Zum Semesterstart sollten alle neuen Studentenwohnungen der Fachhochschule für Finanzen fertig sein. Daraus wurde nichts. Manche Studenten erfuhren erst kurz vorher, wo sie wohnen werden.

Nordkirchen

, 04.09.2019, 18:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich war geplant, dass alle neuen Wohnungen der Fachhochschule für Finanzen NRW zum Semesterstart fertiggestellt sind. Doch als am Mittwoch (4. September) die 1059 neuen Studenten begrüßt wurden, waren auf dem Schlossgelände die Bauarbeiten, die im August 2018 gestartet waren, noch längst nicht abgeschlossen. Die Verwaltung der Fachhochschule erklärt, warum noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen sind.

„Zwei Etagen sind noch nicht bezugsfertig“, sagte Erich Sander, stellvertretender Verwaltungsleiter der FHF. Es handle sich um eines von zwei neuen Gebäuden. Die unteren beiden Etagen und das zweite Wohnhaus seien aber schon bereit für die neuen Studenten - komplett fertiggestellt sind sie allerdings ebenfalls noch nicht.

Eine „sehr, sehr sportliche“ Planung und „ein ambitioniertes Projekt“

„Gerade so“, sagte Erich Sander, seien die Arbeiten am zweiten Gebäude fertiggestellt worden, um zumindest schon mal bezugsfertig zu sein. „Von außen ist es noch nicht fertig“, erklärte er. Auch innen gebe es allerdings noch einige Baustellen. So sei beispielsweise ein Aufzug noch nicht fertiggestellt.

Es sei „ein ambitioniertes Projekt“ gewesen, stellte Klaus-Wilhelm Gratzfeld, Verwaltungsleiter der FHF, fest. Denn das ganze Bauprojekt sollte in nur einem Jahr fertiggestellt werden. Das sei einer der Gründe, warum nicht alles komplett fertiggestellt sei, erklärte er. Auch FHF-Leiterin Claudia Potthoff-Kowol nannte die angepeilte Bauzeit „sehr, sehr sportlich“.

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Zu dem ambitionierten Zeitplan kamen dann in einer frühen Phase auch noch einige Schwierigkeiten dazu, gestand er. „Die Fundamente mussten umgeplant werden“. Der wirkliche Baustart verzögerte sich dadurch.

Bauarbeiten könnten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden

Alle Beteiligten, betonte er, hätten alles gegeben, um allen neuen Studenten eine Wohnung bieten zu können - bis zur letzten Minute. „Es ist quasi so, dass die Handwerker aus dem Fenster raus gehen und die Studenten durch die Tür hereinkommen“, erklärte er.

Nicht alle neuen FHF-Wohnungen wurden zum Semesterstart fertig: Das sind die Gründe

Über 1000 neue Studenten konnte die Fachhochschule für Finanzen am Mittwoch begrüßen. Ein Teil von ihnen war in Nordkirchen, andere wurden in Herford begrüßt. © Pascal Albert

Klaus-Wilhelm Gratzfeld sei nun erst mal froh, dass ausreichend Wohnungen rechtzeitig bezugsfertig wurden und dankte allen Beteiligten. In der kommenden Zeit gehe es darum, auch die restlichen Bauarbeiten abzuschließen. Wann genau diese dann beendet sein werden, konnte er allerdings noch nicht sagen. Bis Ende des Jahres, deutete er an, sei aber ein realistisches Ziel.

„Alle sind irgendwie versorgt“

Bei den noch anstehenden Bauarbeiten gehe es aber weniger darum, so schnell wie möglich fertig zu werden, sondern auch auf den letzten Metern dem eigenen Qualitätsanspruch gerecht zu werden. Und außerdem müsse von nun an auch Rücksicht auf die am Mittwoch eingezogenen Studenten genommen werden, betonte er.

150 Studenten sollen in den beiden neuen Gebäuden im Bereich Sundern leben, sobald die letzten Wohnungen bezogen sein werden Aktuell sind es aber erst 111 Wohnungen, die schon bezugsfertig sind.

Der größte Einstellungsjahrgang seit 40 Jahren

  • Insgesamt studieren aktuell über 1900 Menschen an der Fachhochschule für Finanzen NRW und verteilen sich dabei auf drei Standorte.
  • In Nordkirchen sind es 1354, in Hamminkeln studieren derzeit 104 und in Herford 487 Studenten.
  • Waren es im vergangenen Jahr noch 993 neue Studenten, sind es in diesem Jahr 1059.
  • Der jetzige Jahrgang ist „der größte Einstellungsjahrgang der letzten 40 Jahre“, erzählte FHF-Leiterin Claudia Potthoff-Kowol.
  • 201 Studenten in Nordkirchen sind aktuell in Container-Wohnungen, sogenannten Übergangsheimen, auf dem Schlossgelände untergebracht. „Die brauchen wir auch noch“, sagte Verwaltungsleiter Klaus-Wilhelm Gratzfeld.

Doch auch wenn noch nicht alle Wohnungen auf dem 71 Hektar großen Schlossgelände bewohnbar sind, muss kein Student in Nordkirchen fürchten, kein Dach über dem Kopf zu bekommen. „Alle sind irgendwie versorgt“, sagte Erich Sander.

Über 150 Studenten wurden anderweitig untergebracht

Mit „irgendwie“ meint er die Unterbringung in Nordkirchen und den Außengebieten. Dort seien private Wohnungen von der Fachhochschule angemietet worden. Circa 155 dieser Anmietungen gibt es in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle, teilte Klaus-Wilhelm Gratzfeld mit.

Das betrifft auch die 39 Studenten, für die in den Neubauten noch kein Platz war. Für diese „hat die FHF kurzfristig Privatquartiere angemietet, sodass die adäquate Unterbringung dieser Personen sichergestellt ist“, erklärt Dr. Christian Buchmüller, Pressesprecher des Ministeriums der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen.

Nicht alle neuen FHF-Wohnungen wurden zum Semesterstart fertig: Das sind die Gründe

Viele Wohnungen sind bereits bewohnbar. Doch vor allem der Außenbereich der beiden Neubauten ist noch längst nicht fertiggestellt. © Pascal Albert

Einige der neuen Studenten erfuhren allerdings erst kurz vor ihrem Studienbeginn, wo genau sie überhaupt untergebracht werden würden. Zwar sei schon länger klar gewesen, dass sie eine Wohnung erhalten würden, erzählt der 18-jährige Bastian Weiss, doch „wir wussten heute morgen erst, dass wir in Sundern unterkommen“.

Nicht alle wohnen in angemieteten Wohnungen oder auf dem Schlossgelände

Dementsprechend spät erhielten einige Studenten auch erst ihre Wohnungsschlüssel. Erst nachmittags, kurz vor der Begrüßung durch Klaus-Wilhelm Gratzfeld und FHF-Leiterin Claudia Potthoff-Kowol im alten Mensagebäude, wurden die letzten Zimmerschlüssel verteilt.

Doch dafür erhalten die Bewohner der beiden neugebauten Gebäude auch eine Entschädigung. Denn die 150 neuen Wohnungen sind „die modernsten Zimmer“ auf dem ganzen Gelände, erklärte Potthoff-Kowol stolz bei ihrer Begrüßungsrede.

Es gibt aber auch einige Studenten, die nicht auf dem Schlossgelände oder in einer der angemieteten Wohnungen in der Umgebung leben, sondern zu ihren Vorlesungen pendeln. „Die, die das machen, machen das aber auf eigenem Wunsch“, sagte der Erich Sander.

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