolg des Digital-Campus an der Aspastraße. Alle Flächen im Gebäude für sogenannte Startups (Existenzgründer) sind laut Bürgermeister Dietmar Bergmann belegt. Es gebe bereits weitere Anfragen nach Flächen. Da spielt der Gemeinde Nordkirchen in die Karten, dass ein Investor auf der Fläche eines ehemaligen Autohauses an der Lüdinghauser Straße eine Halle errichten will, die Firmengründern, kleineren Dienstleistungsunternehmen und anderem Kleingewerbe Raum geben soll. Unterteilbare kleinere Einheiten sollen das in der Halle möglich machen. Eben auch für Startups aus dem Digital-Campus.

Politik stellt einstimmig die Weichen

Der Rat der Gemeinde Nordkirchen beschloss am Donnerstag, 31. Januar, einstimmig, die für die Ansiedlung des neuen kleinen Gründerzentrums notwendige Bebauungsplanänderung umzusetzen. Baugrenzen müssen verändert werden. Es sollen andere Materialien als die bisher vorgeschriebene Verklinkerung der Gebäude zugelassen werden. Zudem soll nicht mehr strikt vorgeschrieben sein, das Gebäude eingeschossig zu errichten. Zuvor hatte der Ausschuss für Bauen und Planung die Weichen mit einem ebenfalls einstimmigen Beschluss gestellt.

Das hat der Investor vor:

  • Er möchte ein rund 55 Meter langes Gebäude mit voraussichtlich acht unterteilten Gewerbeeinheiten errichten, die im Erdgeschoss ein Lager und eine Fahrzeugabstellung ermöglichen sowie in einem eingebauten Obergeschoß eine kleine Bürofläche sowie Sanitäreinrichtungen bieten.
  • Jede Einheit ist selbstständig an die Energieversorgung angeschlossen und mit einem Frischwasser- und Schmutzwasseranschluss versehen.
  • Diese Gewerbehalle wird in eingeschossiger Bauweise mit dem Rücken zu dem nördlich verlaufenden Fuß- und Radweg erstellt.
  • Auf der Westseite dieser Gewerbehalle ist ein Bürogebäude mit Besprechungsräumen sowie einzelnen Büroeinheiten vorgesehen, die wiederum in ihrer Größe auf den Flächenwunsch der Interessierten zugeschnitten werden kann.
  • Die Zufahrt in die einzelnen Abteilungen soll ausschließlich vom bisherigen Parkplatz neben dem vorhandenen Elektronikmarkt möglich sein.

Verwaltung begrüßt Projekt

Bürgermeister Dietmar Bergmann begrüßte im Fachausschuss das Projekt des kleinen Gründerzentrums: „Da finden auch Startups aus dem Digital-Campus ihren Platz.“ Denn gerade die Existenzgründer des Digital-Campus haben nicht die Absicht, dort einen Mietvertrag für zehn Jahre abzuschließen, sagt Bergmann. Wenn sich ein solches Startup etabliert habe, könne es dann in das neue Gründerzentrum ziehen.

Auch Bauamtsleiter Josef Klaas sieht das Projekt positiv: „In anderen Kommunen wird so etwas als kommunale Einrichtung gemacht. Das haben wir nicht vor. Dass ein privater Investor das macht, finden wir gut. Das Risiko bleibt eben auf privater Seite.“

Die Fraktionen gaben im Fachausschuss ihre Stellungnahmen ab.

Lothar Steinhoff (SPD): „Das Vorhaben stellt eine Bereicherung des gewerblichen Angebots dar.“ Paul Bogade (ebenfalls SPD) schlug vor, den Bürotrakt ans andere Ende des Gesamtkomplexes zu setzen.

Die CDU finde das neue Gründerzentrum „generell eine Supersache“, erklärte Thomas Quante für seine Fraktion, wünsche aber Änderungen.

Kritikpunkte der CDU:

  • Die Auswahl der Materialien: Die anderen Anlieger hatten einst ihre Gebäude verklinkern müssen, so Quante. Dem neuen Investor andere Materialien zu erlauben, „finden wir nicht so toll“.
  • Der Abstand zwischen dem neuen Gebäude zum angrenzenden Fußweg sei mit drei Metern womöglich zu klein bemessen.
  • Der 55 Meter lange „Block“ (so Quante) sei „ein ziemlicher Schlag für alle anderen Anwohner“. Gerade weil das Bürogebäude vom Investor dreigeschossig wünsche, sei das Gebäude groß dimensioniert. Die CDU könne jedoch damit leben, wenn es eine Lücke zwischen dem mehrgeschossigen und dem eingeschossigen Gebäudetrakt gäbe, um das Ganze etwas aufzulockern.

Repräsentatives Element

Für Bündnis 90/Die Grünen erklärte Uta Spräner unter anderem, das neue Gründerzentrum sei eine gute Anknüpfung an den Digital-Campus.

Für die Verwaltung nahm Josef Klaas zu einigen Äußerungen der Politiker Stellung: Den Bürotrakt ans andere Ende zu setzen, sei vom Investor nicht gewünscht. Der Bürotrakt sei auch ein repräsentatives Element.

Der Investor lasse sicherlich darüber mit sich reden, den Bürotrakt zwei- statt dreigeschossig zu bauen.

Die Verwaltung wird nun nochmal mit dem Investor über die von den Politikern vorgeschlagenen Veränderungen reden. Im Grundsatz ließen Fachausschuss und Rat aber keine Zweifel daran, dass das Projekt gut für die Gemeinde ist.

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