Nicht dauerhaft anbinden: Landwirt aus dem Münsterland muss Kühen Auslauf geben

mlzGerichtsentscheidung

Zwei Stunden Auslauf jeden Tag soll ein Landwirt aus Vreden seinen Kühen Auslauf gewähren. Er wehrt sich dagegen. Ein Nordkirchener Landwirt kann seine Argumentation nicht nachvollziehen.

Nordkirchen

, 04.01.2020, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie viel Freilauf sollten Kühe mindestens bekommen? Gar keinen jedenfalls nicht. Das hat das Verwaltungsgericht Münster am Donnerstag entschieden und damit einen Eilantrag abgelehnt, den ein Landwirt aus Vreden im Kreis Borken gegen eine Anordnung des Kreisveterinäramts gestellt hatte.

Mindestens zwei Stunden Auslauf

Der Mitteilung des Gerichts gemäß hat der Landwirt 24 Kühe im Anbindehaltung. Das heißt, die Tiere haben einen festen Platz, an dem sie angebunden sind und von dem sie sich nicht wegbewegen.

Das Kreisveterinäramt hatte am 6. August angeordnet, dass die Tiere täglich mindestens zwei Stunden freien Auslauf auf einer Weide, einem Paddock, oder einem Laufhof erhalten sollten.

Dr. Manfred Ulrich vom Fachbereich Tiere und Lebensmittel des Kreises Borken erklärte zudem, was noch kritisiert wurde: Im besagten Stall seien die Liegebereiche für die Milchkühe zu kurz. Sie lagen mit dem Hinterteil auf einem Rost. Stroh oder Gummimatten auf dem Rost zur Linderung waren auch nicht vorhanden. Darüber hinaus seien eben keine Hinweise zu finden gewesen, dass die Kühe auf dem Hof oder der Weide vor dem Haus Auslauf erhielten.

Anbindehaltung ist die traditionelle Haltung für deutsche Bauern

„Die Anbindehaltung ist die traditionelle Haltung, wie sie früher überall in Deutschland praktiziert wurde“, sagt Herbert Lütke Holz, der Nordkirchener Ortslandwirt. Es gebe sie auch jetzt noch, vor allen Dingen in kleinen Betrieben. Zumindest in Nordkirchen weiß Lütke Holz, dass Landwirte, die diese Form der Haltung haben, ihre Tiere im Frühjahr und Sommer auf die Wiese lassen.

Nicht dauerhaft anbinden: Landwirt aus dem Münsterland muss Kühen Auslauf geben

Auf dem Hof von Herbert Lütke Holz sind die Kühe in einem Laufstall untergebracht. Dort können sie sich frei bewegen © Sabine Geschwinder

Je größer die Betriebe seien, umso mehr böten sich aber Laufställe an. Auch Herbert Lütke Holz, der einen Betrieb mit 150 Kühen hat, hat so einen Stall. Die Kühe können sich dort in Boxen hinlegen, sie können aber auch herum laufen und sich an der Futtertheke bedienen, wenn sie das wollen, außerdem können sie auch ein Stück herausgehen, zu einem Teil der nicht überdacht ist. Es gibt auch Kühe, die auf die Weide kommen. Das hänge zum einen davon ab, wie viel Futter die Kühe bekommen sollen. Zum anderen davon, ob sie gerade ohnehin keine Milch geben, weil sie bald ein Kälbchen erwarten.

Kein Verbot für Anbindehaltung

2015 gab es in NRW laut Zahlen der Landwirtschaftskammer NRW 6812 Betriebe, die noch Anbindehaltung praktizierten. „Den heutigen Tierschutz- und Arbeitsstandards wird die Anbindehaltung nicht mehr gerecht“, schrieb die NRW-Regierung schon damals. Ein generelles Verbot für die Anmeldehaltung gibt es aber bislang nicht.

Nicht dauerhaft anbinden: Landwirt aus dem Münsterland muss Kühen Auslauf geben

Der Stall von Herbert Lütke Holz ist ziemlich hell. © Sabine Geschwinder

Der Landwirt aus Vreden versuchte, gegen die Anordnung des Veterinäramtes zu argumentieren: Er sieht seine Tiere bei freiem Auslauf einer erhöhten Infektionsgefahr und Angriffen durch Wölfe und Hunde ausgesetzt.

„Da kann ich die Meinung des Kollegen nicht nachvollziehen“, sagt Herbert Lütke Holz. Eine erhöhte Infektionsgefahr sehe er nicht, höchstens wenn eine Seuche bereits bestehe. Und auch eine Gefahr durch Hunde oder Wölfe sieht er bei Kühen nicht, da wären eher Kälber gefährdet.

Urteil ist noch nicht rechtskräftig

Auch das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. „Die vom Antragsteller praktizierte ganzjährige Anbindehaltung der Rinder lasse sich nicht mit den tierschutzrechtlichen Geboten zur verhaltensgerechten Unterbringung und artgemäßen Bewegung vereinbaren“, war die Einschätzung des Gerichts. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Landwirt legte Beschwerde am Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster ein.

Lütke Holz, der früher selbst einen Anbindestall hatte, merkte die positiven Auswirkungen des Laufstalls übrigens, wie er sagt genau: „Die Kühe gaben sofort mehr Milch - obwohl sie das gleiche Futter bekommen haben.“ Wie viel mehr, das verrät er allerdings nicht.

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