Nordkirchener wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Unfall mit Todesfolge

Es war einer der schwersten Unfälle 2015 in Nordkirchen: Ein Motorradfahrer erfasste einen Mann, der am Abzweig nach Capelle sein Fahrrad über die Münsterstraße schob. Der Fußgänger - der ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins, Erhard Huppert - starb. Knapp neun Monate danach kam dieser Fall nun vor Gericht.

NORDKIRCHEN

, 28.04.2016, 15:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Unfallstelle an der Münsterstraße.

Die Unfallstelle an der Münsterstraße.

Erhard Huppert kam bei dem Verkehrsunfall am 2. August 2015 ums Leben. Es wird noch dauern, bis die Beteiligten dieses Ereignis verarbeitet haben, doch juristisch ist der tragische Unfall nun beendet.

Das Amtsgericht Lüdinghausen verurteilte am Donnerstag den 30-jährigen Motorradfahrer aus Nordkirchen wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 4200 Euro. Zudem wird ihm der Führerschein für drei Monate entzogen.

So kam es zu dem Unfall

Erhard Huppert wollte an besagtem Sonntag im August vergangenen Jahres gegen 11 Uhr die Münsterstraße in Richtung der Straße Altendorf überqueren. Dabei wurde er von dem Motorrad des Nordkircheners erfasst.

Huppert starb noch an der Unfallstelle im Alter von 77 Jahren.

Die Einschätzung des Sachverständigen

Der Sachverständige sagte am Donnerstag vor Gericht, er habe die Geschwindigkeit des Motorrads zugunsten des Angeklagten auf 128 Stundenkilometer festgelegt. „Wenn der Fahrer sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern gehalten hätte, hätte der Unfall vermieden werden können“, so der Sachverständige. „Hätten Sie sich vorschriftsmäßig verhalten, wäre das nicht passiert“, sagte auch Richterin Ira Schwefer in der Urteilsbegründung.

Sie erklärte, solche Unfälle seien nicht leicht zu verhandeln. Schwefer: „Man kann sie nicht mehr rückgängig machen.“ Zugunsten des Angeklagten habe sie bewertet, dass er seine Schuld eingeräumt habe. Zudem würden keine Einträge im Zentralregister vorliegen.

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Das sagte der Angeklagte im Prozess

Der Angeklagte aus Nordkirchen räumte ein, er sei zügig unterwegs gewesen. „Das Tempo-70-Schild habe ich zu spät bemerkt“, so der 30-Jährige. Er sei von einem Flohmarkt in Werne gekommen und auf dem Weg nach Hause gewesen. Die Straße würde er nicht regelmäßig fahren. Eineinhalb Monate vor dem Unfall habe er den Motorradführerschein gemacht.

Auch der Angeklagte wurde bei dem Unfall verletzt. Er erklärte, er sich habe sich das Schlüsselbein und einen Arm gebrochen. Der Angeklagte sagte: „Es tut mir alles sehr leid.“ Das habe er der Familie des Verstorbenen auch in einem Brief geschrieben. Das betätigte die Witwe Gerlinde Huppert vor Gericht. Sie trat als Nebenklägerin auf. 

An dem Sonntag war ein Zeuge mit seiner Ehefrau in einem Cabrio unterwegs. Er kam aus Capelle und war nach rechts in die Münsterstraße eingebogen. „Da habe ich im Rückspiegel den älteren Herrn gesehen, der sein Pedelec über die Straße schob. Ich sah auch das heranrasende Motorrad“, so der Zeuge. Er habe noch zu seiner Frau gesagt, es würde gleich krachen. „Dieses Erlebnis bekommen meine Frau und ich nicht mehr aus dem Kopf.“

Verurteilter: Werde keine Berufung einlegen

Gerlinde Huppert wurde unter anderem von ihrem Sohn zum Gericht begleitet. „Es war wichtig für mich, hier dabei zu sein, um den Tod meines Mannes verarbeiten zu können“, erklärte sie nach dem Prozess in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von 3600 Euro beantragt. Die Verteidigung bat um ein mildes Urteil. Das Gericht legte die Geldstrafe auf 4200 Euro fest. Wie der Angeklagte und sein Rechtsanwalt nach dem Prozess in einem Gespräch mit unserer Redaktion erklärten, werde man keine Berufung einlegen. 

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