„Versäumnisse der Vergangenheit“: Nordkirchener Schulleiter über Tücken des digitalen Lernens

mlzUnterricht in der Coronakrise

Die Schule als zentraler Ort des Lernens? Was vor der Corona-Krise normal war, steht plötzlich Kopf. Die Gesamtschule Nordkirchen verlagert den Unterricht ins Netz - und stößt an Grenzen.

Nordkirchen

, 25.03.2020, 09:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Leere Klassenzimmer, verwaiste Flure - die Schulen sind seit dem 16. März halb im Ferienmodus, halb läuft der Betrieb weiter. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat den Alltag an der Johann-Conrad-Schlaun-Schule (JCS) - wie an den anderen Schulen auch - gehörig durcheinandergewirbelt.

Der Unterricht, wenn er denn so genannt werden kann, ist zurzeit auf tägliche E-Mails von den Klassenlehrern begrenzt, wie Schulleiter Ulrich Vomhof im Gespräch mit dieser Redaktion berichtet. Das System der Schule läuft so: Die Fachlehrer leiten ihre Aufgaben für die Schüler an die Klassenlehrer weiter. Die wiederum verschicken die gesammelten Schulaufgaben an die Schüler. „Wir wollen damit verhindern, dass die Schüler jeden Tag unzählige E-Mails bekommen“, sagt Vomhof. Bislang laufe diese Vorgehensweise gut, lautet sein Urteil: Diese Rückmeldung hätten auch die Eltern gegeben.

Zentrale Server sind überlastet

Die E-Mail-Lösung sei aus der Not heraus geboren, sagt der Gesamtschulleiter. Denn die eigentlich vorgesehene Variante - dass die Aufgaben über einen zentralen Server hochgeladen und für die Schüler abrufbar sind - funktioniere derzeit schlichtweg nicht zuverlässig. „Alle Server-Lösungen sind zurzeit überlastet“, erklärt Vomhof.

Auch ein Unterricht via Online-Video-Konferenz sei nicht umsetzbar, macht Vomhof deutlich. Jedenfalls nicht für alle Schüler. Es gebe zum Teil Videokonferenzen in der Oberstufe. Mehr allerdings nicht. „Jetzt rächen sich die Versäumnisse der Vergangenheit“, macht Vomhof deutlich. Gemeint sei damit nicht nur der schleppende technische Ausbau für das digitale Lernen.

Damit verbunden sei auch schlicht die fehlende praktische Übung, Unterricht über das Internet durchzuführen. „Diese Art des Arbeitens konnte einfach nicht eingeübt werden“, sagt der Schulleiter. Das gelte für beide Seiten: Lehrer und Schüler. Das bedeutet für den derzeitigen Schulalltag an der JCS, dass die Schüler ihre Aufgaben abarbeiten - jeder für sich.

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Was die Menge der Aufgaben angeht, empfehle das Schulministerium nach „gesundem Augenmaß“ zu entscheiden, zitiert Vomhof die Vorgabe. „Das ist natürlich etwas schwammig formuliert“, gibt er zu. Das Kollegium in Nordkirchen taste sich deshalb an das geeignete Maß heran.

Ganz eindeutig hingegen sei die Ministeriumsvorgabe, was Klassenarbeiten und Klausuren angeht: Alles, was zurzeit im „Unterricht“ behandelt wird, ist nicht prüfungsrelevant, erklärt Vomhof. Was für die Schüler vielleicht Grund zur Freude ist, beschreibt der Schulleiter zumindest als „schwierig“. Denn „irgendwann muss ja neuer Stoff vermittelt werden“, macht er deutlich. Derzeit werde viel Stoff wiederholt - auch, weil Schüler allein „nur einen Bruchteil des Stoffs schaffen“ im Vergleich zum Lernen im Klassenzimmer mit Lehrer und Mitschülern.

Notbetreuung wird noch nicht genutzt

Wenig Arbeit hat die Schule aktuell noch mit der erweiterten Notbetreuungsregelung. Eltern oder Erziehungsberechtigte, die in Berufen im Bereich der kritischen Infrastruktur tätig sind, haben jetzt die Möglichkeit, ihre Kinder in der Schule betreuen zu lassen. Dafür müssen nicht mehr, wie zuvor, beide Elternteile in einem Beruf der kritischen Infrastruktur tätig sein.

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„Wir stehen bereit für die Notfallbetreuung“, sagt Ulrich Vomhof. Der Dienstplan im Kollegium sei entsprechend angepasst worden, um die Betreuung an sieben Tagen in der Woche zu organisieren. Bislang sei aber noch kein Schüler in der Betreuung. „Ich gehe aber davon aus, dass sich das noch ändern wird“, ergänzt der Schulleiter. Sieht man von der möglichen Notbetreuung ab, bestehe das Schulleben im Schulgebäude zurzeit lediglich aus Ulrich Vomhof selbst und dem Sekretariat. Das Lehrerkollegium arbeite von zu Hause aus.

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